Nach "Ziemlich beste Freunde": Das Leben: Schlimm! Schön!

Bewährtes Konzept, neue Ausrichtung: "Heute bin ich Samba" mit Omar Sy und Charlotte Gainsbourg
| Philipp Seidel
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Charlotte Gainsbourg ist als Alice schwer verliebt.
Senator Charlotte Gainsbourg ist als Alice schwer verliebt.

Bewährtes Konzept, neue Ausrichtung: "Heute bin ich Samba" mit Omar Sy und Charlotte Gainsbourg

Das Konzept hat sich schon beim Kinokassenkracher „Ziemlich beste Freunde“ bewährt und wird hier durchaus charmant variiert: Das Leben ist ganz schön schlimm. Und es ist auch ganz wunderbar. Schlimm ist diesmal die Situation der illegalen Einwanderer in Paris, denen stets die Ausweisung droht, die aber doch auch ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und also versuchen, unauffällig vor sich hin zu leben und mit gefälschten Papieren und ständig wechselnden Identitäten zu arbeiten. Auf Baustellen. Als Fensterputzer. In der Müllsortierung. Oder in Küchen. Der Senegalese Samba (Omar Sy) ist so ein armes Wesen.Wunderbar am Leben ist, dass man sich auch als Immigrant verlieben kann. Zum Beispiel in die Frau, die einen vor der Ausweisung bewahren soll. Das dauert in diesem Fall etwas und schlingert ziemlich lange dem ersten Kuss und dem „Du“ entgegegen, aber so weit ist „Heute bin ich Samba“ dann doch vorhersehbar. Die Frau ist Alice, hinreißend schüchtern-tapsig gespielt von Charlotte Gainsbourg. Alice nimmt Urlaub, um nicht anerkannten Immigranten wie Samba zu ihrem Recht zu verhelfen. Später erfahren wir: Sie war eine Zwölf-Stunden-Tag-Karrierefrau, hatte dann aber einen Burnout, der sie aus der Bahn warf – und eigentlich wieder zum Mensch werden ließ.

Ziemlich beste Freunde arbeiten jetzt auf dem Bau

Die Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache haben ihr äußerst erfolgreiches „Ziemlich beste Freunde“-Prinzip durchaus charmant variiert: Man nehme ein soziales Thema und erzählen davon mit einer reichlichen Portion Humor und Menschlichkeit.
Hier geht es also einmal um die zunächst etwas einseitige Liebe zwischen Alice und Samba, dann auch um die Freundschaft zwischen Samba und dem stets lächelnden Wilson (Tahar Rahim). Der kommt eigentlich aus Algerien, erzählt aber allen, er sei aus Brasilien, weil das einfach bei Arbeitgebern und Frauen besser ankommt.

Der überraschendste Wutausbruch der jüngeren Filmgeschichte

Und es geht wieder um das Milieu der Einwanderer. Samba will als Koch arbeiten, aber die schwarzen Einwanderer, das sieht man gleich zu Beginn, dürfen in der französischen Küche vor allem die Abfälle von den Tellern wischen und den Müll entsorgen.
Immer wieder fragt man sich beklommen: Kann man lachen, wenn es um so schlimme Themen wie die miserable Lage der Immigranten geht? Dann lacht man auch schon und stellt fest: Man kann. So sitzt man also da, ist hin- und hergerissen zwischen seinem Lachen und Leiden. Ein Zustand, den auch „Ziemlich beste Freunde“ vorzüglich herzustellen verstand.
Natürlich wird man am Ende eher die heiteren Momente in Erinnerung behalten. Da ist zum Beispiel der wohl überraschendste Wutausbruch der jüngeren Filmgeschichte.
Und wenn man sich dann nur ab und zu vor Augen führt, was es heißt, am Rand der Gesellschaft und in ständiger Angst zu leben, dann ist mit dieser Komödie auch sozial schon mal viel gewonnen.

R: Eric Toledano, Olivier Nakache (F, 119 Minuten
Kino: Gloria, Mathäser, Rio, Isabella, Abc (auch OmU) sowie Theatiner OmU

 

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