Kritik

"Ein fast perfekter Antrag“ mit Iris Berben und Heiner Lauterbach ist ein fast perfekter Film

Nochmal zur Sache, Schätzchen: Warum die romantische Komödie von Marc Rothemund was für die Generation Z und "Very Best Ager“ ist, sogar Boomer können lachen.
Adrian Prechtel
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Heiner Lauterbach muss als Seniorenstudent aus seiner Altherren-Komfortzone, um Iris Berben als Kunstgeschichtsprofessorin zu imponieren. Schließlich ist sie nicht begeistert, dass er nach 40 Jahren plötzlich wieder aufgetaucht ist.
Heiner Lauterbach muss als Seniorenstudent aus seiner Altherren-Komfortzone, um Iris Berben als Kunstgeschichtsprofessorin zu imponieren. Schließlich ist sie nicht begeistert, dass er nach 40 Jahren plötzlich wieder aufgetaucht ist. © Leonine

Bei Komödien gilt oft: Man muss sich auf die Figuren verlassen können. Walter Adler, Pensionist, ist so ein Typ: alleinstehend, pedantisch, ohne Sozialkontrolle. Daher haben sich ein paar Schrullen verfestigt wie die Liebe zur Ordnung – und eine gewisse Selbstgerechtigkeit.

Und dennoch kann er – gerade durch unseren amüsierten Außenblick – auch Dinge benennen, die wirklich nerven: dass man grundsätzlich schon fast überall geduzt wird ("Sie dürfen mich gerne siezen“, sagt er als Replik zur Bedienung). Dass bei uns zu vieles auf Englisch läuft und dabei oft noch falsch, dass Call-Center die Pest sind und Wokeness oft absurd. Und Heiner Lauterbach schafft, dass wir diesen "alten weißen Mann“ – mit sanfter Ironie – doch ins Herz schließen.

Iris Berben spielt die Gegenfigur: Kunstgeschichtsprofessorin und durch studentischen Dauerkontakt – bei aller gewissen Noblesse – immer noch am Puls der Zeit, außerdem 68er-sozialisiert und ungebunden. Letztlich ist diese Alice Olsen Iris Berben selbst, auch wenn Drehbuchautor Richard Kropf die Rolle nicht direkt für sie geschrieben hat.

Heiner Lauterbach und Iris Berben bei der Premiere ihres neuen Films in Regensburg im Kino Regina
Heiner Lauterbach und Iris Berben bei der Premiere ihres neuen Films in Regensburg im Kino Regina © picture alliance/dpa

Weil wir in einer romantischen Komödie sind, ist klar, wozu das zufällige Zusammentreffen führen wird, nachdem vor Jahrzehnten ein "Antrag“ in Studententagen an verschiedenen Lebensentwürfen und Charakteren scheiterte.

Das wunderschön in Szene gesetzte Regensburg ist dann die von der bayerischen Filmförderung geforderte Kulisse für den Sieg der Liebe. Wien ist die Kunststadt, in der etwas Katalysatorisches passiert, weil sich Adler als Seniorenstudent an der Exkursion von Professorin Olsen beteiligt.

Loriot hätte seine Freude

Seine Stärken bezieht der Film aus der Schauspielkunst von Berben und Lauterbach, die den Loriot-haften Witz des Drehbuchs sehr natürlich ausspielen können. Und so glauben wir sogar, dass Gegensätze sich anziehen können, wo zu sich auch beide ausziehen.

Ein konstruierter Liebesbrief mit kunsthistorischer Anspielung: Iris Berben als amüsierte Professorin.
Ein konstruierter Liebesbrief mit kunsthistorischer Anspielung: Iris Berben als amüsierte Professorin. © Leonine

Überhaupt riskiert Regisseur Marc Rothemund durchaus Erotik, ohne dass es je peinlich wird. Kunstgeschichte und besuchte Museumsbilder geben hier auch wunderbaren Zündstoff und Reibungsfläche zwischen Alt-Macho und Alt-Feministin: viel Nacktheit ab der Renaissance, Po-Fixiertheit einiger Maler und die Frage, wie Frauen dargestellt werden?

Typen-Klassiker ohne Risiko

Angereichert ist der Film – neben Kunstgeschichte – noch mit Typen-Klassikern wie Hundeliebe aus Menschenfeindschaft, abwesenden Kindern (mit Auslandskarriere), der Konfrontation des Konservativen mit Transpersonen. Alkohol bleibt Schmierstoff für Erinnerungen an die Rock’n’roll-Jugendzeit. Aber Marc Rothemund gelingt es, dass alles mühelos und nur etwas zu glatt vorzuführen.

Heiner Lauterbach ist Perfektionist und hält Unordnung nicht aus: Nach mürrischer Zurechtweisung der Nachbarkinder repariert er aber dann doch nettrweise ein Fahrrad.
Heiner Lauterbach ist Perfektionist und hält Unordnung nicht aus: Nach mürrischer Zurechtweisung der Nachbarkinder repariert er aber dann doch nettrweise ein Fahrrad. © Leonine

So kann sich "Ein fast perfekter Antrag“ durchaus selbstbewusst in den Lauf einreihen, den die deutsche Komödie gerade im Kino hat. Auch wenn Simon Verhoevens "Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ etwas gewagter und die "Extrawurst“ allseits schenkelklopfender ist. Aber "Ein fast perfekter Antrag“ ist die schöne Ausnahme einer gelungenen RomCom 65-plus, in der auch "Studierende“ der Generation Z etwas über das Leben von den "Very-Best-Agern“ (wie Lauterbach sich als Walter bezeichnet) lernen können. Und Boomer können hier in beide Richtungen lächeln.

R: Marc Rothemund (D, 100 Min.)

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