Hape Kerkeling: "Glück wartet oft an der nächsten Ecke"

"Ich glaube fest daran, dass seine Art etwas bewirken kann", sagt Hape Kerkeling im Interview über seine Kultfigur Horst Schlämmer, die ab dem 26. März wieder im Kino zu sehen ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Glück.
(eyn/spot) |
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In "Horst Schlämmer sucht das Glück" reist Hape Kerkeling als Horst Schlämmer durch die Republik.
In "Horst Schlämmer sucht das Glück" reist Hape Kerkeling als Horst Schlämmer durch die Republik. © Leonine Studios/Sandra Hoever

Hape Kerkeling (61) ist zurück - und zwar richtig. In "Horst Schlämmer sucht das Glück" (ab dem 26. März im Kino) verwandelt der Comedian sich wieder in seine Kultfigur Horst Schlämmer und geht, wie der Name schon sagt, auf die Suche nach dem ganz großen Glück. Denn die Corona-Pandemie hat auch Grevenbroich gebeutelt und Schlämmer hält die schlechte Laune der Leute einfach nicht mehr aus.

"Unsere Zeit braucht diesen zutiefst demokratischen Grundcharakter", ist sich Kerkeling im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news sicher. Außerdem erzählt er, warum es für ihn trotzdem nicht leicht ist, wieder zu Schlämmer zu werden, wie seine Begegnung mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) auf der Glückssuche war und was Glück für ihn selbst eigentlich bedeutet.

Nach 17 Jahren wieder einen Kinofilm mit Horst Schlämmer. Wieso braucht Kino-Deutschland Schlämmer gerade jetzt?

Hape Kerkeling: Der Horst hat gefehlt. Er war wie ein alter, leicht zerfranster Perserteppich, der irgendwann aus der Einrichtung flog, weil er anfing zu müffeln. Aber er hat eben auch für Gemütlichkeit gesorgt. Und genau diese Wärme muss jetzt wieder zurück in die Bude - da ist Schlämmer unschlagbar.

Er hat aber auch ungemütliche Charakterzüge, schaut Frauen hinterher, ist egoistisch. Ist so eine Figur heutzutage noch zeitgemäß?

Kerkeling: Als Horst 2009 für "Isch kandidiere!" vor der Kamera stand, galt er als der übergriffige Frauenschreck, der unangepasste "alte weiße Mann". Damals war er ein Extremfall in einem eher lahmen politischen Betrieb. Heute erleben wir eine Zeit, in der alles unversöhnlich aufeinanderprallt und die Hemmschwellen in Wort und Geste gefallen sind. In diesem aufgeheizten Klima wirkt Horsts Machismo fast schon wieder drollig und verbindend. Das, was früher als extrem galt, erzeugt heute eine fast nostalgische Reibungswärme.

Ist Horst mitfühlender geworden oder sind die Zeiten härter?

Kerkeling: Beides. Er ist melancholischer geworden. Die Pandemie hat auch an ihm genagt; er hat schmerzhaft erfahren, was es bedeutet, wenn Geselligkeit und Freundschaft fehlen. Das hat seinen Charakter spürbar geerdet.

Und wie war es für Sie, wieder in Zähne und Mantel zu schlüpfen?

Kerkeling: Es ist herrlich, wieder der Spieler zu sein, der die Puppe tanzen lässt. Die "Puppe" selbst ist allerdings tückisch: Die Zähne drücken, der Nasenkleber müffelt den ganzen Tag, und wehe, man schwitzt - dann verabschiedet sich die Perücke. Diese Strapazen muss man sechs Wochen lang weglächeln. Wenn abends die Maske fällt und ich die usseligen Schuhe ausziehen darf, ist das ein Befreiungsschlag. Bis zu einem Nachfolger brauche ich definitiv erst einmal eine ausgiebige Erholungsphase von Horst.

Trotzdem haben Sie sich bewusst entschieden, wieder zu Horst zu werden.

Kerkeling: Absolut. Unsere Zeit braucht diesen zutiefst demokratischen Grundcharakter. Jemanden, der auf Menschen zugeht und jeden erst einmal so lange für ein "Schätzelein" hält, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ich glaube fest daran, dass seine Art etwas bewirken kann.

Bei dem Filmtitel bietet es sich an, über das Glück zu reden. Was bedeutet Glück für Sie?

