Kritik

Mäßiges Mittelmaß: „The Mandalorian & Grogu“

Zwei Serien-Episoden zum Preis eines kompletten Kinofilms: Der neue „Star Wars“-Film bleibt dem Stil des Streaming-Erfolgs treu. Die Wucht der alten klassischen Filme geht dem konventionellen Space-Western aber ab
Florian Koch |
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Klein aber oho: Grogu auf Rettungsmission mit seinen pelzigen Freunden.
Lucasfilm Ltd/Francois Duhamel 5 Klein aber oho: Grogu auf Rettungsmission mit seinen pelzigen Freunden.
Sigourney Weaver und Pedro Pascal posieren bei der Ankunft zu einem „Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event“ im Cineworld Leicester Square im Zentrum Londons.
picture alliance/dpa/PA Wire 5 Sigourney Weaver und Pedro Pascal posieren bei der Ankunft zu einem „Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event“ im Cineworld Leicester Square im Zentrum Londons.
Pedro Pascal (r.) steht während eines Fan-Events für den Disney-Film „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ neben einem Cosplayer im Outfit seiner Rolle des Din Djarin (Spitzname: „Mando“).
picture alliance/dpa 5 Pedro Pascal (r.) steht während eines Fan-Events für den Disney-Film „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ neben einem Cosplayer im Outfit seiner Rolle des Din Djarin (Spitzname: „Mando“).
Kathleen Kennedy, Pedro Pascal, Jon Favreau mit Grogu und Sigourney Weaver (von links) posieren bei der Ankunft zu einem Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event im Cineworld Leicester Square im Zentrum von London.
picture alliance/dpa/PA Wire 5 Kathleen Kennedy, Pedro Pascal, Jon Favreau mit Grogu und Sigourney Weaver (von links) posieren bei der Ankunft zu einem Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event im Cineworld Leicester Square im Zentrum von London.
Der Mandalorianer (Pedro Pascal) und Grogu im neuen „Star Wars“-Film.
Lucasfilm Ltd / Francois Duhamel 5 Der Mandalorianer (Pedro Pascal) und Grogu im neuen „Star Wars“-Film.

2019 lag der „Star Wars“-Kosmos in Trümmern. Nach neun Kinofilmen, gestreckt mit Prequels und Sequels, schien die Weltraum-Saga auserzählt. Ein letzter Kraftakt: „Der Aufstieg Skywalkers“, war gleichbedeutend mit dem finalen künstlerischen Abstieg. J. J. Abrams war es nicht gelungen in die großen Fußstapfen von George Lucas zu treten. Er hatte sich verfangen in dem Versuch es allen Recht machen zu wollen - Fans wie Kritikern.

Der Neuanfang. Er gelang nicht im Kino, sondern digital. Disney+ wurde in Deutschland mit der erfrischenden Serie „The Mandalorian“ im März 2020 gelauncht. Der Beginn der Corona-Pandemie war ein Segen für den Streaming-Dienst. Auch aus Mangels an Alternativen war „The Mandalorian“ sofort ein Hit. Und bald schon reifte bei den „Mandalorian“-Machern Jon Favreau und Dave Filoni der Gedanke an einen Spielfilm. Auf „The Mandalorian & Grogu“ ruhen aber nicht nur die Hoffnungen der „Star Wars“-Fans. Produzentin Kathleen Kennedy möchte die Marke vor allem auch bei Jüngeren, die vom Vaterkomplex eines Luke Skywalkers gar nichts wissen, etablieren. Der nächste Kinofilm steht für 2027 schon bereit.

Aufgeblasenes Serienformat

Die gute Nachricht: Die große Qualität der „Mandalorian“-Serie, einen lässigen Italo-Western im Science-Fiction-Stil ohne Pathos und lästige Verweise zu erzählen, bleibt auch im Kinofilm intakt. Das Grundproblem zum Kino aufgeblasener Serienformaten besteht jedoch auch hier: Letztlich handelt es sich um höher budgetierte Episoden ohne Mehrwert.

Der schweigsame Kopfgeldjäger Din Djarin (Pedro Pascal), genannt Mando, arbeitet mittlerweile für Colonel Ward (Sigourney Weaver in einer undankbaren, farblosen Rolle), einer Vertreterin der Neuen Republik. Nach dem Untergang des Dunklen Imperiums gilt es nun die letzten Überlebenden der dunklen Seite aufzuspüren und zu eliminieren. An Mandos Seite, oder besser: auf seiner Schulter ist der niedliche Grogu, unter Fans bekannt auch als „Baby Yoda“, der mit kindlichem Gemüt langsam seine Kräfte entdeckt.

