Sebastian Bezzel plaudert über Eberhofer-Fans: "Ich will das nicht sein!"

AZ: Es ist jetzt drei Jahre her, seit der letzte Eberhofer ins Kino gekommen ist. War es eine willkommene Pause oder hätten Sie gerne im Jahresrhythmus weitergemacht?
LISA MARIA POTTHOFF: Ich mochte die Pause. Man ist danach wieder frisch und auch dankbar. Es ist wieder etwas Besonderes. Ich finde, man hat den Abstand auch in der Aufregung gespürt. Am ersten Drehtag war ich nervöser als die Jahre zuvor.
SEBASTIAN BEZZEL: Nervöser war ich nicht. Die Pause war aber gut, weil man dann auch mal von diesem ganzen Betrieb wegkommt - die Dreharbeiten sind es ja nicht - den Kino-Touren, den vielen Interviews. Das ständige Präsentsein, weil man gerade im Kino ist. Es ist angenehm, dass man mal zum Durchatmen kommt. Als wir uns nach drei Jahren wieder getroffen haben, beim Warm-up-Abend, und es gab den obligatorischen Schweinsbraten in der üblichen Wirtschaft, da habe ich mich richtig gefreut, als alle wieder beisammensaßen. Es hat sich nichts verändert - na, gut, ein paar sind ein bisschen grauhaariger geworden. Am ersten Drehtag auf unserem Bauernhof kam der Gerhard Wittmann rein, hat mich begrüßt und sich wieder über die gleichen Dinge beschwert wie immer. Das war der Wahnsinn! Nach drei Jahren war es so, als wäre es gestern gewesen, als hätten wir gerade nur zwei Wochen Urlaub gehabt. Es gibt auch immer ein paar neue Leute - was auch wichtig fürs Team ist - aber das Gewohnte fühlt sich schön an. Man gehört zu etwas dazu.

Wenn die Kinder nur Hochdeutsch sprechen
Ihr Filmsohn Paul spricht kein Bairisch. Wieso kam es dazu?
LISA MARIA POTTHOFF: Das hat die Rita Falk sich so überlegt in ihrem Roman und die Drehbuchautoren haben das übernommen. Dadurch entsteht auch ein Spannungsfeld in der Familie.
SEBASTIAN BEZZEL: Und außerdem ist das eine der realistischsten Sachen in den Büchern.
Kennen Sie das von zu Hause?
Natürlich. Ich habe Kinder in Hamburg, die sprechen natürlich Hochdeutsch. In dem Moment, wo die in den Kindergarten gehen, hast du die Sprachhoheit verloren. Aber das ist laut Freunden, die in München leben, selbst hier nicht anders. So richtig auf dem Land, wie in Niederkaltenkirchen, würde er wahrscheinlich ein bisschen Bairisch reden. Der Dialekt geht aber oft einfach verloren.
LISA MARIA POTTHOFF: Bei mir ist es anders, da ich ja in Berlin geboren bin und meine Eltern wirklich Nordlichter sind. Das heißt, zuhause habe ich nie Bairisch gesprochen. Die sprachliche Sozialisation kam bei mir eben durch Grundschule und einen katholischen Kindergarten. Später dann auch durch Freundeskreis und Umfeld, wie den Burschenverein Siegertsbrunn und auch das erste Verliebtsein.

