Die Marvel-Studios finden mit „Spider-Man: Brand New Day“ zu alter Form zurück
Wer willst du sein - Spider-Man oder Peter Parker? Die Antwort auf die schlichte Frage. Sie müsste „beides“ heißen, bauen die „Spider-Man“-Comics doch darauf auf, dass in Peter Parker (Tom Holland), diesem freundlichen Humanisten, Spinnenkräfte schlummern, die ihn bei Bedarf in einen Comic-Helden verwandeln. Der neue Film der Marvel-Studios, „Spider-Man: Brand New Day“, stellt diese simple Prämisse nun jedoch packend in Frage.

Um die Tragweite der Identitätskrise von Peter Parker alias Spider-Man zu begreifen, muss man zurückgehen, in das Jahr 2021, als „Spider-Man: No Way Home“ die Kinos stürmte. Um die Welt zu retten, hatte Peter Parker den Zauberer Dr. Strange darum gebeten, alle Erinnerungen an ihn zu löschen. Der Plan funktionierte. Peter aber muss fortan damit leben, dass niemand weiß, wer er eigentlich ist: weder sein bester Kumpel Ned (Jacob Batalon) noch seine große Liebe MJ (Zendaya).

Den Schmerz über den Verlust ist Peter auch vier Jahre später noch anzumerken. Wie andere in seiner Lage möchte er verdrängen, seine ganze Kraft in die Arbeit stecken. Und hier, als Superhelden-Workaholic, hat er weiterhin Erfolg, gehen ihm locker die Bösewichte ins Netz. Das Unterdrücken der Gefühle, die nagende Einsamkeit, sie macht sich jedoch bemerkbar, führt zu Kopfschmerzen, Aussetzern, auch schwer erklärbare Aggressionen. Überzeugend gelingt es Tom Holland diesen Kampf im Innern zu vermitteln. Etwas kryptisch wird der Film von Destin Daniel Cretton („Short Term 12“), als sich Parker beim Nuklearphysiker Dr. Banner alias Hulk (Mark Ruffalo) Hilfe holen will, um mit Transmittern seinen Hormonhaushalt zu manipulieren. Aber natürlich ist „Spider-Man: Brand New Day“ nicht nur als Selbstfindungs-Drama, sondern auch als Blockbuster für die Massen konzipiert. Der obligatorische Bösewicht, dessen wahre Identität man besser nicht spoilern sollte, hat hier ein zartes weibliches Gesicht (Sadie Sink aus „Stranger Things“). Die mächtige Telepathin agiert im Verborgenen, kann innerhalb von Sekunden Menschen mit ihren Gedanken manipulieren.

Im Kampf gegen diesen unsichtbaren Feind bekommt Spider-Man Hilfe von anderen Marvel-Helden, wie dem wüsten Waffenfetischisten Punisher (Jon Bernthal) oder der süffisanten Agentin Black Widow (Florence Pugh). Ihr augenzwinkerndes Zusammenspiel verleiht dem Film eine Leichtigkeit, die auch die wie so oft überzogenen Actionsequenzen aufwertet.
Am meisten bei sich ist das Spektakel-Kino aber in den ruhigen, bittersüßen Momenten. Gerade die fein ausbalancierten Szenen zwischen Peter und seiner entfremdeten MJ haben eine emotionale Wucht und Tiefe, die Comic-Verfilmungen oft abgeht.
Kino: Cinemaxx, Gloria, Mathäser, Monopol, Royal sowie Cinema, Museum (OV)
R: Destin Daniel Cretton
(USA, 145 Min.)
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