Jodie Foster versucht es mit Hypnose - in „Paris Murder Mystery“

Das Setting ist bemerkenswert: Jodie Foster spricht - in der Originalversion - Französisch mit nur leichtem amerikanischen Akzent, was schon der deutsche Titel „Paris Murder Mystery“ nahelegt. Auch spielen die großen französischen Schauspieler Daniel Auteuil (als ihr Ex-Mann) und Mathieu Amalric als verdächtiger Ehemann der toten Patientin mit. Denn Foster ist eine Amerikanerin und Psychoanalytikerin in Paris. Die Ähnlichkeit mit Woody Allens „Manhattan Murder Mystery“ von 1993 besteht nur darin, dass auch hier eine vermeintlich klare Todesursache (Selbstmord), von der Hauptfigur (Foster) angezweifelt wird.

Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Rebecca Zlotowski hat daraus eine sehr verschachtelte Geschichte gebaut - mit vielen Ebenen, die im französischen Original „Vie privée“ heißt. Der Krimi führt Foster als die sehr kontrollierte Lilian Steiner in Schuldgefühle wegen des Todes ihrer Patientin. Sie stellt Nachforschungen an und verdächtigt schnell Ehemann (hat eine Geliebte) und Tochter (konnte durch den Todesfall viel erben).
Das „Mystery“-Element kommt durch eine esoterische Hypnotiseurin ins Spiel. Die rationale Lilian betritt ihr Unterbewusstsein - und ein vorheriges Leben, in dem sie amourös mit der Patientin verwickelt war. Dass das nicht ins komplett Absurde rutscht, verdankt die Geschichte dem Kunstgriff, dass nicht klar wird, ob das alles Erinnerungsfantasien sind oder behauptete Wirklichkeit.
Eingebaut hat Rebecca Zlotowski noch einen jüdischen Themenkomplex, weil Lilian Steiners anfängliche Unfähigkeit zu Nähe - auch zu ihrem Sohn und ihrem Enkelbaby - auf eine Art unbewusstes transgenerationales Holocausttrauma zurückgeführt wird.

Witz und Spannung - und hier gibt es dann doch noch eine Woody-Allen-Nähe - kommt dann auf, als Lilian Steiner mit ihrem Ex (der sie romantisch-komödiantisch zurückhaben will) die Beschattung des Ehemanns der Toten aufnimmt, viel schief geht und sie den Verdächtigen beim Sex überraschen.
Die eigentlich Metaebene der komplexen Geschichte besteht in der durchaus alltagstauglichen Selbstbefragung, wie viel unserer Wahrnehmung und unserer Urteile sich nicht auf Fakten oder Realität beziehen, sondern nur Ausdruck unseres Inneren sind: unterdrückte Wünsche, Ängste.

Das gibt diesem amüsanten, durch seine Ebenen tiefe vor allem suggerierenden Tragikomödie bei genauerer Reflexion Substanz. Die wiederum wird ergänzt durch das grandiose Schauspiel der Franzosen Auteuil und Amalric, die beide subtil komödiantisch eingesetzt sind - und durch Jodie Foster als härterer, unflexiblerer Gegentyp.
Wie sie zwischen Praxis und nächtlichem Paris, zwischen Kontrolle und gefürchteten Kontrollverlust den Krimi vorantreibt, macht dieses etwas obskure Unterhaltungsstück sehenswert.

Kino: ABC, Leopold sowie Theatiner, City (auch OmU) und Rio (OmU)
R: Rebecca Zlotowski (F, 105 Min)