Kerkeling: Glück offenbart sich im Kleinen. Man muss eine innere Bereitschaft, eine einladende Grundhaltung kultivieren, um es überhaupt einzulassen. Das ist meine Bilanz mit über 60 Jahren. Fragen Sie mich in 25 Jahren noch mal - falls ich mich dann noch an meine heutigen Weisheiten erinnere. Ich arbeite täglich daran, mir diese Offenheit zu bewahren.

Sie haben viel von der Welt gesehen. Haben Sie an irgendeinem Ort das Glück, wenn auch nur kurzzeitig, mal gefunden?

Kerkeling: Glück ist kein Fernziel, es wartet oft an der nächsten Ecke. Die Kirschblüte in Bonn ist zauberhaft, ein Spaziergang im Charlottenburger Schlosspark traumhaft. Natürlich gibt es auch die monumentalen Momente: Ein Sonnenuntergang in Südafrika oder zutrauliche Vögel in den Rocky Mountains, die einem aus der Hand fressen. Die Natur bietet zahllose glückstiftende Augenblicke, man muss sie nur sehen.

Im Film gibt es am Ende nicht den einen Glücksort, nicht die große Moral. Wieso haben Sie darauf verzichtet?

Kerkeling: Weil Glück zutiefst individuell ist. Wer nach einer schweren Operation den ersten Schritt tut, erlebt das maximale Glück. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Die Botschaft des Films ist schlicht: Bewahre die Hoffnung und bleib dran. Das klingt simpel, scheint aber vielen in diesem Land extrem schwerzufallen. Sonst hätten wir nicht diese grassierende Miesepetrigkeit und die Aggression, die uns im Alltag ständig entgegenschlägt.

Apropos Miesepetrigkeit: Horst Schlämmer trifft auch auf Markus Söder. Wie haben Sie die Begegnung erlebt?

Kerkeling: Es war ein wunderbar konfrontativer Schlagabtausch. Ich hatte den Eindruck, Söder hat es regelrecht genossen, sich mit dem usseligen Schlämmer zu kabbeln und ihn ungestraft beschimpfen zu dürfen. Vielleicht war es für ihn sogar eine Art Befreiungsschlag - es sei ihm gegönnt.

Aber eigentlich kann man sich vorstellen, dass sich Schlämmer und Söder privat beim Mettigel ganz gut verstehen könnten.

Kerkeling: Ohne jede Frage!

Mit Hape Kerkeling hingegen versteht sich Horst Schlämmer im Film nicht so gut.

Kerkeling: Stimmt. Der Hape im Film ist ein eitler Fatzke, der vorgibt, das Glück gepachtet zu haben, während er im Kaufhaus hohle Phrasen trällert. Ich fand es amüsant, mich selbst so zu persiflieren. Ich bin gespannt, ob das Publikum über meine Selbstironie lacht - aber zum Glück ist Horst ja da, um die Sympathien wieder einzufangen.

Horst zieht wegen der Corona-Pandemie los, die den Leuten die gute Laune gestohlen hat. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Kerkeling: Ich empfand die Reglementierungen als massiven Gute-Laune-Killer. Nach Jahrzehnten grenzenloser Freiheit war diese Beklemmung für mich nur schwer zu ertragen.

Und welche Schlüsse haben Sie gezogen?

Kerkeling: Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Mein ganz pragmatisches Fazit war jedoch: Ich brauche einen Garten. Sollten wir jemals wieder für Jahre festgesetzt werden, will ich wenigstens ins Grüne treten können.

An einer Stelle im Film heißt es: Die Maske ist weg und mit ihr das Lächeln dahinter. Haben Sie das auch so empfunden?

Kerkeling: Das ist eine treffende philosophische Beobachtung. Die Pandemie war ein gravierender Einschnitt für die Weltgemeinschaft. Ich hoffe inständig, dass das kollektive Lächeln in den nächsten Jahren schrittweise zurückkehrt.

Würden Sie Horsts Mission und Ihre eigene Mission, das Lächeln zurückzubringen, vergleichen?

Kerkeling: Horst ist da wesentlich ambitionierter - er will das ganz große Rad drehen, übertreibt maßlos und scheitert natürlich glorreich. Meine private Zielsetzung ist bescheidener und dadurch hoffentlich auch erreichbarer.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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