Hallelujah! Es regnet Männer

Steven Soderbergh hat mit „Magic Mike” einen Film über das Leben als Stripper gedreht. Was einfallslos klingt, wird zu einem rauschenden Fest und einer Kritik am Starkult
| Claudio Musotto
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Matthew McConaughey als Dallas in der Komödie "Magic Mike" von Steven Soderbergh.
concorde Matthew McConaughey als Dallas in der Komödie "Magic Mike" von Steven Soderbergh.

In hautengen, sehr knappen Unterhosen, im Leoparden- und Tigermuster, stehen die selbsternannten schwanz-strammen Jungs von Tampa auf der Bühne, um am Ende jedes Abends möglichst viele Dollarscheine im Höschen zu haben.

Steven Soderbergh hat mit „Magic Mike” ein unterhaltsames und zugleich kritisches, amerikanisches Drama um schnelles Geld, Ruhm, Starkult und deren Schattenseiten gedreht. Um den jauchzend-jubelnden Mittdreißiger-Frauen einzuheizen, wird kein Klischee ausgelassen. Latino, Rocker, Macho, Softie, Sportler. Abwechselnd geben sie den Bauarbeiter in Latzhose, den SM-Polizist mit Schlagstock, oder den Cowboy mit Waffe und bedienen jegliche Soft-Porno-Fantasie.

„Magic Mike” (Channing Tatum), im echten Leben nur Mike ohne Magic, verdient jede Menge Geld mit dem Strippen, träumt aber vom Durchbruch als Möbeldesigner und einem seriösen Leben. Im Glitzer-Discokugel-Ambiente lässt Soderbergh die gestählten Körper akrobatisch über die Tanzfläche schwingen, lässt die Jungs erst ihre Unterhemden zerreißen, bis danach fast alle Hüllen fallen. Dazu gibt es Hits der Popgeschichte wie „It’s Raining Men” der Weather Girls: Dicke Mädchen treffen durchtrainierte Jungs. Und das macht Spaß. Vor allem wenn Matthew McConaughey, der den selbstverliebten Chef Dallas spielt, den Jungs vor dem Spiegel beibringt, wie man richtig mit dem Körper kommuniziert.

Als der zurückhaltende Frischling Adam (Alex Pettyfer) alias „The Kid” sein Strip-Debüt zu Madonnas „Like A Virgin” gibt, ahnt Mike noch nicht, welche Folgen die enge Freundschaft der beiden haben wird. „Ich war nichts und schon nach drei Monaten bin ich ein Star”, sagt Adam beiläufig während einem Mittagessen. Sein Realitätsverlust wird immer deutlicher, sein Größenwahn ist bemitleidenswert. Er verliert sich in Drogen und Sex, Mike verliebt sich in Adams bodenständige Schwester Brooke, die seine Welt erschüttert.

Steven Soderbergh gelingt es, das Hin-und-Her-Gerissen-Sein Mikes in kitschigen Tanzeinlagen und farblosen, naturalistischen Bildern des amerikanischen Alltags, in der kleinen Wohnung der Geschwister, zu zeigen. In einem fahlen Grau wird die Realität der Provinz der Irrealität des bunten Nachtlebens gegenübergestellt. Eine Unterhaltung zwischen Mike und Brooke legt die zentrale Frage des Films frei. Wieviel Persönlichkeit steckt eigentlich in meinem Lebensstil? Nachdem der geld- und geltungssüchtige Dallas im Ledertanga und Pelzmantel den Karrieresprung nach Miami verkündet, muss Mike, schneller als gedacht, eine Antwort finden. „Du bist nur das Bare wert, was sie dir geben”, fällt in einem Streit zwischen ihm und Dallas. Nachdem Adam in seinem Erbrochenen aufwacht, Mike ihn aus einer finanziellen Notlage rettet und Brooke mit beiden nichts mehr zu tun haben möchte, stehen ihre Leben vor dem Absturz. Bis Mike eine folgenschwere Entscheidung trifft.

Kino: Atelier (OmU), Cinema (OV), Cinemaxx, Leopold, Mathäser (auch OV), Royal
R: Steven Soderbergh (USA, 110 Min.)

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