Favorit auf Goldene Palme? 16 Minuten Applaus für "The Black Ball"

Mit tränenerstickter Stimme dankten Los Javis dem Cannes-Publikum - und sandten dabei eine politische Botschaft. Ihr Film "The Black Ball" über 85 Jahre Spaniens queere Geschichte wurde mit 16 Minuten Applaus gefeiert.
(stk/spot) |
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Ein Küsschen für Penélope Cruz von den beiden "The Black Ball"-Regisseuren.
Ein Küsschen für Penélope Cruz von den beiden "The Black Ball"-Regisseuren. © imago/ABACAPRESS / Reynaud Julien/APS-Medias/ABACA

Sechzehn Minuten. So lange blieb das Publikum im Grand Théâtre Lumière auf den Beinen und applaudierte, nachdem "La Bola Negra" ("The Black Ball") seine Weltpremiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes gefeiert hatte. Das spanische Regisseur-Duo Javier Ambrossi (41) und Javier Calvo (35) - bekannt als Los Javis - stand sichtlich bewegt auf der Bühne, während der Applaus nicht abreißen wollte. Es war der erste Cannes-Wettbewerbsbeitrag ihrer Karriere.

In ihrer emotionalen Dankesrede sprachen Los Javis laut "Variety" offen über das, was ihr Film verhandelt: die Unterdrückung von LGBTQ-Menschen und den Preis, den vergangene Generationen dafür zahlen mussten. "Vor neunzig Jahren wurde Federico García Lorca vom Faschismus ermordet, weil er schwul war", sagte das Duo laut übereinstimmenden Berichten ins Mikrofon. "An alle, die glauben, wir würden bei unseren LGBT-Rechten einen Rückzieher machen: schlechte Nachrichten. Wir sind hier, und wir bleiben."

Ein Epos über drei Generationen

"The Black Ball" basiert auf einem unvollendeten Fragment des spanischen Dichters und Dramatikers Federico García Lorca und spannt seinen Bogen über 85 Jahre spanischer Geschichte. In drei miteinander verwobenen Erzählsträngen - angesiedelt in den Jahren 1932, 1937 und 2017 - folgt der Film drei schwulen Männern, deren Schicksale über die Jahrzehnte hinweg verbunden bleiben. Im Zentrum steht dabei die Frage, was eine Generation der nächsten hinterlässt: Begehren, Verlust, Würde oder Trauma.

Der Titel verweist auf eine historische Praxis sozialer Ausgrenzung: Eine schwarze Kugel, in eine Abstimmungsurne geworfen, genügte, um einem jungen schwulen Mann den Eintritt in einen Club in Granada zu verwehren - eine Geste der Verachtung, die im kollektiven Gedächtnis haften blieb.

Starkes Ensemble, überraschende Debüts

Für die Besetzung haben Los Javis tief in den Stapel internationaler wie spanischer Talente gegriffen. Glenn Close übernimmt eine tragende Nebenrolle, Penélope Cruz ist in einem längeren Cameo zu sehen. Neben ihnen stehen Miguel Bernardeau, Carlos González, Milo Quifes und Lola Dueñas vor der Kamera. Besonders auffällig: Guitarricadelafuente, der in Spanien gefeierten Liedermacher, gibt in dem Film sein Schauspieldebüt.

Los Javis sind in der Serienwelt längst eine feste Größe. Mit "Veneno", der Geschichte der Transgender-Aktivistin La Veneno, und "La Mesías" haben sie sich eine leidenschaftliche internationale Fangemeinde aufgebaut. Dass ihr Leinwandprojekt nun mit einem Wettbewerbsplatz in Cannes und einer sechzehnminütigen Ovation belohnt wird, dürfte die Erwartungen an ihr weiteres Schaffen noch einmal deutlich erhöhen - ebenso wie die Chancen, am finalen Tag der Filmfestspiele von Cannes am 23. Mai die Goldene Palme zu erhalten.

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