Fünfter Teil des Horrorfilms "Scream" trifft den Zeitgeist

In den Kinos läuft nun der fünfte Teil der Horror-Reihe "Scream". Mit viel Witz und Raffinesse trifft der Horrorfilm den Zeitgeist und baut Brücken zu den vergangenen Filmen.
| Florian Koch
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Die Ghostface-Maske in "Scream."
Die Ghostface-Maske in "Scream." © Paramount Pictures

München - Vor 25 Jahren lag der Horrorfilm am Boden, war zur dümmlichen Videothekenware degeneriert - bis der mittlerweile verstorbene Wes Craven mit "Scream" zuschlug. Sein Erfolgsrezept: Die Klischees des Genres zum Thema machen und sie dann konsequent unterlaufen. 

Horrorfilme sind wieder im Trend 

Heute ist das augenzwinkernde Spiel mit dem Wissen der Zuschauer längst nicht mehr der letzte Schrei, man denke nur an "Deadpool" oder den letzten "Matrix"-Film. Umso erstaunlicher, dass der fünfte Teil der "Scream"-Reihe dann doch weit mehr ist als ein Nostalgie-Trip für Horror-Fans.

Horror-Quiz zum Einstieg

Bereits der Prolog verbeugt sich clever vor dem legendären Einstieg des Originals: mit einem Telefonanruf des Killers mit der von Edvard Munch inspirierten Ghostface-Maske. Wieder will der Mörder ein tödliches Horror-Quiz mit einem verängstigten Teenie spielen. Doch Tara (Jenna Ortega) hat darauf keine Lust.

Horrorfilm "Scream" im Wandel der Zeit 

Sie wäre mehr an elaborierten Horrorfilmen wie "The Babadook" und nicht an billigen Slashern wie "Stab", dem fiktiven Film-im-Film von "Scream", interessiert. Darüber hinaus fühlt sie sich mit ihrem Smartphone und einer automatischen Türverriegelung relativ sicher. Diese Überheblichkeit eines potentiellen Opfers hat es in Cravens Original nicht gegeben. Die naiven, hormongesteuerten Nerds der 90er haben aber auch nichts mehr mit den aufgeklärt-abgebrühten, um Lässigkeit und Respekt bemühten Teenies von heute zu tun. Das zeigen die jungen Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett stringent in allen Charakteren. Und so macht sich ihr Film auch über den zeitgeistigen intellektuellen Horror lustig, wenn er psychologisierend von einem tiefsitzenden Trauma der beiden Hauptfiguren berichtet.

Inhaltliche Verknüpfung zu alten "Scream"-Teilen 

Denn Tara, die den Angriff des Ghostface-Killers knapp überlebt, hat noch eine entfremdete ältere Schwester, Sam (Melissa Barrera). Und die bekennt am Krankenbett auch noch, dass sie in Wirklichkeit die illegitime Tochter von Billy Loomis (Skeet Ulrich), dem Mörder aus Wes Cravens "Scream", ist. 

Inspiriert von Hitchcocks Klassikern des Horrorfilms 

Nicht nur in dieser bewusst absurd konstruierten Konfliktsituation wimmelt es von Anspielungen, selbst die brutal inszenierten Morde sind inspiriert von Klassikern, wie die Duschszene aus Hitchcocks "Psycho". Und es gibt auch ein Wiedersehen mit den Überlebenden der Reihe, wie die Scream Queen Sidney (Neve Campbell), der Reporterin Gale (Courteney Cox) oder dem sympathisch-schusseligen Detektiv Dewey (David Arquette).

Aktueller Bezug auf Eskalation in Fanszenen

Was diesen neuen Teil aber zu mehr macht als eine amüsant-zitierfreudige Hommage an den alten "Scream" und das Horrorfilm-Genre, ist das Motiv des Mörders. Denn hier nehmen die Macher Bezug auf eines der drängendsten Probleme des Blockbuster-Kinos: die toxische Fanszene. In Internetforen steigt täglich der Druck auf Filmemacher und Produzenten, werden Figuren und Handlungsstränge quasi per Volksentscheid eingefordert. Oft, wie im Fall von Kelly Marie Tran, die für ihre Rolle in der Star-Wars-Saga "Die letzten Jedi" online brutal gemobbt wurde, schlägt die Fan-Beteiligung in Hass um.

Und genau diese Androhung von Gewalt ist es auch, die im neuen "Scream" blutige Realität wird. Und das macht diesen Film auch zu einem beeindruckend hintergründigen Aufschrei gegen eine immer lauter werdende aggressive Fan(un)kultur im Netz macht.


Kino: CinemaxX, Gloria, Mathäser sowie Museum Lichtspiele, Cinema (OV); R: M. Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett (USA, 114 Min.)

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