Charakterentwicklung und Komödie verstehen sich nicht besonders
Ihr Kollege Simon Schwarz sagte in der deutschen Ausgabe des „Playboy“: „Ich mag Veränderung und gehöre nicht zu denen, die immer gleich sein wollen. Das ist fast ein bisschen mein Problem mit den Eberhofer-Filmen.“ Ist das auch etwas, was Sie beschäftigt?
SEBASTIAN BEZZEL: Nein, mich stört es nicht. Beziehungsweise, ich sehe das anders. Es ist typisch für Comedy-Serien, wie zum Beispiel „Big Bang Theory“, dass die Figuren sich nicht verändern. Das will auch keiner, denn dann können die Witze nicht mehr so sitzen. Es geht nicht darum, dass es da eine Katharsis gibt, in dem Sinne, dass die Figur Franz am Ende des Films ein anderer ist als am Anfang. Trotzdem findet das bei uns statt, und zwar in den kleinen Kämpfen. Das könnte man alles, wenn es keine Komödie wäre, ernster sehen. Wenn es ein niederbayrischer Arthouse-Film wäre - schwarz-weiß gedreht - über einen depressiven Polizisten, der Selbstmordgedanken hat, vor sich hinlebt und komplett ehrgeizlos ist. Da könnte man eine ganz ernsthafte Nummer draus machen. Aber bei uns sind es die Kleinigkeiten. Ich finde ganz toll, wie unsere Beziehung gezeigt wird. Da heißt es oft: „Die streiten zu viel!“ Aber das ist doch super! Das ist eine lebende Beziehung. Nach mehr als 20 Jahren zusammen ist es eine Riesenherausforderung, eine Beziehung aufrechtzuerhalten. Die Beziehung zwischen Susi und Franz lebt noch. Die streiten noch. Aber die versöhnen sich auch und haben noch verdammt guten Versöhnungssex! Sie lachen auch noch zusammen. Da gibt es eine Ebene, wo sie total funktionieren. Oder auch in der Vater-Sohn-Beziehung. Da gibt es diese kleinen Kämpfe, die zu sehen sind. So ist durchaus Bewegung in den Figuren drin.
LISA MARIA POTTHOFF: Ja, ich sehe das auch ein bisschen anders als Simon. Auch von der Struktur der Filme her. Wenn wir das wie in einem Beziehungsfilm erzählen würden, wie sie sich aufeinander zubewegen, dann hätten wir nach 10 Filmen nichts mehr komödiantisch zu verhandeln. Aber es ist nicht so, dass es starre Figuren sind, auch was die Susi angeht. Ich glaube nicht, dass Rita Falk beim „Dampfnudelblues“ nur annähernd im Kopf hatte, dass Susi mal Bürgermeisterin werden will. Wir waren ja mal getrennt, mussten das irgendwie deichseln. Es gibt einen Spruch, den habe ich vor Kurzem gelesen, einen Rat an Männer: „Wenn deine Frau noch mit dir streitet, sei froh. Wenn sie anfängt zu schweigen, ist sie bald weg.“ Das stimmt. Wenn man sich heute „Dampfnudelblues“ im Spannungsfeld zu „Steckerlfischfiasko“ ansehen würde, dann würde man sehen, dass ganz schön viel passiert ist. Nicht nur, dass wir älter geworden sind, sondern auch, wie Konzepte funktionieren.

Etwas hat sich aber verändert: Es gibt keinen Leberkäs mehr!
SEBASTIAN BEZZEL: Da bin ich aber ganz froh, dass der mal weg ist. Jeder spricht mich permanent auf Leberkäs an. Ich will nicht der Bundesbeauftragte für Leberkässemmeln sein! Insgesamt bin ich aber kulinarisch schon dabei, esse unter anderem Steckerlfisch. Und der Metzger macht ja keinen Leberkäs mehr. Der ist beim Golfen.
Susi und Franz - Die Liebe fürs Leben?
Allgemein ist der Eberhofer sehr phlegmatisch. Die Ambitionen, die die Susi hat, werden sogar bekämpft. Wie hält die Susi es so lange mit ihm aus?
LISA MARIA POTTHOFF: Ich finde, diese Frage sollte man auch an den Franz stellen. Wie hältst du es so lange mit der Susi aus? Es ist ja die Frage, wie funktionieren Beziehungen. „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“? Bei den beiden ist es „Gegensätze ziehen sich an“.
SEBASTIAN BEZZEL: Das würde ich so nicht sagen. Es ist eine Mischung aus beidem. Ich finde allgemein bei Beziehungen müssen Gegensätze drin sein, aber es ist auch „gleich und gleich“ bei manchen Geschichten.
LISA MARIA POTTHOFF: Das stimmt. Ich glaube, das Phlegma ist etwas, was Susi innerlich zutiefst ablehnt, weil nichts vorangeht. Aber gleichzeitig ist es auch ein Sehnsuchtsort, der sie herunterholt. Ich glaube einfach, dass es „Lieben des Lebens“ gibt und das hier ist eine. Das heißt nicht, dass sie sich niemals trennen. Aber wenn man biografisch ganz ans Ende geht, ans Sterbebett der beiden, glaube ich, dass beide sagen würden: „Das war meine große Liebe“. Egal ob da noch eine Beate kam, eine Annegret oder eine Viktoria.

