Sex und Schuld

Pedro Almodóvars neues Melodram "Julieta" um Familientabus
| Adrian Prechtel
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Adriana Ugarte als „Julieta“ im Zug in den 80ern.
FFM Adriana Ugarte als „Julieta“ im Zug in den 80ern.

Pedro Almodóvars neues Melodram "Julieta" um Familientabus

Der neue Film von Pedro Almodóvar hatte keine guten Karten: In den Panama-Papers war der Bruder und Produzent des Regisseurs kurz vor der Spanien-Premiere aufgetaucht. In Cannes wurde „Julieta“ lauwarm aufgenommen. Aber das ist ungerecht: Zwar hat der Spanier schon größere Meisterwerke vollbracht und vielleicht sind manche etwas der überstilisierten Melodramatik mit den Leuchtfarben und märchen-realistischen Orten und Settings etwas überdrüssig.

Aber die Geschichte einer Mutter, deren Tochter ihr – ohne es auszusprechen – den Tod des Vaters vorwirft und am 18. Geburtstag verschwindet, ist psychologisch spannend.

Der gesamte Almodóvar-Kosmos ist wieder zu sehen: starke Frauen, Koma, Sex und Seitensprünge, Familiengeheimnisse – alles symbolisch, erotisch aufgeladen, in übertriebenen Farben, fast kitschig erzählt, aber einfach schön und wild konstruiert: So wenn auf einer nächtlichen Zugfahrt eine junge Frau einem älteren Mann nicht beisteht, der sich dann vor den Zug wirft, aber gleichzeitig auf dem Sitz ein Kind gezeugt wird.

 Fr, 1.7., 17.30 Uhr, Carl-Orff-Saal

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