Sandra Hüller sieht sich nicht als Hollywoodstar

Mit ihrer Rolle in "Der Astronaut" an der Seite von Ryan Gosling rückt Sandra Hüller noch stärker ins internationale Rampenlicht. Warum sie mit dem Begriff Hollywoodstar trotzdem wenig anfangen kann, verrät sie im Interview.
von  (lau/spot)
Hollywoodstar Ryan Gosling und Sandra Hüller in "Der Astronaut - Project Hail Mary".
Hollywoodstar Ryan Gosling und Sandra Hüller in "Der Astronaut - Project Hail Mary". © Amazon Content Services/Amazon MGM Studios/Jonathan Olley

Am 19. März erscheint "Der Astronaut - Project Hail Mary" in den deutschen Kinos, ein mit Spannung erwarteter Sci-Fi-Film der "The Lego Movie"-Macher Phil Lord (50) und Chris Miller (50). Superstar Ryan Gosling (45) begibt sich darin auf eine abenteuerliche Reise in die Tiefen des Weltalls, um nicht weniger als den gesamten blauen Planeten samt aller seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu retten.

Die oscarnominierte deutsche Schauspielerin Sandra Hüller (47) spielt an der Seite von Gosling die Figur Eva Stratt. Die strenge ESA-Mitarbeiterin leitet das Project Hail Mary. Stratt versucht auf der Erde, die komplexe Raumfahrtmission zu einem anderen Stern zu organisieren. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Hüller über die Zusammenarbeit mit dem Hollywoodstar, gibt Einblicke in die Dreharbeiten zu dem mehrere Hundert Millionen US-Dollar teuren Blockbuster und verrät, ob sie sich inzwischen selbst als Hollywoodstar sieht.

Ryan Gosling hat verraten, dass Sie den Song "Sign of the Times" von Harry Styles für "Der Astronaut - Project Hail Mary" gefunden haben. Ist das wahr?

Sandra Hüller: Ja, das stimmt. Es gab diese Abschiedsszene für die Astronautinnen und Astronauten, die ins All aufbrechen und wahrscheinlich nicht zurückkommen. Ursprünglich war Eva Stratt in der Szene gar nicht vorgesehen, dann kam die Idee auf, dass sie doch dabei sein sollte. Es fehlte aber noch ein Song. Wir haben viel ausprobiert. Er musste zu mir passen, inhaltlich stimmen, durfte nicht zu kitschig klingen und sollte eher zurückgenommen wirken. Dann bin ich auf dieses Lied gestoßen und dachte sofort: Das ist verrückt, wie gut das auch textlich passt. Die Produzentin Amy Pascal hat dann über Nacht die Rechte organisiert und wir haben die Szene gleich am nächsten Tag gedreht. Später ist der Song auch im Trailer gelandet, aber damit hatte ich nichts mehr zu tun.

Sie haben einmal gesagt, Ryan Gosling suche im Spiel wirklich die Verbindung zum Gegenüber. Warum ist das bemerkenswert?

Hüller: Weil das nicht selbstverständlich ist. Es gibt Schauspielerinnen und Schauspieler, die eher für die Kamera spielen oder stärker mit sich selbst beschäftigt sind. Bei ihm ist das gar nicht so. Gerade wenn man vorher noch nicht mit amerikanischen oder kanadischen Kolleginnen und Kollegen gearbeitet hat, weiß man ja nicht, was einen erwartet. Er interessiert sich wirklich für sein Gegenüber, und das ist sehr schön.

Wie war es für Sie, auf Englisch zu drehen?

Hüller: Ich mag das sehr. Ich drehe gern in anderen Sprachen, weil ich dann weniger kontrollieren kann. Wenn ich auf Deutsch arbeite, bin ich sprachlich oft sehr genau. In einer anderen Sprache geht das nicht in derselben Weise. Das bedeutet für mich eher Freiheit.

