Kinokritik zu "Mein Liebhaber, der Esel und ich": Die Weisheit des Esels

Die französische Komödie im Stil eines feministischen Neo-Westerns "Mein Liebhaber, der Esel und ich".
| Margret Köhler
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Am Ende glücklich: Antoinette (Laure Calamy) bei der Ankunft mit Esel Patrick in einem Dorf der Cevennen.
Am Ende glücklich: Antoinette (Laure Calamy) bei der Ankunft mit Esel Patrick in einem Dorf der Cevennen. © Julien Panié, Chapka Films

"Der Weg ist das Ziel". Mit dieser Lebensweisheit von Konfuzius hat Lehrerin Antoinette nichts am Hut. Sie ist verliebt, deshalb steht ihr der Sinn nicht nach Philosophie, sondern nach Sex. So freut sie sich auf ein paar Ferientage mit ihrem heimlichen Geliebten, dem Vater einer ihrer Schülerinnen.

Melancholische Komödie im Stil eines feministischen Neo-Westerns

Doch der eröffnet ihr, den Urlaub mit Ehefrau und Töchterchen beim Wandern im Naturpark der Cevennen zu verbringen. Was liegt näher für die Eifersüchtige, als eben dort einen Trip mit einem Begleit-Esel zu buchen in der Hoffnung, auf einem der Trampelpfade den begehrten Kerl zu kreuzen.

Caroline Vignals Zutaten für diese delikate und streckenweise melancholische Komödie im Stil eines feministischen Neo-Westerns sind eine Frau, ein verheirateter Liebhaber, eine imposante Berglandschaft und ein Esel namens Patrick.

Die auf den ersten Blick einfache Posse entpuppt sich als Porträt einer herzerfrischend offenen und witzigen Frau, die schmerzhaft lernt, sie selbst zu sein. Das geht aber nicht von Null auf Hundert. Erst einmal muss sie den störrischen Vierbeiner ans Laufen bringen, mit der Einsamkeit fertig werden und mit schlecht ausgeschilderten Wegen, die sie im Kreis führen, und am Ende erkennen, dass es sich nicht lohnt, um Lover Vladimir (Benjamin Lavernhe aus "Birnenkuchen und Lavendel") auch nur eine Tränen zu vergießen.

"Schatzinsel"-Autor Robert Louis Stevenson als Inspiration

Bis zu dieser überfälligen Erkenntnis, braucht es noch einige emotionale Höhenflüge und Tiefschläge. Inspirieren ließ sich die Regisseurin durch die Reiseberichte des späteren "Schatzinsel"-Autors Robert Louis Stevenson aus dem Jahre 1878, der mit einem Esel durch die Cevennen zog, um seinen Liebeskummer zu vergessen.

Auf ihrer nach ihm benannten Tour traf sie Wanderer, die sich in einigen skurrilen Nebenfiguren wieder finden. Alle toppt die wunderbare Laure Calamy als charmante Pädagogin mal total reizbar und fragil, dann wieder wild entschlossen, sich durchzubeißen. Auch wenn es ihr die Sprache verschlägt, als die gehörnte Gattin sie mitten in einem netten Small-Talk mit der Frage schockt, "Wie lange geht das schon zwischen Ihnen?"

Am schönsten sind die Szenen zwischen Antoinette und dem dickköpfigen Patrick, der sich von ihr zähmen lässt und als geduldiger Vertrauter ihrem Liebesleid stoisch lauscht und stummer Zeuge ihres Wandels wird, aber auch lautstark sein Missfallen zeigt, wenn Vladimir und Anhang auftauchen.

Der treue tierische Begleiter weiß eben instinktiv von Anfang an, was zu tun ist: Sich vom lästigen menschlichen Begleiter zu befreien.


Kino: City, Solln, Rex, Isabella sowie Arena (auch OmU), Theatiner (OmU), B&R: Caroline Vignal (F, 99 Min.)

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