Gefeiert wie ein Popstar: OB Krause eröffnet Filmfest München

Im letzten Jahr war es zu deutlich gewesen: Als der Bayerische Ministerpräsident im Saal begrüßt wurde, gab es anständigen Applaus. Für Dominik Krause, damals noch zweiter und "Kultur"-Bürgermeister, toste die Isarphilharmonie.
Diesmal hatte man die Vertreter der beiden großen, gleichberechtigten Träger des Filmfests – Stadt und Staat – gleich gemeinsam auf die Bühne geholt: den Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann und Dominik Krause, jetzt als Oberbürgermeister. Aber wieder wurde Krause nach seinen Kurzbeiträgen gefeiert wie ein Popstar. Beide wurden von BR-Moderatorin Christina Wolf auch zu Thomas Mann befragt. Denn der Eröffnungsfilm "Vaterland" erzählt von der ersten Deutschlandreise des Literaturnobelpreisträgers 1949 nach 16 Jahren Exil.
Krause nutzte das, um klar zu machen: Geschichte sei nur dann relevant, wenn man aus ihr Schlüsse für die Gegenwart ziehe und sagte, man lebe wieder in Zeiten, "wo Bücher in Bibliotheken verboten werden." Und: "Man darf das Gefühl, dass die Zukunft wieder besser werden kann, nicht den Rechtsextremen überlassen". Das Mahnende ist bei Krause aber spürbar von Optimismus getragen.
Strahlen um die Wette
Aber Krause war nicht der einzige Sunnyboy des Abends: Regisseur Pawel Pawlikowski hatte eine Sonnenbrille auf und war begeistert, dass sein Film – nach Cannes – in München vor 1800 Zuschauern gezeigt wurde. Auch Festivaldirektor Christoph Gröner ist ein bekannter Euphoriker, seine künstlerische Leiterin, Julia Weigl, strahlt auch permanent. Zusammen waren sie zur Abkühlung zuvor noch Isarbaden gegangen. Was gar nicht nötig gewesen wäre, denn die Isarphilharmonie war auf schöne 22 Grad heruntergekühlt.

Von der Bühne aus wurde noch Ex-Kulturstaatsministerin Claudia Roth begrüßt und stark beklatscht. Hier saßen auch Doris Dörrie, Caroline Link oder Udo Wachtveitl. Den ersten München-"Tatort" seit 100 Folgen ohne ihn hat das Filmfest auch im Programm.

Dann kamen noch Devid Striesow (der den DDR-Dichter Johannes R. Becher spielt), Hanns Zischler (Thomas Mann) und Sandra Hüller auf die Bühne. Auf Englisch gefragt, wie sie sich auf die Rolle der Erika Mann, der Tochter von Thomas Mann, vorbereitet hätte, antwortete der internationale deutsche Superstar natürlich auf Deutsch: "Der Film ist ja keine Biografie. Es geht um eine Vater-Tochter-Beziehung und einen Familienkonflikt. Ich wollte Erika Mann nicht akkurat kopieren. Ich habe bei der Beschäftigung mit ihr aber gemerkt, wie viel sie konnte und das bewundere ich."
"Haben Sie keine Angst zu lachen"
Da es in dem Film auch um die Altlasten Deutschlands nach 1945 geht, ahnte Regisseur Pawlikowski vielleicht eine gewisse Ernsthaftigkeit und Befangenheit beim Publikum und forderte auf Deutsch alle auf: "Haben Sie keine Angst zu lachen, wenn was lustig ist!" Film ab!

Aber natürlich war der Film überwiegend ernst. Am Ende wurde das Meisterwerk in edlem Schwarzweiß minutenlang beklatscht. Ein würdiger Eröffnungsfilm, der zu vielen Diskussionen im Freien anregte, weil in der Foyerhalle die Musik einfach zu laut war.