Sieht das der Franz genauso?
SEBASTIAN BEZZEL: Die Oma sagt in den Filmen: „Du hast sie dir ausgesucht, jetzt musst du sie auch aushalten.“
LISA MARIA POTTHOFF: Ein mega unrealistischer Moment! Der stört mich!
SEBASTIAN BEZZEL: Nein! Es ist unrealistisch, dass du mir auf den Sack gehst. Aber dass ich mich drüber beschwere, ist sehr realistisch.
LISA MARIA POTTHOFF: Danke für die Unterscheidung!
SEBASTIAN BEZZEL: Ich glaube, dass die zwei immer wieder gute Zeiten haben und hatten - übrigens auch über den Tag hinweg, nicht nur über ein Jahr. Ich sehe das auch als die Lebensliebe. Ich glaube, da ist wieder das Franz-Problem: Es wird nicht infrage gestellt. Natürlich ist die Tessa gespielt von Ruby O. Fee ein heißer Feger. Und natürlich schaut er der hinterher und möchte vor ihr gut dastehen.
LISA MARIA POTTHOFF: Wenn beim Franz eine Frau in der Nähe war, war er noch nie ein Kostverächter.
SEBASTIAN BEZZEL: Die Susi aber auch nicht.
LISA MARIA POTTHOFF: Aber wir reden ja gerade über dich.
SEBASTIAN BEZZEL: Er möchte es halt bei der Tessa auch noch mal versuchen, ist aber dicker und älter geworden. Die steht halt nicht auf ihn, sondern auf den jungen, gutaussehenden Typen. Das ist schon irgendwie bitter. Das ist das Problem! Aber nicht, dass er sie wirklich geiler findet als die Susi. Und ich glaube, dass der Franz seine Familie sehr liebt. Sie halten zueinander und sie haben eine Haltung. Verrückte Typen, aber es ist ein ganz toller Clan, eine richtige Familie. Die anderen Familien funktionieren nicht so: Der Flötzinger hat seine Familie verloren, dem Leopold seine Frau ist in Thailand.
LISA MARIA POTTHOFF: Ich meine Birkenberger und Franz ist ja eine ähnliche Beziehung. Also das ist schon das System, wie Franz eine Beziehung führt. Birkenberger und Eberhofer ist ja auch ein extrem knirschendes System, das sich aber nicht auflösen kann.
SEBASTIAN BEZZEL: Ich habe früher mal gesagt, der Birkenberger ist der einzige Mensch neben der Oma, dem der Franz zu 100 Prozent vertraut. Mittlerweile würde ich das - trotz der Italiener-Geschichte - aber erweitern. Der Susi vertraut er auch zu 100 Prozent. Dem Franz wäre eine stille Affäre mit einem Italiener wahrscheinlich lieber als diese Bürgermeister-Ambitionen. Und klar, wir erzählen eine Komödie. Also alles, was wir jetzt sagen, sieht man das in dem Film? Wenn man will, ja. Aber wir müssen natürlich alles überspitzen und überhöhen, sonst wäre es nicht lustig.

Simon Schwarz sorgte am Set für Kopfschmerzen
Simon Schwarz hat den Gestank seiner Figur am Set mit Parfüm nachgestellt.
SEBASTIAN BEZZEL: Das war sehr lustig. Der Ed Herzog hat ein besonders billiges Scheißparfum gekauft. Damit hat sich der Simon eingesprüht. Und wir haben ihn tierisch gebeten, das bitte nicht mehr zu machen. Das war so unerträglich, dass uns lieber gewesen wäre, er hätte sich einfach zehn Tage nicht gewaschen. Das hat er zwei, dreimal gemacht und sich selbst bepisst vor Lachen. Für uns war es aber schrecklich, man kriegt dann so Kopfweh.
Für mich waren die Pärchen-Szenen zwischen ihnen beiden immer wieder kleine Highlights im Film. Wieso passt es zwischen Ihnen beiden so gut am Set?
LISA MARIA POTTHOFF: Es ist einfach, wenn ich mit Sebastian zusammen bin - es ist so ein neumodisches Unwort - „flowen“ wir einfach. Das ist so wie bei einem Newtonpendel - dieses Teil für den Schreibtisch, wo die Metallkugeln aneinanderstoßen. Er schießt mir was rüber und ich nehme es dankbar auf. Das macht mir große Freude und ich finde es sehr belebend. Sebastian hat wirklich fast zu 100 Prozent meinen Humor. Und das ist es, was in vielen Bereichen dann funktioniert. Man ist auf einer Wellenlänge. Und ich glaube, das ist generell in Beziehungen das Schönste, dass man sich gegenseitig spürt. Ich habe schon das Gefühl, dass Sebastian mich gut spürt, spürt wo ich gerade bin. Er ist ein guter Sparringspartner und ich versuche auch für ihn einer zu sein.
SEBASTIAN BEZZEL: Sowas kann man nicht erzwingen. Aber es war relativ früh klar, dass das passt - auch mit Simon. Wir funktionieren super als Dreieck. Jeder hat seinen Stress. Jeder hat sein Privatleben. Aber wir haben grundsätzlich ähnliche Haltungen zum Leben. Zur Branche vielleicht auch. Und wir haben einfach - und da sind wir wieder bei dem Punkt von vorher, mit Rudi, Oma und dir - Vertrauen.