Sigourney Weaver und Pedro Pascal posieren bei der Ankunft zu einem „Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event“ im Cineworld Leicester Square im Zentrum Londons.
Sigourney Weaver und Pedro Pascal posieren bei der Ankunft zu einem „Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event“ im Cineworld Leicester Square im Zentrum Londons. © picture alliance/dpa/PA Wire

Der nächste risikoreiche Auftrag führt das ungleiche Duo zu den Hutta Zwillingen, die auf der Suche sind nach ihrem Neffen Rotta The Hutt, Sohn des berüchtigten Jabba The Hutt. Als Gegenleistung für die Ergreifung winkt eine wichtige Information zu dem ebenfalls verschollenen Bösewicht Lord Janu (Jonny Coyne).

Ein Hauch von Ennio Morricone

Die mühsame Detektivarbeit hat zu Beginn des Films durchaus ihren Reiz. Großen Anteil daran hat, wie in der Serie, der herausragende Soundtrack von Ludwig Göransson. Der frisch gebackene Oscarpreisträger („Sinners“) zitiert gekonnt Ennio Morricone und die „Star Wars“-Ikone John Williams, würzt seinen verspielten Score aber auch mit Elektronik. Die kommt vor allem zum Einsatz, als sich auf einem dichtbesiedelten Mond im futuristischen „Blade Runner“-Stil Mando und Rotta The Hutt erstmals begegnen. Der Reiz dieses Treffens liegt nicht nur an den optisch eindrucksvollen, wüsten Gladiatorenkämpfen, die zur Belustigung der Zuschauer ausgetragen werden, sondern auch am Charakter von Rotta The Hutt.

Kathleen Kennedy, Pedro Pascal, Jon Favreau mit Grogu und Sigourney Weaver (von links) posieren bei der Ankunft zu einem Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event im Cineworld Leicester Square im Zentrum von London.
Kathleen Kennedy, Pedro Pascal, Jon Favreau mit Grogu und Sigourney Weaver (von links) posieren bei der Ankunft zu einem Star Wars: The Mandalorian and Grogu UK Fan-Event im Cineworld Leicester Square im Zentrum von London. © picture alliance/dpa/PA Wire

Der erstaunlich liebenswerte Riesenwurm ist keineswegs gewillt, zu seinen toxischen Onkeln zurückzukehren. Er leidet noch immer unter dem schlechten Ruf seines Vaters. In der unfreiwilligen Allianz zwischen Mando, Grogu und Rotta The Hutt entwickelt der Film einen rauen, originellen Außenseiter-Charme, den man so aus „Star Wars“ nicht kennt.

Nimmt er den Helm ab?

Die wilde Flucht des Trios ist aber nach der Hälfte des Films bereits beendet. Bleibt eine weitere Stunde Plot, eine weitere Serien-Episode in Form eines Spielfilms. Nun liegt der Fokus plötzlich auf Grogu, der zuvor nichts zu tun hatte außer putzig zu knurren, viel zu essen und auf die falschen Knöpfe zu drücken.

Der Mandalorianer (Pedro Pascal) und Grogu im neuen „Star Wars“-Film.
Der Mandalorianer (Pedro Pascal) und Grogu im neuen „Star Wars“-Film. © Lucasfilm Ltd / Francois Duhamel

Nun aber muss Baby Yoda in die Heldenrolle schlüpfen und seinen väterlichen Freund Mando mit weiteren flauschigen Winzlingen, den Anzellan, retten. Das ist bei aller Niedlichkeit arg vorhersehbar und fern von jeder Spannung, jeder Dringlichkeit inszeniert. Und hier wird auch spürbar, was „The Mandalorian & Grogu“ zu einem großen „Star Wars“-Film fehlt: die politische Dimension, die Fallhöhe, die Leidenschaft und die immer spürbare Gefahr, dass hier Millionen von Leben auf dem Spiel stehen.

Der aufregendste Moment in der zweiten Film-Hälfte ist aber lediglich, ob und wann Mando mal den Helm abnimmt und das Gesicht von Pedro Pascal entblößt. Und das ist am Ende für einen Blockbuster, der unter dem geschichtsträchtigen Label „Star Wars“ firmiert, doch etwas wenig.

Kino: Astor im Arri, Cinema (OV), Cinemaxx, Gloria, Leopold, Mathäser, Museum (OV), Royal, R: Jon Favreau (USA, 132 Min.)

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