"Ein Münchner im Himmel": Märchen übers Weiterleben nach einem Tod

David Dietl wagt sich an Ludwig Thomas Klassiker und verwandelt ihn in ein Großstadtmärchen. Maximilian Brückner überzeugt als Münchner Taugenichts im Jenseits - und die junge Momo Beier stiehlt ihm fast die Show.
von  (ili/spot)
"Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" mit Maximilian Brückner in der Titelrolle.
"Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" mit Maximilian Brückner in der Titelrolle. © LEONINE Studios

Mit "Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" (Kinostart: 14. Mai) wagt sich Regisseur David Dietl (46) an einen Stoff, der in Bayern beinahe sakrosankt ist. Die berühmte Satire "Der Münchner im Himmel" (1911) von Ludwig Thoma (1867-1921, "Lausbubengeschichten") gehört zum kulturellen Grundinventar des Freistaats. Doch Dietl versucht gar nicht erst, den Klassiker eins zu eins zu modernisieren. Stattdessen macht er daraus ein Großstadtmärchen über Schuld, Versöhnung und zweite Chancen - mit einem beeindruckenden Cast.

Diesen Taxler will der Himmel nicht

Im Mittelpunkt steht Wiggerl (Maximilian Brückner, 47), ein Münchner Lebenskünstler, Taugenichts und gescheiterter Musiker, der sich als Taxifahrer verdingt. Nach einem Autounfall landet er im Himmel - der sich als denkbar unbayerischer Ort entpuppt: Yoga statt Wirtshaus, Soja-Manna statt Bier und ein göttlicher Verwaltungsapparat, der eher an moderne Selbstoptimierung erinnert als an himmlische Erlösung. Weil Wiggerl dort maximal unangenehm auffällt, wird er als Geist zurück auf die Erde geschickt, um sein Karma aufzubessern. Das Problem: Erstmal kann nur seine Tochter Toni (Momo Beier) ihn sehen - die hat aber guten Grund, ihren Vater zu ignorieren.

Der Film lebt dabei weniger von seiner Fantasy-Idee als von der emotionalen Dynamik zwischen Vater und Tochter. Dietl inszeniert die Geschichte als Komödie, verliert aber die Traurigkeit nicht aus dem Blick, die unter der Oberfläche liegt. Genau darin liegt die Stärke des Films. "Gute Komödie funktioniert eigentlich nur über Drama", sagt Brückner im Interview mit spot on news - und tatsächlich entfaltet "Ein Münchner im Himmel" seine besten Momente, wenn das Lachen kippt und echter Verletzlichkeit weicht.

Barfuß in Lederhose

Wiggerl ist kein sympathischer Held, sondern ein Mann, der sich jahrzehntelang vor Verantwortung gedrückt hat. Trotzdem gelingt es dem Schauspieler, der Figur Charme zu verleihen. Dass er große Teile des Films barfuß und in Lederhose durch ein kaltes München laufen musste, war nicht immer angenehm: "Ich weiß noch, am ersten Drehtag im September gab es plötzlich einen Temperatursturz, es hat geregnet - und ich musste trotzdem immer Sommer spielen", erinnert er sich. "Saukalt, sehr, sehr kalt", sei es in diesem "sehr extremen Kostüm" als unsichtbarer Geist gewesen.

Stark spielt auch die junge Momo Beier (19). Ihre Toni spricht kein Bairisch, ist sehr ernst und grenzt sich bewusst vom unzuverlässigen Vater ab. Sie repräsentiert ein modernes München, das mit Traditionen zwar aufgewachsen ist, sich aber nicht mehr darüber definiert. Hannah Herzsprung (44) spielt Ex-Frau Kathi angenehm unaufgeregt. Für Highlight-Szenen sorgen Michaela May (74) als esoterische Oma Rosi und Heiner Lauterbach (73) als Opa Carl.

Postkartenidylle trifft auf Bahnhofsviertel

Visuell bleibt "Ein Münchner im Himmel" bodenständig. Die Geistereffekte sind zurückhaltend eingesetzt, der Himmel - gedreht im Kunsthistorischen Museum Wien - wirkt eher absurd als kitschig verklärt, vor allem auch dank der dortigen Figuren angeführt von Ina Müller (60) als Gott.

Und auch das München in Dietls Film ist nicht nur Postkartenidylle mit Zwiebeltürmen und Biergärten, sondern Bahnhofsviertel mit schäbigen Ecken, überforderten Figuren und Einsamkeit.

Verlust, Familie und Versöhnung

Nicht jede Pointe gerät treffsicher. Manche Nebenfiguren wirken eher wie Kabarettsketche, und einige Gags über Bayern, Esoterik oder das Jenseits sind vorhersehbar. Doch selbst in schwächeren Momenten bleibt der Film sympathisch. Und wer im Publikum bereits eigene Erfahrungen mit Verlust, dramatischen Familienkonflikten und Versöhnung gesammelt hat, wird um ein paar Tränchen nicht herumkommen.

"Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" ist vielleicht genau das, was sein Titel verspricht: ein Märchen über das Weiterleben nach einem großen Abschied.

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