Ein umstrittener Meister: Woody Allen feiert seinen 90. Geburtstag

Er gilt als einer der besten Filmemacher der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist der wohl profilierteste Drehbuchautor, den die USA in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht haben. Seine unbeholfene Leinwandpersönlichkeit wird oftmals mit ihm selbst verwechselt - definitiv ein Trugschluss. Im Zuge der #MeToo-Bewegung wurde der Komiker, Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Woody Allen (90) zu einem der umstrittensten unter den noch aktiven Filmemachern. Seine große Hollywood-Karriere ist mittlerweile effektiv vorbei. Am heutigen 30. November wird er 90 Jahre alt.
Bewegende Worte über verstorbene Diane Keaton
Erst vor einigen Wochen geriet auch Woody Allen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn Diane Keaton (1946-2025), seine frühere Partnerin im echten Leben und auf der Leinwand, war im Alter von 79 Jahren gestorben.
Woody Allen reagierte mit einem ergreifenden Essay auf den tragischen Todesfall. "Wie niemand sonst, den diese Welt je gesehen hat oder wahrscheinlich jemals wieder sehen wird, erhellten ihr Gesicht und ihr Lachen jeden Raum, den sie betrat", schrieb er in einem emotionalen Text, der von "The Free Press" veröffentlicht wurde, und verriet noch mit Blick auf das Privatleben der beiden Stars und die zurückliegende Beziehung: "Wir hatten ein paar großartige gemeinsame Jahre und schließlich gingen wir beide getrennte Wege. Warum wir uns trennten, können wohl nur Gott und Freud herausfinden."
Unvergessene Meisterwerke aus fünf Jahrzehnten
Schreiben, das ist bei allen Kontroversen, die ihn umgeben, zweifellos klar, kann und konnte Woody Allen Zeit seines Lebens. Schon mit Anfang 20 erdachte der geborene New Yorker Witze für andere Komiker und trat selbst als Stand-Up-Comedian auf. Sagenhafte drei Academy Awards für das Beste Originaldrehbuch (für "Der Stadtneurotiker", "Hannah und ihre Schwestern" und "Midnight in Paris") konnte er im Lauf seiner langen Karriere gewinnen, war ganze 16 Male in dieser Oscar-Kategorie nominiert, und damit so oft wie bislang kein anderer Filmschaffender.
Allens Karriere brachte zahlreiche Höhepunkte hervor. Von den absurden Komödien der frühen 1970er Jahre wie "Der Schläfer" über die ernsteren Filme vom Ende jener Dekade wie "Annie Hall" (deutscher Titel: "Der Stadtneurotiker") und "Manhattan" bis hin zu Allens Renaissance ab dem Jahr 2005 mit Werken wie "Match Point", "Vicky Cristina Barcelona" oder "Midnight in Paris", in denen Stars unserer Gegenwart wie Scarlett Johansson (41) die Hauptrollen spielen.
Wohl zahlreiche Cinephile haben einen oder mehrere Lieblingsfilme des großen Regisseurs, etwa die grandiose Komödie "Bullets Over Broadway" aus dem Jahr 1994, in der sich ein von Chazz Palminteri (73) gespielter Gangster als der viel talentiertere Broadway-Autor herausstellt als der von John Cusack (59) verkörperte, eigentliche Autor eines geplanten Theaterstücks.
Private Skandale und Heirat mit Adoptivtochter
Doch neben allen filmische Glanzleistungen Allens bleibt sein Leben und Werk auch überschattet von schweren Missbrauchsvorwürfen, die seine langjährige Partnerin Mia Farrow (80) zu Beginn der 1990er Jahre gegen ihn erhob.
Sie beschuldigte Allen, sich an der gemeinsamen Adoptivtochter Dylan Farrow (40) vergangen zu haben, als diese sieben Jahre alt war. Er dementiert das bis heute. Zu einer Anklage kam es nie, doch seine Reputation haben die Vorwürfe nachhaltig beschädigt. Im Zuge der #MeToo-Bewegung rückten sie zudem erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.
Daneben hatte Farrow im selben Zeitraum auf Allens Schreibtisch Nacktfotos ihrer Adoptivtochter Soon-Yi Previn (55) gefunden, die auf ein intimes Verhältnis des Regisseurs mit der damals 21-Jährigen hindeuteten. Previn und Allen heirateten später und sind bis heute ein Paar.
Seit seinem Durchbruch zu Beginn der 1970er Jahre wurde Allen von vielen auch oftmals mit der von ihm dargestellten Figur verwechselt, dem Alvy Singer aus "Annie Hall" und ähnlichen Charakteren. Doch diese gebildeten, witzigen, neurotischen, schwächlichen und von Phobien geplagten Pessimisten entsprechen wohl nur teilweise dem realen Woody Allen.
"He's got balls to the floor" - auf Deutsch: "Seine Eier reichen bis auf den Boden" - sagte die verstorbene Diane Keaton einmal über Allen, den umstrittenen Meister der smarten, philosophisch-existentiellen Komödie.