"Michael": Visuelles Spektakel mit harmlosem Inhalt

Der "King of Pop" bekommt ein Biopic: "Michael" begeistert vor allem mit seinen Konzertszenen und starken Performances, bleibt erzählerisch aber zu brav. Das Biopic setzt eher auf Glanz und Fan-Service als auf Tiefe.
(des/spot) |
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Jaafar Jackson spielt in "Michael" seinen Onkel - Michael Jackson.
Jaafar Jackson spielt in "Michael" seinen Onkel - Michael Jackson. © Glen Wilson/Lionsgate

Kaum eine Figur der Popkultur ist so prägend und zugleich so umstritten wie Michael Jackson (1958-2009). Der Musiker hat etliche Rekorde gebrochen und gilt als der unangefochtene "King of Pop". 1984 war Jackson der erste Künstler, der an einem Abend acht Grammys gewann. Seine Musikvideos waren unkonventionell, teuer und erzählten Geschichten. Doch der Ruhm hatte auch seine Schattenseiten: Schwierige Kindheit aufgrund seines Vaters, Medikamentenabhängigkeit und Missbrauchsvorwürfe.

Mit "Michael" versucht sich nun ein Biopic an der Herausforderung, die glorreiche Karriere eines Ausnahmekünstlers filmisch darzustellen. Es bleibt aber offen, wie ausgewogen und glaubwürdig ein Film über den Sänger sein kann - zumal das Dargestellte von seiner Familie gebilligt wurde. Und das ist der große Schwachpunkt des Films.

Weltstar in spe: Worum geht es?

Joe Jackson (Colman Domingo) ist ein strenger Vater: Er möchte nicht, dass seine fünf Söhne in Armut leben. Daher formt er sie zur Band, die er Jackson 5 nennt - ein Projekt, das weniger aus Leidenschaft als aus väterlichem Ehrgeiz entsteht. Schon früh sticht der junge Michael (Juliano Valdi) mit außergewöhnlichem Talent hervor.

Mit zunehmendem Alter (Jaafar Jackson) wächst jedoch dessen Wunsch, sich vom Familiengeschäft zu lösen und eigene künstlerische Wege zu gehen. Der Schritt zur Solo-Karriere markiert den Beginn eines beispiellosen Aufstiegs: Mit Alben wie "Thriller" wird Michael Jackson zum globalen Phänomen.

Viele musikalische Highlights

Ein Film über Michael Jackson wäre unvollständig, wenn seine größten Hits nicht im Mittelpunkt stehen würden. Regisseur Antoine Fuqua inszeniert die musikalischen Performances technisch sauber und mit klarem Fokus auf Jacksons Tanzmoves: Die Kamera fängt ihn präzise ein, der Schnitt bleibt zurückhaltend und stört den Fluss der Darbietungen nicht. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln gelingt es Fuqua, Jacksons Ausnahmetalent sichtbar zu machen; das Ergebnis wirkt wie ein auf seine Fans zugeschnittenes Spektakel.

Besonders die Konzertszenen sind eindrucksvoll ausgefallen und vermitteln die enorme Starpower, die Jackson besaß. Auch die 70er- und 80er-Jahre werden durch die hochwertige Ausstattung überzeugend rekonstruiert, sodass ein authentisches Gefühl für die Zeit entsteht. Die Kostüme sind sorgfältig gearbeitet, vor allem einige der ikonischsten Outfits Jacksons wirken originalgetreu.

Die Geburt eines Superstars

In die Fußstapfen von Michael Jackson zu treten, ist eine nahezu unlösbare Aufgabe. Jaafar Jackson nimmt diese Herausforderung jedoch an und verkörpert die Rolle mit großer Leichtigkeit, ohne in Imitation abzugleiten. Er spricht, bewegt und tanzt wie der Superstar, sodass man stellenweise tatsächlich den Eindruck gewinnt, Michael Jackson selbst auf der Leinwand zu sehen. Kein anderer hätte den King of Pop wohl so gut darstellen können wie sein Neffe. Auch in den emotionalen Szenen überzeugt er.

Ebenfalls glaubwürdig ist Colman Domingo als Patriarch Joe Jackson, den er mit großer Präsenz und einer einschüchternden Art und Weise spielt. Jedes Mal, wenn er Michael anschaut, weiß der Zuschauer nicht, was kommen wird. Lob? Bestrafung? Nia Long als Katharine Jackson bringt spürbare Wärme in ihre Rolle und transportiert viel über Mimik und Haltung. Besonders hervorzuheben ist zudem Juliano Valdi als junger Michael, der in den ersten 30 Minuten des Films die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Miles Teller als Jacksons Anwalt bleibt dagegen unterfordert.

"Glattes" Biopic

Das Leben von Michael Jackson wurde von der Presse intensiv begleitet - sowohl in seinen Höhen als auch in seinen Tiefen. Der Film greift zwar auch die dunklen Seiten seines Lebens auf, bleibt dabei jedoch an der Oberfläche. Positiv hervorzuheben ist, dass die fragwürdigen Erziehungsmethoden von Joe Jackson im Film deutlich thematisiert werden: Als strenger Vater griff er zu harten Mitteln, wenn Michael nicht seinen Erwartungen entspricht. Die Missbrauchsvorwürfe tauchen dagegen nicht auf, was sich mit dem zeitlichen Fokus des Films erklären lässt.

Auch Michaels Medikamentenabhängigkeit wird nicht offen benannt, allenfalls angedeutet. Insgesamt setzt der Film aber vor allem auf Fan-Service und auf die großen Hits wie "Beat It", "Thriller" und "Human Nature". Ob ein möglicher zweiter Teil die problematischen Aspekte seines Lebens expliziter behandelt, bleibt abzuwarten. Dadurch entsteht jedoch der Eindruck, dass die Schattenseiten von Michael Jackson nicht ausreichend beleuchtet werden, obwohl auch sie zu seiner Biografie gehören.

Fazit

"Michael" ist ein unterhaltsamer Film, dessen große Stärke in den Konzertszenen liegt. Auch visuell überzeugt der Streifen und bietet Fans von Michael Jackson viele Highlight-Momente. Inhaltlich bleibt er jedoch oberflächlich; gerade die Tiefpunkte aus seinem früheren Leben hätten deutlicher herausgearbeitet werden müssen.

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