"Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen": Ein Leben in der Vergangenheit

Günther Maria Halmer glänzt im Film "Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen". Eine berührende Geschichte über einen demenzkranken Mann und seine Vergangenheit.
| Margret Köhler
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Günther Maria Halmer und Emilia Schüle.
Günther Maria Halmer und Emilia Schüle. © Verleih

"Vielleicht hat es die Natur ganz gut eingerichtet, dass die Eichhörnchen verhungern, wenn sie vergessen, wo sie ihre Vorräte vergraben haben" sinniert der einst mächtige Verleger Curt. Er leidet unter Demenz und hat vieles vergessen, manchmal sogar den Namen seiner Tochter Almut, die sich um ihn kümmert. Jetzt soll die 27-jährige Marija aus der Ukraine sie entlasten und den Vater rund um die Uhr in der Villa betreuen.

Demenzkranker Verleger hält Pflegerin für seine verstorbene Frau

Der studierten Germanistin bleibt nur der Pflegejob in Deutschland, um ihre Eltern und ihren Sohn in der Heimat zu unterstützen. Sie versucht, alles richtig zu machen, auch wenn Almut sie schikaniert. Als die sich nach einem Streit einige Tage nicht meldet, entspannt sich das Verhältnis zwischen der jungen Frau und dem alten Mann, der sie zeitweise für seine vor langer Zeit gestorbene Frau hält. Durch das plötzliche Auftauchen des Sohnes und sein erotisches Interesse für Marija, spitzt sich die Lage zu. Sie zieht die Konsequenzen, Schluss mit Demütigung und Ausbeutung.

Je mehr in der Gesellschaft über Demenz gesprochen wird, um so mehr drängt das Thema auf die Leinwand. In "Still Alice" spielte Julianne Moore eine an Alzheimer erkrankte Professorin und bekam dafür 2015 den Oscar, in Deutschland berührte "Honig im Kopf" mit Dieter Hallervorden, bald kommt "The Father" mit Anthony Hopkins als desorientierten 80-Jähriger ins Kino.

Regisseure erzählen eine berührende Geschichte, mal ernst, mal komisch

Nadine Heinze und Marc Dietschreit erzählen in ihrem Kinodebüt eine berührende Geschichte, mal ernst, mal komisch. Auch in den skurrilsten Situationen machen sie sich nicht lustig über den Senior, der sich in die 1970er Jahre zurückversetzt und ganz neue Lebensfreude entdeckt, sondern begegnen ihm mit Achtsamkeit. Man lacht nie über den zur Hochform auflaufenden Günther Maria Halmer, der dickköpfig und bezaubernd seine eigene Wahrheit lebt, sondern mit ihm. Dabei geht es beim Ritt über das familiär- emotionale Minenfeld nicht immer sanft zu. Wenn Erinnerungen, Fehler und Brüche in den Beziehungen an die Oberfläche gespült werden, sind die Verletzungen über Jahrzehnte zu spüren.

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Ohne Moralisierung oder Schuldzuweisung spielt die Tragikomödie gekonnt mit Klischees und wenn die grandiose Emilia Schüle in der Rolle der Ehefrau den Charmeur alter Schule im Cabrio zum feinen Gartenrestaurant fährt, wo er ihr völlig realitätsfern zum Hochzeitstag gratuliert, ganz Grandseigneur das imaginäre "Büffet" eröffnet und zur Live-Musik mit ihr tanzt, glaubt man sich für einen kurzen Augenblick in einem wunderbaren Märchen.

Astor Filmlounge im Arri, Donnerstag 22. Juli nach dem 17 Uhr-Film Gespräch mit Günther Maria Halmer

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