Diana Ilijne über das Programm des 34. Münchner Filmfests

Das 34. Filmfest München startet am 23. Juni. Seine Leiterin bringt mit ihrem Team die Welt in Kinobildern zu uns
| Adrian Prechtel
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Die 51-jährige Frankfurterin Diana Iljine studierte Kommunikationswissenschaft und ist seit 2011 Geschäftsführerin des Filmfests
Filmfest Die 51-jährige Frankfurterin Diana Iljine studierte Kommunikationswissenschaft und ist seit 2011 Geschäftsführerin des Filmfests

Das 34. Filmfest München startet am 23. Juni. Seine Leiterin bringt mit ihrem Team die Welt in Kinobildern zu uns

Rund 200 Filme sind ab dem 23. Juni im Programm des Filmfest München. Diana Iljine über die Ausrichtung und die Frage, wie man da Überblick behält.

AZ: Frau Iljine, seit fünf Jahren leiten Sie das Filmfest München. Was ist seitdem schwieriger geworden?

DIANA ILJINE: Es wird tendenziell schwieriger, amerikanische Major-Studios zu überzeugen, bei uns ihre US-Filme zu zeigen. Denn für Hollywood sind Festivals kein wichtiger Bestandteil ihrer Auswertungskette.

Was ist leichter geworden?

All die anderen Verleiher und Produzenten haben gemerkt, wie wichtig das Filmfest München geworden ist, um Filme zu präsentieren, aber eben auch zu verkaufen - und das in einer Zeit, in der Kinoerfolge immer schwerer zu erzielen und zu planen sind. Ich selbst habe mehr Routine und das Team ist besser eingespielt. Ich denke, dass es mir gelingt, meinen Leuten Flügel zu verleihen. Ich fürchte mich nicht vor starken Persönlichkeiten, die unsere Programmer alle sind, und kann da auch gut vermitteln. Und am Ende steht immer ein Festival, das eine Preziose ist in der deutschen Filmlandschaft.

Die Gesellschafter, vor allem Stadt und Freistaat, haben Ihnen ja seit zwei Jahren finanziell mehr Luft gegeben. Was hat sich geändert?

Wir können mehr Regisseure und Schauspieler einladen, so dass zu fast jedem Film auch Filmemacher da sind. Denn das ist ja das Entscheidende bei einem Filmfestival und besonders bei uns: die Begegnung!

Auf wen sind Sie da besonders stolz?

Uns ist wichtig, dass sich jeder hier willkommen fühlt, egal ob er schon ein Star ist oder ein eher noch unbekannter Filmemacher wie zum Beispiel Min Bahadur Bham aus Nepal mit seinem Film „The Black Hen“. Dieses Jahr freuen wir uns auf Sönke Wortmann, Asghar Farhadi oder Todd Solondz, Benno Fürmann, Fatemeh Motamedarya, um nur ein paar Namen zu nennen. Den CineMerit Award bekommt die Grande Dame Ellen Burstyn bei einer öffentlichen Gala am Montag, 27. Juni. Dort zeigen wir dann Scorseses wunderbaren „Alice lebt hier nicht mehr“ von 1974 mit ihr in der Hauptrolle.

Es gibt mittlerweile „an jeder Autobahnausfahrt ein Filmfestival“, wie Ihr Vorgänger ja mal süffisant anmerkte.

Das mag sein, doch das Filmfest München ist eben das große Sommerfestival des Films in Deutschland und damit für wichtige Filme die entscheidende Plattform.

Eine der großen Herausforderungen für den Zuschauer ist ja immer, das Richtige für sich aus einem Programm von 200 Filmen herauszufiltern.

Im Internet haben wir jeden Film „getagged“, wie es so schön heißt. Da kann man innerhalb von Minuten alles finden, worauf man Lust hat. Geordnet nach Ländern, Themen, Genre. Und wenn man ab heute das Festival-Magazin, das in der Stadt ausliegt, zur Hand nimmt: Auch da ist alles gut geordnet – und ich finde, allein darin zu schmökern, ist ein Abenteuer, das Lust auf Vieles macht.

Neugierde muss man aber mitbringen.

Ja, aber das ist ja das Schöne, dass man Filme sehen kann, die man sonst nie zu sehen bekommt, die aber eben ganz besondere Juwelen sind.

Ist ein Kinderfilmfest als Teil des Programms auch Zukunftsarbeit?

Ja, denn kaum ein Kind kommt von sich aus auf die Idee, einen ausländischen Film anzuschauen, von dem es noch nie was gehört hat. Sowas entscheiden natürlich die Eltern. Aber wenn man dann die Begeisterung im Kino miterlebt, weiß man, dass man das Publikum von morgen fürs Kino gewonnen hat. Und für Jugendliche haben wir dieses Jahr ein ganz besonderes Event mit der „Edelstein“-Trilogie und einer extra „Filmfest Card Edelstein“, mit der man noch zwei weitere Filmfest-Filme sehen kann. Ich sehe es auch immer wieder an meiner eigenen Tochter: Ins Kino gehen ist immer noch ein „cooles“ Ereignis – nicht nur, wenn es um Blockbuster geht.

Kinofilme brauchen, um produziert zu werden, oft Jahre. Wie können Sie da am Puls der Zeit sein?

Filmemacher sind ja meist sensible und interessierte Menschen und spüren so Entwicklungen oft sehr früh. Ein wunderbares Beispiel ist unser Film „Made in France“, der die Radikalisierung eines jungen Franzosen schildert bis hin zur Planung eines Anschlags. Der Film war vor den Anschlägen in Paris fertig und wurde dann erst einmal nicht ins Kino gebracht. Jetzt zeigen wir ihn.

Gibt es weiße Flecken auf der filmischen Landkarte?

Ja, weil – trotz Digitalisierung, die Filmemachen leichter gemacht hat – es eben eine Art von Struktur braucht, um regelmäßig Filme entstehen zu lassen, die dann auch wahrgenommen werden: Filmhochschulen, Produzenten, Kinos, Verleiher. Aber, um ein exotisches Land zu nennen: Wir haben zum Beispiel einen Film aus Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik, im Programm.

Haben Sie Angst vor der Fußball-EM als Konkurrenz?

Mal ist WM, mal EM, aber wir haben immer ein Publikum, das trotz schönem Wetter oder Fußball zu uns kommt. Und in Bezug auf Gemeinschaftserlebnis kann es unser Filmfest mit „Public Viewing“ allemal aufnehmen.

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