In der deutschen Fassung des Films sprechen Sie sich selbst?

Hüller: Ja, ich habe mich selbst synchronisiert.

Sie haben gesagt, Sie hätten sich für Ihre Figur Eva Stratt auch von weiblichen Führungspersönlichkeiten und Politikerinnen inspirieren lassen?

Hüller: Ich würde das gar nicht nur auf Politikerinnen verengen. Natürlich gibt es viele spannende Frauen in Machtpositionen, die interessant sind. Aber ich denke auch an Figuren wie Ripley aus "Alien", Agent Scully aus "Akte X" oder Morgan Freeman in "Sieben". Das sind alles Figuren mit einer natürlichen Autorität, die andere durch die Geschichte leiten.

Haben Sie Rocky, die animatronische Figur aus "Der Astronaut", am Set erlebt?

Hüller: Während der Dreharbeiten nicht, weil alles, was mit Rocky zu tun hatte, im Studio entstanden ist und ich vor allem an realen Drehorten war - auf dem Flugzeugträger, in der Schule oder im Labor. Vor ein paar Tagen habe ich Rocky aber kennengelernt, zusammen mit James Ortiz und den anderen Puppenspielerinnen und Puppenspielern. Das war extrem rührend. Rocky zu begegnen, ist etwas ganz Besonderes.

"Project Hail Mary" ist ein großer, teurer Hollywoodfilm. War der Druck am Set spürbar?

Hüller: Nein. Natürlich muss es für die Filmemacher enormen Druck gegeben haben, schon wegen der Größe des Projekts. Aber davon ist bei uns nichts angekommen. Das Set war unglaublich spielerisch, sehr leicht, hervorragend organisiert. Es gab keine Atmosphäre der Angst, sondern viel Freiheit und Offenheit. Das war vielleicht das Schönste daran.

Im Presseheft heißt es, Ryan Gosling und Sie hätten sich schon während des Award-Circuits kennengelernt, als sie für einen Oscar nominiert waren. Hat sich das Projekt daraus ergeben?

Hüller: Nein, so war es nicht. Wir sind uns damals nicht wirklich begegnet. Ich habe ihn mal irgendwo am anderen Ende eines Raumes gesehen, mehr nicht. Tatsächlich kennengelernt haben wir uns erst bei den Dreharbeiten. Es gab auch keine Proben, keine Anlaufzeit - wir standen direkt zusammen vor der Kamera.

Der Film verbindet Science-Fiction mit starken emotionalen Momenten. Haben Sie sich auch auf die wissenschaftlichen Aspekte vorbereitet?

Hüller: Das Drehbuch und auch die Romanvorlage von Andy Weir sind in dieser Hinsicht sehr präzise. Alles ist bis ins Detail ausgeführt, und mit Andy Weir oder Drehbuchautor Drew Goddard gab es jederzeit Ansprechpartner, wenn Fragen auftauchten. Deshalb musste ich mich im Grunde nicht gesondert vorbereiten. Außerdem ist das Wissen über die wissenschaftlichen Zusammenhänge eher Teil von Ryans Figur.

Spätestens seit der Oscarnominierung und nun mit "Project Hail Mary" werden Sie auch als Hollywoodstar bezeichnet. Wie gehen Sie damit um?

Hüller: Ich habe ja noch nie in Hollywood gedreht - das ist das Lustige daran. Alles fand in Europa statt. Andere können dieses Etikett gern benutzen, aber ich selbst habe dazu keine Beziehung.

In "Der Astronaut" gibt es eine kurze Szene, in der Ihre Figur stark gealtert zu sehen ist. Wie war es für Sie, sich selbst so auf der Leinwand zu betrachten?

Hüller: Das war ein ziemlich aufwendiger Prozess. Für mich war es sehr beeindruckend und irgendwie auch beglückend, das zu sehen - als einen möglichen Blick darauf, wie es irgendwann einmal sein könnte. Ich fand das sehr schön.

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