Lachkrampf mit Christoph Maria Herbst bei "Sommer auf Asphalt“: Mala Emde packt vom Dreh aus
In der Tragikomödie „Sommer auf Asphalt“, die lose auf dem Roman „Pedalpilot Doppel-Zwo“ von Wolf Schmid basiert, bekommt die Fahrradkurierin Les unerwarteten Besuch von ihrem entfremdeten Vater (dargestellt von Christoph Maria Herbst), der sich erstaunlich schnell in das chaotische Leben seiner Tochter integriert. In der Hauptrolle ist Schauspielerin Mala Emde zu erleben.
AZ: Frau Emde, Sie haben schon für die Serie „Oh Hell“ mit Regisseur Simon Ostermann zusammengearbeitet. Gab es ein Casting oder hatte er Sie gleich für die Rolle der Les auf dem Schirm?
MALA EMDE: Das war tatsächlich eine andere Geschichte. Es gab erst mal nur das Drehbuch. Und das war der Grund, warum ich mitmachen wollte. Die damaligen Macher hatten sich für mich entschieden und Simon Ostermann kam erst später dazu. Das Projekt stand kurz auf der Kippe, doch Simon hat es mit seiner Anwesenheit gerettet. Das hat mich ungemein gefreut, weil ich mir keinen besseren Regisseur hätte vorstellen können. Die Zusammenarbeit mit ihm bei „Oh Hell“ war wirklich fantastisch. Er hat eine ganz besondere Art, mit Schauspielern zu arbeiten. Insofern hat mich das sehr glücklich gemacht.

Mussten Sie ein Fahrradtraining absolvieren?
Ja, tatsächlich. Ich hatte eine Art Bootcamp und bin mehrere Tage mit einem Kurier in Berlin mitgefahren. Und dann nochmal in Hamburg, weil ich bei einem weiteren Kurier dabei sein und auch die Stadt nochmal durch die Kuriersaugen erleben wollte. Ich habe dann natürlich auch direkt einen Platten bekommen. Wir sind ungefähr 100 Meter weit gekommen. Da wurde mir auch beigebracht, wie man einen Fahrradschlauch wechselt.
Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Ihrem Filmvater Christoph Maria Herbst?
Ich habe sehr gerne mit Christoph gearbeitet, weil er sehr professionell und super vorbereitet ist. Eine Leidenschaft, die wir teilen - neben dem Humor - ist die Genauigkeit in der Sprache. Er ist ein Sprachkünstler und spürt sofort, wenn irgendetwas in einem Satz nicht stimmt oder eine Betonung fehl am Platz ist. Man ist mit ihm sehr genau vorbereitet und kann deswegen im entscheidenden Moment einfach loslassen. Außerdem hat Christoph in unserem Film mal eine ganz andere, weichere, verletzlichere Seite von sich zeigt, was zu sehen mir total Freude gemacht hat.

Im Film haben Sie einen Ufall, ihr Vater springt ein und kümmert sich um Sie. Wie fühlt es sich an, von Herrn Herbst die Haare gemacht zu bekommen?
Das war sehr lustig! An dem Tag hatten wir tatsächlich einen Lachkrampf. Ich hätte mich gern revanchiert, aber das ist bei ihm so schwierig.
Man möchte sich auch gern vorstellen, dass auch hinter den Kulissen die Beziehung zwischen den Schauspielern von Les und ihren wilden Kurier-Kollegen so großartig war wie in der Geschichte.
Ja, wir waren eine wirklich gute Gang. Es ist auch immer ein Teil einer sehr guten Vorbereitung, dass man viel Zeit miteinander verbringt, sodass die Körper, Seelen und Gespräche einander nicht mehr fremd sind. Aaron Hilmer ist sowieso ein ganz fantastischer Kollege und Mensch, den ich sehr dafür bewundere, wie er an Rollen rangeht. Tyler ist eine tolle Figur und so ziemlich alles, was Aaron anfasst, wird zu Gold.
Les lebt in einer offenen Beziehung. Wäre das für Sie denkbar oder sind Sie in dieser Hinsicht konventioneller?
Diese Figur war einer der Gründe, warum ich das Projekt machen wollte. Der Film strotzt vor Liebe und zeigt auf wahnsinnig unreißerische oder nicht polarisierende Weise, dass es da um Liebe geht. Und wen man dann liebt, ist egal. Es geht um eine tiefere Ebene. Manche schrecken vielleicht davor zurück, wenn sie den Begriff „offene Beziehung“ hören. Aber im Endeffekt geht es darum, dass wir nicht alleine sind und eine Gemeinschaft bilden. Das ist das, was unsere Zeit braucht: Nicht nur um uns selbst drehen und um unser eigenes Wohlergehen fürchten, sondern gemeinschaftlich denken. Das sieht für manche so aus und für manche so. Man soll seinen eigenen Weg finden, wie man Beziehungen führt. Das zu zeigen, schafft der Film auf eine ganz tolle Weise. Vielleicht findet man sich in einer heteronormativen Beziehung nicht gut zurecht und muss seinen Weg finden, wie man Beziehungen führt. Das hat alles seine Berechtigung und das hat mir sehr gefallen. Das ist auch einer von Les´ Hintergründen, ja. Aber in dem Film geht es um diese Vater-Tochter-Beziehung, um den Umgang mit Herausforderungen innerhalb der Familie und um den möglichen Familienzuwachs. Dieser andere Aspekt ist eher nebensächlich.

