Renée Zellweger ist "Judy" Garland

Im Künstlerdrama „Judy“ verkörpert Renée Zellweger in der Rolle ihres Lebens Judy Garland  
| Margret Köhler
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Packend und wunderbar: Renée Zellweger als Judy Garland.
eOne Packend und wunderbar: Renée Zellweger als Judy Garland.

Im Künstlerdrama „Judy“ verkörpert Renée Zellweger in der Rolle ihres Lebens Judy Garland

Im vergangenen Jahr jährte sich der Todestag von Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin Judy Garland zum 50. Mal. Sie starb am 22. Juni 1969 in einem Londoner Hotelzimmer an einer Überdosis Schlafmittel mit 47 Jahren.

„Somewhere over the Rainbow“ in „The Wizard of Oz“

Triumph und Tragödie, Abstürze und Enttäuschungen prägten das Leben des einstigen Kinderstars, der von der ehrgeizigen Mutter früh auf Tour geschickt worden war. Das Mädchen mit den großen Augen durfte nicht erwachsen werden, 1939 sang sie sich 16-jährig als Dorothy mit „Somewhere over the Rainbow“ in „The Wizard of Oz“ in die Herzen des US-Publikums und dann der Welt. Es war der Zeitpunkt, an dem Studioboss Louis B. Mayer (ähnelt im Habitus irgendwie Harvey Weinstein) sie vor die Wahl stellte, nach seiner Pfeife zu tanzen und sie zur Legende zu machen. Oder sie fallen zu lassen, sollte sie sich weigern. Sie funktioniert und klettert ganz oben auf den Show-Olymp, wird zur Ikone.

Nach dieser Macht-Macho-Szene springt das Biopic „Judy“ 30 Jahre weiter. Die besten Jahre sind vorbei, Judy hält sich mit Alkohol, Aufputsch- und Beruhigungsmitteln über Wasser, hat Schulden ohne Ende.

Judy Garland wird obdachlos

Mangels Geld wirft der Portier sie sogar aus dem Hotel. Als dann noch ihr Ex-Mann auf das Sorgerecht für die beiden jüngsten Kinder pocht, verliert sie vollends den Boden unter den Füßen. Letzter Strohhalm: London. Im schicken und angesagten Theater und Nachtclub „Talk of the Town“ reißt sie die Zuschauer noch einmal mit, überwindet ihre Nervosität.

Aber nach dem Premierenerfolg folgt der Kater. Sie kommt ständig zu spät, ist unvorbereitet, torkelt auf der Bühne, wird ausgebuht. Nach einem desaströsen Auftritt, entscheidet sie sich, würdevoll Abschied zu nehmen. Mit letzter Kraft und letzter Energie.

Schwerpunkt auf der Spätphase

Regisseur Rupert Goold vernachlässigt bewusst die glamourösen Tage, konzentriert sich auf die letzten Monate Judy Garlands im Swinging London, immer wieder unterbrochen durch Rückblenden zu den Dreharbeiten von „The Wizard of Oz“.

Suche nach Liebe und Normalität

Berührend gezeichnet ist die Suche nach Liebe und Normalität, einem Zuhause weit weg von Ruhm und Rummel. Renée Zellweger überzeugt in der Rolle ihres Lebens. Sie sieht nicht nur aus wie die Garland, sondern spricht wie sie, übernimmt auch den Klang der Stimme und singt selbst, verkörpert den einstigen Hollywoodstar mit großer Zärtlichkeit, auch in Phasen der Verzweiflung und Traurigkeit.
Mal ist sie arrogante Grande Dame, mal von Suff und Drogen gezeichnetes Wrack. Da ist nichts mehr von dem Pummelchen aus „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ von 2001, sie hat sich neu erfunden und kehrt bei dieser emotionalen Reise ihr Innerstes nach Außen, wenn sie sich in die Liebe stürzt und zum fünften Mal heiratet, natürlich den Falschen.

Offenheit, Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit

Bis zum Song „Be myself“ dauert es fast 45 Minuten. Es herrscht eine knisternde Atmosphäre, sobald sie los legt. Die anderen Schauspieler bleiben wenig gefordert, sie bieten Zellweger das Forum, sich in Bestform zu präsentieren. Viele Details beruhen auf den Berichten von Garlands damaliger Betreuerin Rosalyn Wilder (dargestellt von „Wild Rose“ Jessie Buckley), die sich an schonungslose Offenheit, Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit ihres Schützlings erinnert, aber auch an die komische Seite. Wenn die Diva mit zwei schwulen Fans nächtens in deren Küche ernsthaft über die Zubereitung eines guten Omeletts diskutiert, glaubt man sich fast in einer Komödie. „Judy“ ist Starkino mit viel Gefühl und einem Hauch von Nostalgie, da stört die kleine Dosis Schmalz kaum.
   
Kino: Rio, Astor im Arri (auch OV), City (auch OmU) sowie Isabella, Arena (OmU) sowie Cinema, Museum (OV)
R: Rupert Goold (USA, 118 Min.)

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