Frederick Lau und Wolfgang Niedecken: Neues, altes Kino startet am Sendlinger Tor
Was sagen manche, wenn ihnen spontan der richtige Begriff nicht einfällt: "Dingsbums". Der Name für das, was für drei Monate im Kino am Sendlinger Tor stattfinden soll, erschließt sich auch nicht sofort: "D INGS". Dann aber nähert man sich dem Filmtheater und sieht vom alten Schriftzug nur das "D ING" von "Sendlinger" leuchten, sieht die lange Schlange vor dem kleinen roten Teppich und denkt: Hoffentlich geht das "Dings"-da mit einem Bumms los.
Und wirklich: Das ganze alte Filmtheater ist glanzvoll und gleichzeitig geheimnisvoll illuminiert. Man hat das Gefühl in einem Varieté zu sein. Und zur Eröffnung durchstreift dann auch eine Pantomimengruppe das Publikum, später wird auch ein atemberaubender Jongleur auftreten - Aaron Berliner begleitet von einem E-Bassisten, der ein Instrument spielt, das aussieht wie eine Riesen-Balalaika und den Bälle-Rhythmus und die Körperakrobatik des Jongleurs improvisierend aufgreift.

Es gibt auch viel neuen Glitzer: Oben, auf einem Seitenbalkon steht ein Holzstumpf mit eingeschlagenem Beil, womit der Künstler Torsten Muehlbach darauf Bezug nimmt, dass pro Sekunde auf der Welt ein Baum gefällt wird – nur für Ikea. Hier aber hat die Skulptur eine weniger mahnende Wirkung: Sie ist komplett mit Spiegelstückchen beklebt und betupft wie eine Discokugel die rot-goldenen Wände mit Lichtpunkten.
Frederick Lau will ein bisschen Berlin nach München bringen
Der deutsche Schauspieler Frederick Lau kommt am Eröffnungsabend auf der Bühne, weil er einer der neuen Interimsbetreiber ist, als Teil des Berliner Filmkuratoren-Teams Behind the Tree, das hier ausgefallene Filme zeigen will. Ein in sieben Tagen entstandener Kurzfilm „Hounted Boys“ mit Adrian Moszkowitz, gedreht im Filmtheater am Sendlinger Tor, stellt das wunderbare Gebäude vor – bishin zu alten Umspulrollen, Projektoren und einem Keller, in dem das Phantom der Oper hausen könnte. Was er als Berliner mit München am Hut habe, wird Frederick Lau gefragt, und er erzählt, wie er schon als 12-Jähriger in München gedreht hat, hier mit seinem Vater spazieren und ins Filmtheater am Sendlinger Tor gegangen ist.

Seit einem Jahr ist das Traditionshaus, das 1913 von Carl Gabriel eröffnet worden war, geschlossen. Jetzt hat der Eventmanager Matthias Schlick - neben Behind the Tree - noch das Künstlerkollektiv Broke Today eingebunden. Die haben eine Lichtshow konzipiert, die das prachtvolle 50er-Jahre-Interieur verzaubert. Eine Raucherlounge ist auf einer Außenbalustrade eingerichtet, die alte Theke als Bar wiederbelebt. Die Wände sind als Galerie-Ausstellungsflächen genutzt - hier hängen woke Bilder und ein Anzeigentafel-Kunstwerk fordert ein AfD-Verbot.
Wie es längerfristig weitergeht? Unklar!
Das Publikum ist gemischten Alters, jedenfalls lässig urban. Dazu passt auch der Besuch des grünen OB-Kandidaten Dominik Krause. Der erste Abend ist als Ankündigungsevent jedenfalls schon mal sehr lebendig. „Wir wollen auch ein bisschen Berlin und New York nach München bringen“, verspricht Lau.

Aber wie es langfristig weitergehen soll in diesen heiligen Hallen, ist nach wie vor ungeklärt. Der Denkmalschutz besteht auf den Erhalt der Sitzreihen. Bis zu einer dauerhaften Neunutzung ist es aber schön, das Haus wieder bespielt zu wissen. Um die Miete einzuspielen, wollen die Veranstalter zusätzlich auch Firmen für Events gewinnen.
Wolfgang Niedecken kommt
Für Donnerstag ist erst einmal ein „analoger Abend“ mit dem DJ Chelo angekündigt: „ein geschlossener Vorhang, warmes Licht und sorgfältig ausgewählte Vinylplatten.“ 440 Sitzplätze bietet das Filmtheater, das jetzt interimsweise Dings heißt. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft, wie es auch der Live-Podcast von Frederick Lau war. Es läuft also gut an.
Diesen Donnerstag, „Chelo - The Vinyl Cinema“ (ausverkauft)
5. und 6. Februar: „Niedecken Live - Zwischen Start und Ziel“ (Restkarten), dasneuedings.de
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