Pattie Boyd: Beatle-Biopics haben nichts mit der Wahrheit zu tun

Wenn jemand wissen müsste, wie das Leben neben einem Beatle wirklich war, dann Pattie Boyd. Das ehemalige Fotomodel war sechs Jahre lang mit George Harrison verheiratet, erlebte die wilde Ära der Band aus nächster Nähe und wurde selbst Teil der Rockgeschichte. Umso bemerkenswerter ist, dass sie nach eigener Aussage gar nicht in das Projekt der vier Biopics über die Beatles mit einbezogen worden sein soll.
Boyd hat selbst erst aus der Presse davon erfahren, dass für die Filme unter der Regie von Sam Mendes eine Darstellerin gecastet wurde, die sie verkörpern soll. Die heute 80-Jährige erzählte im Podcast "Miss O'Dell: Abbey Road To Tulsa Time": "Nun, ich könnte völlig falsch liegen, aber ich hätte gedacht, dass es höflich wäre, es zumindest zu erwähnen oder mich wissen zu lassen, dass sie jemanden haben, der mich spielen wird."
Nicht kontaktiert, nicht konsultiert
Boyd ließ keinen Zweifel daran, wie sie die Situation einordnet: "Nun, ich bin von niemandem kontaktiert worden. Ich hätte ihnen wirklich tolle Geschichten erzählen können. Aber ich glaube, sie wollen das gar nicht wissen." Ihr Eindruck: Die Macher seien weniger an der Wirklichkeit interessiert als an ihrer eigenen Version davon. Das Projekt habe "nichts mit der Wahrheit zu tun, nichts mit dem, was wirklich passiert ist, weil sie nicht mit jemandem sprechen wollen, der dabei war". Stattdessen sei es eher "die Schöpfung des Filmemachers davon, was seiner Meinung nach passiert ist".
Boyd hatte Harrison 1964 am Set von "A Hard Day's Night" kennengelernt. 1966 heirateten sie, 1977 ließen sie sich scheiden.
In den geplanten vier Biopics, die alle gleichzeitig im April 2028 in die Kinos kommen sollen, wird sie von Schauspielerin Aimee Lou Wood dargestellt. Jeder der vier Filme erzählt die Geschichte der Band aus der Perspektive eines anderen Mitglieds - Paul Mescal als Paul McCartney, Harris Dickinson als John Lennon, Joseph Quinn als George Harrison und Barry Keoghan als Ringo Starr. Mendes bezeichnete alle vier Frauen an ihrer Seite - darunter Saoirse Ronan als Linda McCartney und Anna Sawai als Yoko Ono - als "faszinierende und einzigartige Persönlichkeiten".
Eine Spitze gegen den Regisseur
Trotz ihrer Kritik gab Boyd sich nach außen hin gelassen - mit einem Augenzwinkern. "Ich werde ein sehr braves Mädchen sein und nicht griesgrämig und knurrig werden", sagte sie im Podcast. Ganz ohne Seitenhieb kam sie dann aber doch nicht aus. Auf die Frage nach Regisseur Sam Mendes, bekannt durch Filme wie "1917", "Skyfall" und "American Beauty", antwortete Boyd trocken: "Er soll wohl berühmt sein, dieser Mann."