Nichts zu verschenken: Wandel durch Annäherung

Einem Geizkragen geht die Liebe an den Kragen: Dany Boon peppt die französische Komödie "Nichts zu verschenken" mit Schauspielkunst auf.
| Margret Köhler
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Dany Boon ist der Pfennigfuchser François Gautier.
Wild Bunch Dany Boon ist der Pfennigfuchser François Gautier.

Gegen diesen zwanghaften Pfennigfuchser hat Molières "Der Geizige" die Spendierhosen an. Dabei ist François Gautier eigentlich ein netter Mensch. Aber wenn‘s ums Geld geht, heckt der Geiger am Konservatorium immer neue Sparpläne aus. Warum Licht in der Wohnung, wenn draußen die Straßenlampe brennt? Nur kalt duschen ist gesund! Und warum einkaufen, wenn man sich am Geburtstagsbuffet eines Kollegen wunderbar vollfuttern kann, natürlich ohne sich mit einem Cent am Geschenk zu beteiligen?

Der einzige Mensch, zu dem François innigen Kontakt pflegt, ist sein Banker. Doch plötzlich ist es vorbei mit der Spar-Routine. Aus heiterem Himmel steht seine 16-jährige Tochter (Noémie Schmidt) vor der Tür, von deren Existenz er bis dato nichts ahnte. Sie will bei ihm einziehen und ihn kennenlernen.

Und die neue Cellistin (vor Liebe blind: Laurence Arné) bewundert nicht nur François’ virtuoses Spiel, sondern wirft aus unerfindlichen Gründen ein Auge auf ihn. Das bringt den Neurotiker auf die Idee, die hypersensible Schöne ins Restaurant einzuladen. Ein Desaster, lässt ihn doch der Preis für Krustentiere und Champagner in Panik verfallen.

Voraussehbar, dass am Ende ungewohnte Gefühle und Großzügigkeit über den pathologischen Geiz siegen, aber der Weg dahin ist mit abstrusen Verwicklungen gepflastert. Dany Boon, seit den "Sch‘tis" ein Publikumsliebling, spielt unschlagbar sein komisches Talent aus und bleibt trotz Knauserigkeit ein unwiderstehlicher Charmebolzen.

Wenn Pannen und Peinlichkeiten unter Fred Cavayés Regie überhandnehmen, rettet er die nicht immer sehr fein gestrickte Komödie und lausige Gags vor dem Absturz. Die anfänglich einfache Geschichte mit Fremdschäm-Potenzial, die in guten Momenten an Louis de Funès erinnert, wird in der zweiten Hälfte komplexer, die Vater-Tochter-Beziehung gewinnt an Bedeutung und der seltsame Kauz an Sympathie, wenn er sich öffnet, Verletzbarkeit und Empathie zeigt.

Die letztendlich erreichte Balance zwischen Tragik und Komik samt wunderlicher Romanze sorgen trotz vieler Fettnäpfchen für entspannte Unterhaltung.


Kino: Cinemaxx, Mathäser, Münchner Freiheit und Theatiner (OV)

R: Fred Cavayè (F, 90 Min.)

 

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