Mit Horror und Humor sofort auf Platz eins: „Resident Evil“
Eigentlich sollte Bryan (Austin Abrams) in 20 Minuten zu Hause sein. Die Freundin wartet - mit einem wichtigen Gespräch über das Für und Wieder von Kindern. Aber dann bekommt der abgehetzte Organspende-Kurierfahrer spätabends in der Klinik noch ein Angebot, das er nicht ablehnen kann (und will). Doppeltes Gehalt für eine weite Fahrt ins verschneite Colorado. Nach Raccoon City. Racoon City?

Da schrillen bei Gamern die Alarmglocken. In dieser fiktiven Stadt wütet in der Videospielreihe „Resident Evil“ das T-Virus und verwandelt Menschen in Monster. Bereits 1997 erwarb Bernd Eichinger die Rechte.
Wiederbelebung eines erfolgreichen Zombies
Die erste Verfilmung der Constantin war 2002 gleich ein Hit. Der Regisseur Paul W.S. Andersson war damals angesagt, hatte ein gutes Auge für eine effektvolle Inszenierung, von der vor allem seine Gattin und Hauptdarstellerin Milla Jovovich profitieren konnte. Irgendwann ging bei Andersson kreativ aber das Licht aus, sanken auch die Einnahmen. Nach einer gescheiterten Neuauflage 2021 musste frisches Blut her: Vorhang auf für Zach Cregger - eine irre Verpflichtung für die Constantin, in etwa vergleichbar mit einem Transfer von Bayern-Star Michael Olise zu 1860 München.

Denn nach dem Grusel-Hammer „Weapons“, der bei Kritik (Oscar für Nebendarstellerin Amy Madigan) und Zuschauern gleichermaßen gut ankam, konnte sich Cregger den nächsten Regie-Gig quasi aussuchen. Der gehypte Filmemacher überraschte dann mit seiner Wahl für „Resident Evil“ - aus Liebe zum Spiel. Für eine Verfilmung stellte Cregger nur eine Bedingung: eine völlig freie Hand bei der Umsetzung.
Und siehe da. Der Jungstar liefert ab, zeigt ab der ersten Szene im Krankenhaus sein Können: sein Gefühl für Räume, für Stimmungen, für einen ansteckenden Mix aus Humor und Suspense. Grandios ist bereits die Idee, einen tollpatschigen Jedermann als Spieler zu installieren. Dieser Bryan könnte auch bei den Coen-Brothers im winterlichen „Fargo“ herumstiefeln.

Immer ist er am Fluchen, immer will er nur das Beste, scheitert aber an Waffen, Widrigkeiten, Schlössern, Zäunen - und generell dem, was sich Alltag schimpft.
Dieser Mut zur Schwäche macht den Reiz des Films aus, der in Echtzeit gedreht ist und das Videospiel mit Anspielungen nur streift, aber eine eigene Survival-Geschichte erzählt. Immer wieder springt Cregger lustvoll in die subjektive Videospiel-Perspektive, variiert Schocks mit Slapstick, wie im Showdown beim panischen Kampf ums Heilmittel.
Dass dieser Film ein Hit wird, steht außer Frage. Er ist bereits in zig Ländern auf Platz eins der Kino-Charts. Ob Alleskönner Cregger dann aber auch für eine Fortsetzung parat steht, darf bezweifelt werden.
Kino: Cadillac, Cinemaxx, Mathäser sowie Cinema (OV)
R: Zach Cregger (D, USA, 92 Min.)
- Themen:
- Bernd Eichinger
- TSV 1860 München
