Mit bayerischem Starensemble: "Kommissar Jennerwein" ermittelt

Regionalkrimis haben in Bayern immer Konjunktur. Jetzt darf ein weiterer Ermittler von den Buchseiten auf die Leinwand übersiedeln: Jörg Maurers Kommissar Jennerwein. Im Fernsehen gab es das schon einmal, doch im Kino starten die Macher neu, obwohl das zweite Buch der Reihe Grundlage des Drehbuchs ist.
Hubertus "Hubsi darf man nur einmal sagen“ Jennerwein (Florian Brückner) kommt also zum zweiten Mal an seinem neuen Arbeitsort Garmisch-Partenkirchen an - am Tag des Neujahrsskispringens auf der Olympiaschanze, wo der Reisebus natürlich trotzdem auf einen menschenleeren Platz direkt hinter dem Stadion fahren kann.

Sicherheitslücke! Da verwundert es nicht, wenn drinnen in der mit beeindruckenden Drohnenaufnahmen präsentierten Sportanlage vorsätzlich ein Todesfall herbeigeführt werden kann. Das neue "Großkaliber aus München“ nimmt sofort die Arbeit auf und kollidiert mit seiner Gewissenhaftigkeit und Pedanterie mit den lokalen Gegebenheiten.
Viele humorige Nebenstränge
Die Kollegen sind eher schlafmützig und kommen im alten Opel Corsa daher. Außerdem stören die Ermittlungen den örtlichen Bürgermeister - Burgschauspieler Cornelius Obonya als herrlich überzeichneter Werdenfelser "Skisprung-Monarch“ mit dem rollendsten "R“ - der unbedingt Werbung für die Olympia-Bewerbung 2038 machen will. In dieser Konstellation gibt es ein paar gut funktionierende Running Gags, wie dem ständigen Konsum von hochpreisigem Alkohol durch das Oberhaupt der Marktgemeinde. Oder den Umstand, dass Beweismittel grundsätzlich mit Schneuztüchern anstatt in Plastiktüten zur Untersuchung gebracht werden.

Der besondere Witz an dieser Mordermittlung sind die schon vor dem Tatvollzug an verschiedene Personen, in ausgesprochen gewähltem Deutsch verfassten Bekennerbriefe. Anhand dieser verläuft die über den Großteil der 96 Minuten Laufzeit erfreulich detaillierte Ermittlung. Die Handlung wird fortlaufend um interessante Nebenstränge ergänzt, die ein humoriges - etwas plakatives - Porträt der Landbevölkerung ergeben.
Sehenswert - mit Luft nach oben
Eine Stärke des Films ist die Situationskomik, wodurch die stereotypische Figurenkonstellation interessante Momente hervorbringt. Das ist alles schön anzuschauen, aber nicht wirklich neu: Sandra Thonig ("Rosenheim-Cops“) ist die Ambitionierte am Dorfrevier, Frederic Linkemann ("Eberhofer“) der Faule mit Bierdurst. Helmfried von Lüttichau ("Hubert ohne Staller“) gibt den gemütlichen Alten. Auch Florian Brückner spielt das, was er immer spielt: einen eher stoischen, schlagfertigen Eigenbrötler. Hier ist die Verletzlichkeit der Rolle aber besonders schön herausgearbeitet.
Zum Ende hin lässt ihn aber das Drehbuch seines Bruders Maximilian etwas im Stich. Die logische Polizeiarbeit bricht plötzlich ab, es wird sehr psychologisch und die Dialoge erinnern teilweise an Vorabendserien. Das hätte nicht sein müssen. Auch die anfangs noch durchaus erfreulichen Szenenübergänge aus schönen Landschaftsaufnahmen werden irgendwann zu viel.

Regisseur Hannu Salonen scheint nicht nur ein Freund der Drohne, sondern auch der Sendung „Wetter-Panorama“ in ORF 2 zu sein, so oft schneidet er Sequenzen von Landschafts- und Stimmungsaufnahmen zwischen die Szenen. Das trübt etwas den Gesamteindruck eines Films, der durchaus sehenswert ist, aber nicht über das Level eines gehobenen Landkrimis hinauskommt.
R: Hannu Salonen (D 96 Min.); Kinos: Cadillac, Gloria, Solln, Leopold, Mathäser, Rio