Filmkritik: Paris kann warten - Romantischer Road-Movie von Eleanor Coppolas

Die Kunst, sich in Schönheit zu befreien: Eleanor Coppolas "Paris kann warten".
| Margret Köhler
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Diane Lane lernt, das Leben zu genießen.
Tobis Diane Lane lernt, das Leben zu genießen.

Wenn eine fünffache Großmutter und 80-Jährige ihren ersten Spielfilm dreht, dann traut sie sich was. Auch wenn sie Eleanor Coppola heißt, schon ein Dutzend Dokumentarfilme realisiert und sich als Autorin und Installationskünstlerin einen Namen gemacht hat. Und: Sie ist die Frau von Francis Ford Coppola.
Die Idee zu diesem romantischen Road-Movie kam ihr 2009, als sie nach dem Filmfestival in Cannes ihren Mann nicht auf eine Reise nach Osteuropa begleiten konnte, sondern mit einem befreundeten französischen Geschäftspartner nach Paris zurückfuhr.
Der eigentlich siebenstündige Trip dauerte zwei Tage, weil das altersschwache Auto den Geist aufgab. Im Film erlebt Anne Lockwood, die Frau eines erfolgreichen Hollywoodproduzenten (Alec Baldwin) ein idyllisch-verwunschenes Frankreich an der Seite eines Charmeurs, der ihr mit Esprit unaufdringlich den Hof macht, ohne ihr zu nahe zu kommen, sich aber auch ständig ihre Kreditkarte leiht.

Diane Lane bezaubert als schöne Amerikanerin zwischen Pragmatismus und Entschleunigung

Die beiden ziehen von einem schicken Restaurant zum nächsten oder lassen beim Picknick die Korken knallen, besuchen ein Filmmuseum, bewundern einen römischen Aquädukt oder eine Kathedrale, bestaunen sonnendurchflutete Lavendelfelder. Alles in ungewohnter Intimität, aber ohne Sexualität. Der Weg ist das Ziel. Anne freut sich über die Aufmerksamkeit ihres "Kavaliers" der alten Schule, der ihre Fotoarbeiten und Kreativität ernst nimmt und sie schon mal mit der Frage "Sind Sie glücklich?" verwirrt.
Ihre Antwort, "Wir führen eine gute Ehe", lässt Einsamkeit ahnen als Schmuckstück an der Seite eines gleichgültigen Gatten.
Coppola, die auch das Drehbuch schrieb, lässt in der flirrenden Hitze die erotische Fantasie spielen. Diane Lane bezaubert als schöne Amerikanerin zwischen Pragmatismus und Entschleunigung, wenn sie langsam Geschmack am Laissez-faire findet. Sie lernt, den Moment zu genießen.

Im Verlauf der Reise erkennt sie fast beiläufig, dass ihr Glück von keinem Mann abhängt, sie selbst Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft übernehmen muss.
Ein leichtfüßiger Sommerfilm, der zum Innehalten anregt und Lust macht auf einen "petit rouge" bei Sonnenuntergang. Es geschieht nichts Dramatisches, eine leise Flüchtigkeit liegt über der sanften Romanze, die einfach unterhalten will. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In seiner Attraktivität unschlagbar: das fast paradiesische Frankreich.


Kino: Atelier und Museum (OV) Regie: Eleanor Coppola (USA, 93 Min)

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