Die Kinokritik zum neuen Film Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Diese Art von Film könnte die Zukunft des Kinos sichern: "Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe".
| Martin Schwickert
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Ein bisschen wie "Eyes Wide Shut", nur sexy-biederer: Jamie Dornan und Dakota Johnson.
UPI Ein bisschen wie "Eyes Wide Shut", nur sexy-biederer: Jamie Dornan und Dakota Johnson.

Ob es sich bei E.L. James’ Romantrilogie "Fifty Shades of Grey" um Literatur handelt, wurde im Feuilleton bezweifelt. Aber bei 150 Millionen verkauften Exemplaren erledigen sich Qualitätskategorisierungen. Da setzt dann einfach die normative Kraft des Faktischen ein. Und Fakt ist, dass die überwiegend weibliche Leserschaft offensichtlich Spaß hatte mit den amourösen Verwicklungen zwischen der unschuldigen College-Studentin und dem hübschen Milliardär, der nichts von Romantik hält, aber hofft, seine neue Geliebte als Sklavin fürs sadomasochistische Liebesspiel zu gewinnen.

Ging es im ersten Teil der Verfilmung noch um rotwangiges Verliebtsein, kavaliersmäßiges Umgarnen, verspielte Vertragsverhandlungen um Sexualpraktiken, war am Ende Schluss mit lustig. "Halt! Stop!" waren Anas letzte Worte und die Aufzugtür ging zu.

Im Sequel stehen nun ernsthafte Neuverhandlungen an, in die Ana (Dakota Johnson) mit erstarktem Selbstbewusstsein geht. Freund Christian (Jamie Dornan) hingegen sieht mitgenommen aus. Er gewährt Ana endlich Zugang zu seiner traumatisierten Psyche: Die Mutter war cracksüchtig, starb, als er vier war, und erst nach drei Tagen fand die Polizei den Jungen neben der Toten. "Danke, dass du es mir erzählt hast", sagt Ana und streicht ihm über den Rücken.

Kondensierte Buchvorlage

Am Ende wird Christian Grey mit einem Verlobungsring devot vor der Angebeteten knien. Dafür lässt sich Ana im Prozess gegenseitiger Annäherung ein bisschen den Hintern versohlen oder auch einmal Beinspreize oder Handfesseln anlegen. Regisseur James Foley, der die 600 Buchseiten kräftig kondensiert und zu einem soliden, übersichtlichen Fanprodukt umgearbeitet hat, achtet mit fast schon buchhalterischer Penibilität auf das ausgewogene Verhältnis zwischen Sexszenen und Beziehungsgesprächen.

Die Erotikschnulze ist im Kino ja noch ein weitgehend unerforschtes Genregebiet. Die Mischung aus gediegener Pornografie, Jane Austen und einer (kleinen) Prise de Sade hat sicherlich Zukunftspotenzial, weil sie die sexualisierten Wahrnehmungsmuster der voyeuristischen Mediengesellschaft bedient und gleichzeitig für romantische Bedürfnisbefriedigung sorgt – da wird uns kein Safeword helfen können.


Kino: Cadillac, Cincinnati, Cinemaxx, Mathäser, Mnch. Freiheit, Royal und Cinema, Museum (OV)

R: James Foley (USA,99 Min.)

 

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