"Madame" - Ohne Charme, die Bourgeoisie

"Madame" seziert ein Pariser Großbürgertum voller Geltungssucht und Oberflächlichkeit.
| Margret Köhler
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Society-Lady Anne (Toni Collette) samt Gesellschaft.
Studiocanal Society-Lady Anne (Toni Collette) samt Gesellschaft.

Dreizehn Leute am Tisch. Das geht gar nicht. Die amerikanische Society-Lady Anne, die mit ihrem in Geldnöten schwimmenden Mann in einem Palais in Paris wohnt, ist sauer, weil sich ihr Stiefsohn selbst zum festlichen Dinner einlädt. Als 14. Gast muss das spanische Dienstmädchen Maria (Almodóvar-Aktrice Rossy de Palma) einspringen. "Nicht viel reden und nicht viel trinken", bläut ihr Anne ein. Obgleich in weißer Robe schick aufgebrezelt, fühlt sie sich anfänglich unter den mondänen Leuten gar nicht wohl. Doch nach ein paar Gläschen Wein dreht sie auf, statt den Mund zu halten, unterhält sie den Tisch mit zweideutigen Witzen.

Zwischen galliger Sozialsatire und moralischem Lehrstück

Und becirct mit ungekünsteltem Charme und großer Natürlichkeit ihren Tischnachbarn, einen reichen Kunsthändler. Als die Liebe zwischen beiden ausbricht – er hält sie für eine spanische Adelige – sorgt die narzisstische Amerikanerin resolut für ein Ende des Chaos. Zwischen galliger Sozialsatire und moralischem Lehrstück führt Amanda Sthers in ihrem zweiten Kinofilm grimmig die feine Gesellschaft vor, die sich besser glaubt, nur weil sie Geld und Namen hat. Genüsslich schaut die Bestseller-Autorin, Drehbuchautorin und Regisseurin in dieser "Cinderella-Story für Erwachsene", wie sie ihr Werk nennt, hinter die Fassade des Großbürgertums, entlarvt die Neurosen eines scheinheiligen Zirkels, der sich tolerant gibt, aber niemanden akzeptiert, der nicht aus dem gleichen Klüngel stammt. Erst kommt der Sozialstatus, dann der Mensch.

Die einzige sympathische Figur in dieser Welt der Leere ist "Aschenputtel" Maria, die noch an Märchen glaubt und Würde ausstrahlt, sich am Ende aus engen Regeln befreit und Freiheit findet. Toni Colette als intrigante Gastgeberin und Harvey Keitel als Göttergatte, der nicht viel zu sagen hat, belügen und betrügen sich, sind Getriebene ihrer Geltungssucht. Der Rest der Mischpoke entlarvt sich in ihrer Oberflächlichkeit selbst. Komik und Ernst halten sich die Waage in dieser mit wunderbaren Paris-Impressionen und pointierten Dialogen verzierten, rührenden Geschichte einer unmöglichen Liebe, die an Arroganz und fest zementiertem Klassendenken scheitert.


Kinos: ABC, Gloria, Solln, Leopold sowie Monopol, City, Rio (alle auch OmU) und Isabella (OmU), Museum-Lichtspiele (OV)
Regie: Amanda Sthers (F, 91 Min.)

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