Kleine Menschen, große Probleme

Matt Damon macht sich klein: In der Science-Fiction-Tragikomödie "Downsizing" wird er zu einem Mini-Menschen geschrumpft, um die Welt zu retten.
| Andreas Fischer
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Der Körper geschrumpft, das Leben wird groß: Paul Safranek (Matt Damon, links) lässt sich von seinem Schulfreund Dave (Jason Sudeikis) überreden, als Miniaturversion weiterzumachen.
2017 Paramount Pictures GmbH Der Körper geschrumpft, das Leben wird groß: Paul Safranek (Matt Damon, links) lässt sich von seinem Schulfreund Dave (Jason Sudeikis) überreden, als Miniaturversion weiterzumachen.
In Hollywood gilt Alexander Payne ("About Schmidt", "Sideways", "The Descendants") als Mann mit besonderem Gespür für Leid
und Freud des kleinen Mannes. Das trifft sich gut. Denn in "Downsizing" werden die Menschen auf eine Körpergröße von zwölf Zentimetern geschrumpft. Die Idee dahinter: Wer kleiner ist, verbraucht weniger Ressourcen, und der Planet Erde hat sich eine Erholungspause wahrlich verdient. Anders als in seinen vorherigen Filmen, ist Paynes kleiner Mann, der hier von Matt Damon gespielt wird, nicht mehr in der Gegenwart zu Hause, sondern in einer handfesten Utopie. Die allerdings nimmt sich ziemlich vieler gegenwärtiger Probleme an. Es ist ein ziemlich kruder Rundumschlag, zu dem Payne und Drehbuchautor Jim Taylor
mit "Downsizing" ansetzen. Wobei die Grundidee ziemlich charmant ist: Was wäre, wenn sich alle Menschen auf eine Schrumpfung einlassen, um das Überleben der Menschheit zu retten? Dass die Ressourcen knapper werden, die Müllberge dafür größer, das ist schließlich nicht von der Hand zu weisen. Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten scheint der wissenschaftliche Durchbruch, der einem norwegischen Forscherteam im Film gelingt, auch nicht unmöglich. Also machen sich einige Pioniere und bald schon immer mehr Menschen auf ins Zwergenland. Ihre Beweggründe gehen freilich selten einher mit Weltrettungsfantasien. Meistens sind sie profaner. Paul Safranek (Damon) zum Beispiel erträumt sich schlichtweg ein besseres Leben, als es ihm die US-amerikanische Mittelschicht ermöglicht. In der Mini-Welt sind seine bescheidenen Ersparnisse viel mehr wert als in der realen Welt. Eine eigene Villa, medizinische Versorgung, ein sorgloses Leben - all das ist dort möglich. Mit einer ruhigen, technisch versierten und glaubwürdigen Inszenierung bereitet Alexander Payne Safraneks Einzug ins Gelobte Land vor, was für den sanftmütigen und nicht immer gedankenschnellen Physiotherapeuten
mitnichten zu einer Fahrt ins Paradies wird. Eher zu einem ausgewachsenen Höllentrip, auf dem er unter anderem ein herrlich absurdes Duo trifft. Mit der von ihnen gewohnten Exzentrik zeigen ihm Christoph Waltz und Udo Kier als Schmuggler
und Lebemänner die Miniaturwelt als das was sie ist: der geplatzte Traum von einer besseren Welt. In ihrem Luxusapartment trifft er nämlich eine ziemlich taffe vietnamesische Aktivistin, die von der überwältigenden Hong Chau gespielt wird. Sie nimmt Safranek mit in die Randbezirke der neuen Welt, die plötzlich gar nicht mehr so schön ist. Scharfzüngige Satire und bisweilen wütende Abrechnung mit der Welt in Zeiten eines Donald Trumps, kommt "Downsizing" häufig einen Tick zu pathetisch daher. Alexander Payne greift viele Ideen auf, denkt aber nur wenige konsequent zu Ende. Irgendwann liegen dann überall lose Enden herum, die sich für die narrative Struktur als Fallstricke erweisen. Weil der Film einmal zu oft über sein Ziel hinausschießt, bleibt am Ende auch nicht viel mehr, als resigniert festzustellen: Große Leute haben große Probleme. Kleine Leute aber auch.
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