„Nymphomaniac“-Star Charlotte Gainsbourg fand masochistische Szenen erniedrigend

Eine sinnlichere Frau hätte sich Lars von Trier für sein Sexdrama „Nymphomaniac“ nicht aussuchen können. Charlotte Gainsbourg spielt die sexsüchtige Joe. Im Interview erzählt sie, was ihr peinlich war.
| Julia Wäschenbach
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Charlotte Gainsbourg in einer Szene des Films "Nymphomaniac". Der erste Teil des Erotikdramas läuft am 09.02.2014 im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der Berlinale 2014.
Christian Geisnaes/Concorde Filmverleih Charlotte Gainsbourg in einer Szene des Films "Nymphomaniac". Der erste Teil des Erotikdramas läuft am 09.02.2014 im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der Berlinale 2014.

Für viele ist der dänische Skandalregisseur Lars von Trier das Enfant Terrible der Filmszene schlechthin. Die Stars seines neuen Sex-Dramas „Nymphomaniac“ lieben ihn. Charlotte Gainsbourg (42), die darin die sexsüchtige Hauptfigur spielt, geht sogar noch weiter: Sie würde alles für ihn tun, verrät sie im Interview. Und erklärt, warum sie sich für einige Szenen in „Nymphomaniac“, der bei der Berlinale erstmals in seiner Langfassung zu sehen ist, trotzdem geschämt hat.

AZ: Warum spielen Sie im Sexsucht-Drama „Nymphomaniac“?

CHARLOTTE GAINSBOURG: Weil Lars mich gefragt hat.

Und Sie würden alles tun, worum er Sie bittet?

Ja, ich glaube nicht, dass ich bei einem Projekt mit ihm Zweifel hätte. Ich bewundere seine Arbeit sehr, bewundere  seine Gedanken, seine Art, die Dinge zusammenzusetzen. Es ist nicht nur das, was seine Filme aussagen und wie sie aussehen. Es ist einfach die Erfahrung, mit ihm an einer Szene zu arbeiten. Es gibt nichts Vergleichbares. Weil es wirklich so ist, dass man eine Szene zusammen erkundet und nicht einfach vorschlägt, was einem einfällt. Er begleitet einen.

Wie war es, die Sexszenen zu drehen? Waren Sie schüchtern?

Ja, natürlich. Der ganze masochistische Teil des Films war mir peinlich und es war ein bisschen erniedrigend, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hatte ich Spaß dabei. Es war so extrem, dass man einfach nur Spaß dabei haben konnte. Es war sehr dramatisch, aber wir haben gelacht. Um acht Uhr morgens eine Vagina-Prothese angelegt zu bekommen war ein bisschen peinlich, aber es ist lustiges Zeug, an das man sich erinnert.

Gab es in „Nymphomaniac“ etwas, das sie zum ersten Mal in einem Film gemacht haben?

Alles. Die Gesprächsszenen mit Seligman – ich habe nie so viel gesprochen. Lars hatte schon gesagt, dass es ein sehr geschwätziger Part sein würde. Dann die masochistische Erfahrung. Etwas, das man in der langen Version des Films sieht, das ich nie zuvor gemacht hatte. Alles. Die Anziehung zu dem jungen Mädchen, alles. Ich neige dazu, von Lars' Filmen zu sprechen, als wäre es das Paradies und es gäbe nichts anderes. Ich weiß, dass jeder Film seinen Reiz hat und alle unterschiedlich sind. Deshalb entscheidet man sich für Projekte, die man noch nie gemacht hat, also ist es hoffentlich immer etwas Neues.

Für wie viele Szenen brauchten Sie Doubles?

Sobald man den Akt des Eindringens sieht, sind wir das nicht. Die Schläge, die masochistischen Momente, das ist nicht mein Hintern. Wenn man eine Vagina sieht, ist das nicht meine.

Ist „Nymphomaniac“ ein Porno? Oder worum geht es in dem Film?

Nicht darum. Ich weiß, dass es viel Gerede gibt. Es macht Spaß, über den Sex, die Provokation, den Porno-Aspekt des Films zu sprechen, aber darum geht es in dem Film nicht wirklich. Porno-Gucker wären sehr enttäuscht von dem Film, glaube ich. Für mich ist es eine wahre Reise durch das Leben einer Frau, die übermäßig kritisch mit sich selbst ist, sich als eine Person ohne Moral darstellt und Seligman davon überzeugen will, dass sie ein schlechter Mensch ist – am Ende ohne Erfolg. Sie hat einen Sexhunger, der sehr ungewöhnlich ist, und porträtiert sich durch ihr Sexleben.

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