"Ghostbusters": Neuer Film, alter Schleimer

Eine Komödie, ja – aber Paul Feigs weiblich besetzte „Ghostbusters“ sind absolut keine würdige Neufassung der 80er-Kinolegende
| Philipp Seidel
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Die Geisterjägerinnen: Abby (Melissa McCarthy), Erin (Kristen Wiig), Holtzmann (Kate McKinnon) und Patty (Leslie Jones). Auch der grüne Geist Slimer ist wieder dabei – wie in allen drei Filmen. Foto: Sony Pictures/dpa
dpa Die Geisterjägerinnen: Abby (Melissa McCarthy), Erin (Kristen Wiig), Holtzmann (Kate McKinnon) und Patty (Leslie Jones). Auch der grüne Geist Slimer ist wieder dabei – wie in allen drei Filmen. Foto: Sony Pictures/dpa

Wie heikel es ist, nach Jahrzehnten an einen Kinomythos anknüpfen zu wollen, hat schon „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ aus dem Jahr 1999 gezeigt: Ja, die Technik erlaubte mehr visuelle Spielereien als in den 1980ern. Ja, auch die Lautsprecher gaben inzwischen mehr her. Ja, die Marke war etabliert, damit kann, muss man spielen. Ein guter Film ist dabei dennoch nicht herausgekommen, eher ein kitschig-marktgerechtes Plastikprodukt. Bei der „Stirb langsam“-Reihe mit Bruce Willis sind die Fortsetzungen immerhin halbwegs würdig gelungen.

Man kann scheitern, wenn man den Geist der frühen Jahre verrät. Regisseur Paul Feig (der zusammen mit Katie Dippold auch das Drehbuch geschrieben hat) hat also einen Ghostbusters-Film gedreht. Leider ist dessen einzige originelle Idee, dass diesmal vier Frauen die Hauptrollen spielen. Das ist in Ordnung, denn es hat sich ja auch gesellschaftlich etwas verändert. Außerdem ist Darsteller und Drehbuchschreiber Harold Ramis 2014 gestorben, die alte Mannschaft hätte also ohnehin nicht mehr zusammenkommen können. Und, nein: Männer sind nicht automatisch besser für solche Rollen geeignet. Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones spielen also diese vier Geisterjägerinnen. Ob sie wirklich zu den lustigsten Schauspielerinnen der Gegenwart zählen, wie es die Produktionsnotizen behaupten, sei dahingestellt, erprobt sind sie jedenfalls.

Eine politische Aussage, feministische Ideen? Nix!

McCarthy spielt Abby, Expertin für paranormale Phänomene, Wiig ist die Wissenschaftlerin Erin, McKinnon die Bastlerin Holtzmann. Zu den drei Damen vom Thrill stößt noch Leslie Jones als Bahnangestellte Patty – und wie schon bei früheren Teilen fragt man sich, warum die schwarze Vierte im Bunde nicht von Anfang an dabei sein darf. Aber dann muss eben auch noch eine Geschichte erzählt, vielleicht gar eine Botschaft transportiert werden. Und hier fällt den beiden Drehbuchautoren nichts wirklich Neues oder Erzählenswertes ein. Nun ja: Am Ende bekämpfen die Jägerinnen nun also besonders viele Geister mit besonders viel Energiestrahlen. Eine politische Aussage, feministische Ideen? Nix!

Dieses Schneller-schriller-lauter reicht aber nicht. So ein Film braucht auch den Raum, Charme zu entfalten. Er braucht – völlig unkitschig, natürlich – Herz!

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Manche Szene ist komischer, wenn auch mal jemand die Klappe hält und nur blöd schaut (Bill Murray ist da als Dr. Peter Venkman nicht zu übertreffen). Charme und Herz aber fehlen diesem Geisterjägerinnen-Film völlig. Seien wir ehrlich: Auch bei den 80er-Jahre-Filmen war die Handlung eher zweitrangig. Herz kann ohne Handlung funktionieren – keine Handlung ohne Herz kann nicht funktionieren.

Dabei gibt es durchaus Anknüpfungspunkte an die frühen Filme. Die alte Zentrale der Männer-Geisterjäger kommt vor, aber als Frauen-Firmensitz nicht in Frage: zu teuer. Mit dem berühmten Ghostbusters-Logo – dem rot-weißen Geister-verboten-Schild – wird etwas Graffiti-Spaß gemacht. Der grüne Geist Slimer ist wieder dabei, wie schon in den beiden Vorgängerfilmen. Und die Helden von früher kommen in Cameo-Rollen vor: Bill Murray, Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, sogar der 2014 gestorbene Harold Ramis. Der Lustigste der Neuen ist vielleicht Chris Hemsworth als männliche Blondine Kevin am Empfang der Geisterjägerinnen-Bude, die jetzt über einem Asia-Restaurant in Chinatown liegt.

Die Freiheitsstatue als ausgelutschtes Symbol für Amerika

Gegen den Film und seine Darstellerinnen haben sich in den sozialen Netzwerken sexistische und rassistische Hasstiraden entladen. Die sind natürlich völlig unerträglich, das ist eine der bösen Krankheiten unserer Zeit. Und hierzu hat gerade „Ghostbusters II“ aus dem Jahr 1989 die Botschaft, die man beim aktuellen Film vermisst: New York wird von einem bösartigen Schleim bedroht, in dem sich auch die Kaltherzigkeit der New Yorker spiegelt, die „Dir eher ins Gesicht treten, als Dich anzusehen“. Die Versuche der Geisterjäger, den Schleim mit ihren Protonenpacks zu vertreiben, schlagen fehl. Da kommt die Erkenntnis: „Wir brauchen etwas, womit sich jeder identifizieren kann, wir brauchen – ein Symbol. Etwas, das an das Beste in jedem von uns appelliert“. Kurz darauf – umgekehrte Schleimkraft und Soul-Musik machen es möglich – lassen die vier Geisterjäger die Freiheitsstatue, Symbol aller amerikanischen Träume, durch die Straßen von New York wanken. Und geben den vermeintlich verrohten Bewohnern dieses „ausgelutschten Hamburgers“ von Stadt wieder etwas, das sie eint, eine Idee, hinter der sich alle Menschen, egal welcher Herkunft, versammeln können. Eine Komödie mit Botschaft ? Das war „Ghostbusters II“ !

Paul Feigs neuer „Ghostbusters“-Film ist auch eine Komödie. Mehr aber kam leider nicht dabei heraus. Da hat die Marke Ghostbusters vor Jahrzehnten zu hohe Maßstäbe gesetzt.


R: Paul Feig (USA 2016, 116 Min.) Kinos: Cinema, CinemaxX, Gabriel, Gloria, Leopold, Mathäser, Münchner Freiheit, Museum-Lichtspiele, Royal

 

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