Kein neues Angebot: Netflix zieht sich aus Warner-Bros-Deal zurück

Der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery ist entschieden: Netflix verzichtet darauf, sein Angebot zu erhöhen - und überlässt das Feld Paramount.
von  (jom/spot)
Netflix steigt aus dem Rennen um Warner Bros. aus.
Netflix steigt aus dem Rennen um Warner Bros. aus. © Imago Images/NurPhoto / Samuel Boivin

Monatelang tobte in Hollywood einer der spektakulärsten Übernahmekämpfe der jüngeren Mediengeschichte. Jetzt ist er vorbei - und Netflix geht (fast) mit leeren Händen nach Hause. Am Mittwoch erklärten die Co-Chefs Ted Sarandos und Greg Peters, dass der Streamingdienst sein Angebot für Warner Bros. Discovery nicht erhöhen werde. Der Grund: Paramount hatte zuvor eine Offerte vorgelegt, die der WBD-Vorstand als überlegen einstufte, wie "Deadline" berichtet.

Dabei hätte Netflix noch vier Geschäftstage Zeit gehabt, um nachzulegen. Doch die Konzernspitze entschied sich gegen ein Mitbieten. Der Deal sei zum geforderten Preis schlicht nicht mehr wirtschaftlich attraktiv, teilten Sarandos und Peters in einem gemeinsamen Statement mit. Die Übernahme von Warner Bros. sei stets ein wünschenswertes Geschäft zum richtigen Preis gewesen - aber kein Muss um jeden Preis.

Ein halbes Jahr Bieterschlacht

Begonnen hatte das Drama bereits vor rund sechs Monaten. Paramount-Chef David Ellison hatte das Medienimperium Warner Bros. Discovery fast unmittelbar nach dem Abschluss der Skydance-Paramount-Fusion im August ins Visier genommen. Was folgte, war eine beispiellose Serie von Angeboten, die zunächst allesamt abgelehnt wurden - bis der WBD-Vorstand schließlich ein formelles Auktionsverfahren einleitete. Vier Bieter traten an: Paramount, Netflix, Comcast und ein namentlich nie genannter vierter Interessent.

Im Dezember dann der vermeintliche Durchbruch: WBD schloss mit Netflix einen Deal über 82,7 Milliarden Dollar ab. Paramount konterte mit einem Übernahmeangebot und besserte sein Gebot mehrfach nach. Wochenlang prallte alles am WBD-Vorstand ab - bis diese Woche. Paramount erhöhte den Angebotspreis auf 31 Dollar pro Aktie (Unternehmenswert von rund 111 Milliarden Dollar), zuvor waren es 30 Dollar gewesen (108 Milliarden Dollar).

Für Netflix ist der Rückzug finanziell nicht ganz ein Desaster. Der Streamingdienst erhält laut "Deadline" von Paramount eine Auflösungsgebühr von 2,8 Milliarden Dollar - eine stattliche Summe für einen Deal, der nie zustande kam. Die Anleger reagierten begeistert: Die Netflix-Aktie legte nach Bekanntgabe des Rückzugs um rund zehn Prozent zu.

In ihrem Statement betonten Sarandos und Peters, dass das Netflix-Geschäft auch ohne Warner Bros. gesund und wachstumsstark sei. Allein in diesem Jahr wolle der Konzern rund 20 Milliarden Dollar in Filme und Serien investieren.

Bevor die Fusion von Warner und Paramount vollzogen werden kann, müssen noch die WBD-Aktionäre zustimmen und Regulierungsbehörden in den USA und anderen Ländern grünes Licht geben.

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