Kritik

„München Beats“- Die Geschichte vom Kunstpark Ost

Die ZDF-Miniserie „München Beats“ nimmt einen mit in das München der 90er Jahre zwischen Technoszene und Trachtenverein
Peter Gratz |
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Linda Bierwirth (Jule Hermann) am DJ-Pult bei ihrem großen Auftritt.
Linda Bierwirth (Jule Hermann) am DJ-Pult bei ihrem großen Auftritt. © Marc Reimann/ZDF

Linda fühlt sich auf dem heimischen Bauernhof und in der traditionellen Ismaninger Landwirtsfamilie eingesperrt. Sie will mehr als Kühe, Kinder und Kartoffeln. Letztere sind nämlich das Hauptprodukt des Hofes - Familie Bierwirth ist Vertragsbauer der Firma Pfanni.

Als Linda nach der Geburtstagsfeier des Pfanni-Chefs Meinhardt spontan auf einen Rave gerät, beschließt sie nach München zu ziehen. Zwischen dem Landkreis und der eigentlichen Stadt scheinen in der vierteiligen Serie Welten zu liegen.

Parallel kriselt es auch in der Industriellenfamilie: Sohn Marius hat in New York viel Geld verloren und möchte sich aus dem Schatten des Vaters befreien. Zufällig trifft er Linda wieder und anhand dieser etwas kitschigen Liebesgeschichte werden sowohl Selbstfindung als auch Münchner Subkulturgeschichte gleichermaßen erzählt.

Linda Bierwirth (Jule Hermann) am DJ-Pult bei ihrem großen Auftritt.
Linda Bierwirth (Jule Hermann) am DJ-Pult bei ihrem großen Auftritt. © Marc Reimann/ZDF

Für ein regionales Publikum helfen die vielen Anspielungen und Lokalbonmots über die sehr reibungsfrei erzählte Geschichte hinweg. Linda geht an die großstädtischen Umstände nämlich reichlich naiv heran, zum Glück passiert aber nichts Gröberes. Ob das auch für ein Publikum jenseits des Weißwurstäquators interessant ist, muss sich zeigen. Durch die historische Einbettung des Geschehens, die gut in die Geschichte integriert ist, sollten sich Nicht-Münchner wie auch Kinder des neuen Jahrtausends abgeholt fühlen.

Besonders hervorzuheben ist der Soundtrack, welcher einen nicht nur in die 90er, sondern auch in die Münchner Clubkultur mitnimmt. Dass dieser auf dem heimischen Fernsehgerät genügend zu Geltung kommt, ist zu hoffen, im Kino darf die Soundanlage auf jeden Fall Gas geben. Auch das Ensemble ist wunderbar auf Typ gecastet und bringt den gewünschten Lokalkolorit mit.

Tobias Moretti und Sophie von Kessel überzeugen als reiches, aber kaputtes Ehepaar genauso, wie Jule Herrmann als idealistische Draufgängerin und Klaus Steinbacher als leicht schmieriger Sohn aus gutem Hause. Auch in der Ausstattung versucht man die 90er wieder zum Leben zu erwecken.Für den durchschnittlichen München-Kenner reicht die Detailverliebtheit des Szenenbilds vielleicht aus, aber z.B. die deutsche Eiche nach Giesing zu verlegen ist doch etwas seltsam. Das ist aber meckern auf hohem Niveau.

Die Serie macht Spaß, verbindet gekonnt Unterhaltung mit Zeitgeschichte und hat auch die nötigen „Feel-Good“-Qualitäten um ein Erfolg der Sommerunterhaltung zu werden. Start in der ZDF-Mediathek ist nämlich schon Anfang August.

 

Weitere Vorführungen:3. Juli, 2026, 21.15 Uhr, Kino, Mond & Sterne im Westpark,
Es werden die ersten beiden Folgen gezeigt, danach Gespräch mit dem Regieteam

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