Filmisch gut, aber richtig gut, um zu lachen: „Extrawurst“
Manchmal braucht die Gesellschaft die Komödie, um Verbissenheit zu überwinden, neben sich zu treten und zu lachen. „Willkommen bei den Hartmanns“ war 2016 so ein Befreiungserfolg nach dem verpuffenden „Wir schaffen das“ von Frau Merkel. Und „Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller kann dies jetzt wieder, was die „Political Corectness“-Irrungen und Wirrungen anbelangt und die Frage - wann ist ein „Ausländer“ eigentlich unverdächtig voll integriert? Schon wenn er für den Provinz-Tennisverein Pokale einspielt oder erst wenn er Schweinswürstel mitisst?

Der Film basiert auf einem Theaterstück von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die auch das Drehbuch für Marcus H. Rosenmüller geschrieben haben und sonst auch „Stromberg“- oder „heute-show“-Autoren sind. Dass „Extrawurst“ gut funktioniert, liegt an zwei, sich eigentlich widersprechenden Erfolgskomödien-Prinzipien. Erstens: Man muss sich auf die Klischees verlassen können. So gibt es den jovialen Vereinsvorsitzenden (Hape Kerkeling), der den Laden als „alter, weißer, Mann“ patriarchalisch zusammenhält und seinen gedemütigten Stellvertreter, ein Muttersöhnchen mit verkappt rechtskonservativer Einstellung (Friedrich Mücke).
Dazu kommt der gut integrierte, nette Türke mit deutschem Pass (Fahri Yardim). Der wird plötzlich ungewollt zum Problemkatalysator, weil sich eine aus Berlin zugezogene, woke Frau (Anja Knauer) ungebeten als politisch korrekte Anwältin für seine kulturellen Interessen aufspielt. Ihr untergebutterter, links-liberaler Ehemann (Christoph Maria Herbst) stellt sich anfangs natürlich auf ihre Seite.
Das Feld ist abgesteckt - und alles wäre vielleicht amüsant, aber bald langweilig, wenn nicht ein weiterer Komödientrick konsequent angewandt wäre. Zweitens: In einer kontrollierten, absehbaren Eskalation werden alle aus der Reserve gelockt, um dabei ein radikalisiertes, manchmal anderes wahres Ich zu offenbaren.

Dadurch entsteht ein Irritationsmoment. Denn egal, ob man es eher mit dem modernen Zeitgeist oder sich selbst für liberal hält oder aber Sympathie mit den eher Konservativen hegt, man wird entlarvt - und lacht: bestenfalls auch über die eigene Selbstsicherheit im gesellschaftlichen Diskurs.
Das alles ist aufgehängt ist an einer Tennisclub-Jahreshauptversammlung - der Film wird das Vereinsgelände nie verlassen - sowie dem Tagesordnungspunkt: „Sonstiges“. Den Funken schlägt die Anschaffung eines neuen Grills für die Sommerfeier, weil die woke Zicke, die Frage eines schweinefleischlosen „Zweitgrills für Muslime“ (genauer gesagt einem, der die „Extrawurst“ auch gar nicht will) auf der Tagesordnung hält. Ihre Penetranz legt dann in komödiantischer Verdichtungskunst unser ganzes gesellschaftliches Unbehagen in komplett wechselnden Fronten und Allianzen offen. Bei alledem ist der Film manchmal etwas zu wenig subtil.

Aber wer thront - wenn auch zeitweise am Rande des Nervenzusammenbruchs und Herzinfarktes darüber? Heribert Bräsemann, den Hape Kerkeling so fulminant spielt als alten Hasen, der mit seinem bisherigen Übertünchen aller Konflikte am Ende ist - oder doch nicht?
Kino: Astor im Arri und im Bayerichen Hof, Cadillac, Cincinnati City, Gloria, Solln, Leopold, Rex, Mathäser
R: Marcus H. Rosenmüller (D, 100 Min.)
- Themen:
- Christoph Maria Herbst
- Hape Kerkeling