Apropos. Der Film setzt sich mit der Beziehung zwischen Eltern und Kindern auseinander. Wurden Sie auf Ihrem beruflichen Weg immer von Ihrer Familie unterstützt?
Tatsächlich hatte ich großes Glück. Ich bin in einem sehr liebevollen Haushalt aufgewachsen. Ich wurde unterstützt, aber es wurde niemals etwas von mir gefordert. Ich hatte immer das Gefühl, dass es bei mir lag, zu entscheiden, ob ich das machen möchte oder nicht. Wenn ich aber Unterstützung brauchte, waren sie da und hatten auch die Kapazitäten dafür. Das ist auch eine Menge Glück, denn nicht alle Eltern können sich das neben beruflichem und finanziellem Stress leisten. Ich hatte einfach viel Glück, dass meine Eltern mir zur Seite stehen konnten.
Gibt es einen Gegenstand, den Sie so lieben wie Les ihr Fahrrad?
Das ist eine schöne Frage. Die wurde mir noch gar nicht gestellt. Ich habe einen alten Volvo 960. Ich bin grundsätzlich sehr gerne Fahrradfahrerin und Fußgängerin und fahre gar nicht so viel Auto. Ich bin aber bekanntlich für meine Rollen sehr viel unterwegs und an verschiedensten Orten. Wenn ich dann also mal Auto fahre, ist dieser Volvo als Gegenstand die eine Konstante in meinem Leben. Meine Eltern hatten ihn schon, als ich geboren wurde. Und jetzt habe ich ihn.
Sie sind selbst kürzlich 30 Jahre alt geworden. War es ein mulmiges Gefühl?
Nein, ich habe mich ganz doll gefreut. Ich feiere einfach sehr gerne Geburtstage. Ich habe jetzt meine 20er durchgemacht. Manchmal fühle ich mich wie vier, manchmal wie neun. Und jetzt fühle ich mich aber auch wie 30.
Les bezeichnet die Zeit der Filmhandlung als ihr schönstes Jahr. Haben Sie auch eines?
Ich habe es schon sehr gemocht, mit meiner besten Freundin in Paris zu leben. Ich hatte davor sehr viel gedreht und musste deswegen danach mal eine Pause machen, weil ich ein bisschen überarbeitet war. Zu merken, dass man in der Lage dazu ist, aus einer Krise wieder gestärkt herauszukommen, war sehr schön.
Sehen Sie Fahrradkuriere nun nochmal mit anderen Augen?
Auf jeden Fall! Ich habe einen viel größeren Respekt und finde es eine super Erfindung, dass wir nicht immer mit Autos durch die Gegend fahren. In der Stadt Fahrrad zu fahren, ist einfach das vernünftigste und ehrlich gesagt auch spaßigste Verkehrsmittel. Gleichzeitig habe ich auch gelernt, dass es noch notwendiger ist, auf diese Fahrradfahrer acht zu geben, weil sie im Straßenverkehr immer die Schwächeren sind. Wenn ich jetzt Auto fahre, bin ich sehr viel rücksichtsvoller gegenüber Fahrradfahrern. Wer Fahrrad fährt, weiß genau, wovon ich rede.
Studieren Sie noch Liberal Arts, also interdisziplinär, um eine möglichst breite akademische Allgemeinbildung zu bekommen?
Im Moment nicht, weil ich zu viel arbeiten darf.
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