Himmelhochjauchzend

Zehn Jahre nach „Wie im Himmel“ kommt die Fortsetzung. Doch „Wie auf Erden“ ist etwas plakativer geraten. Die lebensfrohe Lena soll diesmal die Leitung des Kirchenchors übernehmen und stößt dabei nicht immer auf Akzeptanz.
| Mathias Hejny
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Gerade noch saß Lena an der Supermarktkasse und sang in einer Countryband, jetzt leitet sie den Chor ihrer Heimatstadt.
Prokino Gerade noch saß Lena an der Supermarktkasse und sang in einer Countryband, jetzt leitet sie den Chor ihrer Heimatstadt.

Die Ljusåker-Saga geht weiter. 2005 war das Dorf aus dem wilden Norden Schwedens der Schauplatz des Erfolgsfilms „Wie im Himmel“, der sogar für den Oscar nominiert wurde. Damals hatte sich der weltweit gefeierte Dirigent Daniel Daréus nach einem Burn-out in den Ort seiner Kindheit zurückgezogen, wo er sich dazu überreden ließ, die Leitung des Kirchenchors zu übernehmen.

 

Emanzipation in einer vekrusteten Gesellschaft

 

Seinem künstlerischen Ideal, eine Musik zu machen, „die die Herzen der Menschen öffnet“, kam er unversehens so nah wie nie zuvor in seinem Leben. Die Macht der Musik wiederum machte den Dörflern den Weg zu sich selbst frei.

Emanzipation von einer verkrusteten Gesellschaft wurde allerdings nicht überall im Dorf nicht gerne gesehen, vor allem nicht beim Dorfpfarrer. Auch nach dem plötzlichen Herztod Daniels während einer triumphalen Konzertreise nach Innsbruck bleiben die Kampflinien in Ljusåker erhalten.

Regisseur und Drehbuchautor Kay Pollak erzählt in „Wie auf Erden“ davon, was danach geschah. Obwohl „Wie im Himmel“ zehn Jahre her ist und die Darsteller entsprechend gealtert sind, schließt die Fortsetzung nach genau neun Monaten an. Kurz vor seinem Tod hatte der Starmusiker mit der Supermarkt-Kassiererin Lena ein Kind gezeugt, das zu Beginn von „Wie auf Erden“ in einer stürmischen Winternacht geboren wird.

 

Dramatisch-fesselnde Erzählung

 

Befürchtungen von Erstsehern, das komplexe Beziehungsgeflecht der Dorfgemeinschaft nicht durchschauen zu können, sind unbegründet. Pollak entwickelt gleich zu Beginn einen hochdramatischen erzählerischen Sog, der jeden mitnimmt.

Die lebensmutige Lena rückt ins Zentrum, und ihre Darstellerin Frida Hallgren entfaltet eine schauspielerische Kraft, mit der sie die dicht getakteten Gefühlsextreme zwischen Himmelhochjauchzen und Höllenangst virtuos in den Griff bekommt.

Lenas Plan ist, mit ihrem Chor Händels „Halleluja“ einzustudieren. Offenbar inspiriert von der emotionalen und spirituellen Wucht der Barockmusik entfaltet Kay Pollak mit einer fast schon entfesselten Rührseligkeit und noch plakativer als im Vorgängerfilm allzu viel vom Menschlichen und vom Allzumenschlichen.

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