Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen

Ab Donnerstag im Kino: Dieter Hallervorden spielt in „Sein letztes Rennen“ einen Ex-Olympiasieger. Er will nochmal den Berlin-Marathon gewinnen und dem Altersheim entrinnen.
| Martin Schwickert
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Der Schauspieler Dieter Hallervorden (als Paul Averhoff) läuft im Olympiastadion in Berlin bei den Dreharbeiten zu dem Film "Sein Letztes Rennen" über die Bahn.
dpa Der Schauspieler Dieter Hallervorden (als Paul Averhoff) läuft im Olympiastadion in Berlin bei den Dreharbeiten zu dem Film "Sein Letztes Rennen" über die Bahn.

Nach Jahren ist Dieter Hallervorden wieder auf der Leinwand – und das in einer dramatischen Rolle.

AZ: Herr Hallervorden, Sie sagen, dies sei die Rolle Ihres Lebens!

DIETER HALLERVORDEN: Ja, ich bin auch ein kleiner Revoluzzer und habe mir nichts vorschreiben lassen. Das war nicht immer klug, aber ich habe das so durchgehalten. Der Marathonläufer, den ich spiele, ist geradezu beispielhaft für diese Haltung. Bei mir heißt es: „Immer mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen“. Daher war beim Lesen des Drehbuchs klar, dass ich die Rolle wollte – zur Not auch ohne Gage.

Fühlten Sie sich fit genug?

Ich bin sportlich, aber für so einen Film muss man sich extra vorbereiten. Ich war laufen, schwimmen, habe eine Magnetfeldtherapie gemacht und die Ernährung umgestellt: Kein Kuchen, kein Alkohol, auch auf den geliebten Irish Coffee habe ich verzichtet. Ich bin Pflichtmensch. Nichts wäre peinlicher, als wenn ich den Produzenten enttäusche, weil mir die Puste ausgeht.

Der Film blickt auch auf den Umgang mit alten Menschen…

Dadurch, dass die Alterspyramide Kopf steht und die Leute – wie die Politiker sagen „glücklicherweise“ – immer älter werden, ist das Personal der Altersheime überfordert. Es gibt nicht genug Pflegekräfte, die dann auch von ihrer Seele her geeignet sind, so einen schweren Job zu machen. Dieser Beruf verlangt eine richtige Ausbildung.

Wie alt fühlen Sie sich?

Das Alter lässt sich nicht im Pass ablesen, sondern im Kopf und an der Art, wie man sich beschäftigt. Blumenrabatten sauber zu schneiden oder Segelboote in Weinflaschen stecken ist nichts für mich. Ich liebe den Unruhestand. Deshalb habe ich auch vor vier Jahren das Berliner Schlosspark Theater übernommen.

Gibt es Dinge, die Sie am Älterwerden schätzen?

Als junger Mann wäre ich nie auf die Idee gekommen, meine Kinder als Baby zu wickeln und ihnen Fläschchen zu geben. Aber als mein jüngster Sohn auf die Welt kam, war ich 64. Da habe ich mitbekommen, wie sich so ein Kind Tag für Tag das Leben erarbeitet. Das habe ich erst im Alter kennen gelernt, weil ich dafür ein anderes Bewusstsein hatte. Und früher war ich in vielen Dingen unbeherrscht und aufbrausend.

Stört es Sie, wenn Leute Sie heute immer noch auf das ewig lustige „Didi“-Image reduzieren?

Ich habe die Figur ja selbst entwickelt, aber irgendwann wurde klar: Ewig dasselbe wird für mich und die Zuschauer langweilig. Irgendwann hat man alle Gags durchgespielt. Ich wollte zu anderen Ufern. Es ist ein großer Unterschied, ob man vorrangig das Zwerchfell anspielt oder das Herz der Zuschauer erreichen will. Vielleicht wird manchen Leuten klar, dass sie mich zu Unrecht auf das Image des Comedian reduziert haben.

Werden Sie heute auf der Straße immer noch als „Didi“ erkannt?

Heute begegnen mir die Menschen mit gewissem Respekt. Aber zu Zeiten von „Nonstop Nonsens“ haben mir Leute schon mal einen Schnaps hingeknallt und gesagt: „Nun mal los: einen gespielten Witz.“ Das war gewöhnungsbedürftig.

Im Film heißt es „Das Leben ist ein Marathon-Lauf“.

Wenn ich daran denke, wie schwer ich es als junger Mann hatte, mich in der DDR gegen das System durchzusetzen und was für ein Schwein ich hatte, der Stasi gerade noch entkommen zu sein. Dann auf die Schauspielschule und mit 25 ein Theater gegründet. Das war anstrengend, aber es ist gut ausgegangen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie damals ein Attentat auf Walther Ulbricht geplant haben?

Ja, das stimmt. Ist aber leider nichts draus geworden. Von heute aus betrachtet, war das natürlich vollkommener Quatsch und so, wie sich Klein-Moritz Politik vorstellt.

Wie blicken Sie in die heutige Fernsehlandschaft?

Mittlerweile lassen die jeden, der fünf komische Fressen ziehen kann und ein paar Sprüche drauf hat, vor die Kamera. Das Schlimme ist, dass junge Leute, die zum Fernsehen wollen, sich daran orientieren. Dadurch wachsen kaum politische Kabarettisten nach. Das Land wird mit Comedians überflutet.

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