Deutscher Beitrag: Sandra Wollners "Everytime" geht ins Oscar-Rennen

Die Jury hat entschieden: Sandra Wollners Drama "Everytime" tritt für Deutschland in der Oscar-Kategorie "Bester internationaler Film" an. Elf Filme standen zur Auswahl. Über eine neue Academy-Regel sind zwei weitere deutsche Produktionen ebenfalls startberechtigt.
von  (jom/spot)
Sandra Wollner (4.v.r.o.) mit dem "Everytime"-Team in Cannes.
Sandra Wollner (4.v.r.o.) mit dem "Everytime"-Team in Cannes. © Imago images/Independent Photo Agency Int. / Alberto Terenghi

Sandra Wollners Spielfilm "Everytime" geht für Deutschland ins Rennen um den Oscar. Eine unabhängige, neunköpfige Jury im Auftrag von German Films hat das Drama als deutschen Beitrag für die 99. Academy Awards in der Kategorie "Bester internationaler Film" ausgewählt. Elf Filme lagen dem Gremium zur Sichtung vor, wie German Films am Dienstag mitteilte.

In der Begründung heißt es, der österreichischen Regisseurin gelinge mit rein filmischen Mitteln und überraschender Leichtigkeit das Kunststück, Trauer als aus den Fugen geratene Welt spürbar zu machen. Die Kamera erzeuge eine schimmernde, streckenweise entrückte Atmosphäre, ohne sich den Figuren aufzudrängen. Erinnerung und Gegenwart gingen nahezu unmerklich ineinander über.

Erzählt wird die Geschichte von Ella, die ihre Tochter Jessie verloren hat. Deren letztes Foto zeigt die Sonne über Berlin, als wäre nichts geschehen. Zurück bleiben Jessies jüngere Schwester und ein schwieriges Verhältnis zu jenem Jungen, dem alle die Schuld geben. Das ungleiche Trio landet auf einem Familienurlaub, den es so nie gegeben hat. Unter der Sonne Teneriffas verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart. Die Hauptrollen spielen Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann, Tristán López und Lotte Shirin Keiling.

Die Produzenten von The Barricades und Panama Film sowie Regisseurin und Drehbuchautorin Wollner erklärten, die Aufmerksamkeit in Cannes und das Vertrauen der Jury bestärkten sie darin, dass das Kino eigenwillige Stimmen mit dem Mut zu einer eigenen Form brauche.

Vom Prix Un Certain Regard bis nach Toronto

"Everytime" feierte im Mai 2026 bei den 79. Filmfestspielen von Cannes Weltpremiere. Wollners dritter Spielfilm lief in der Reihe Un Certain Regard und gewann dort den Hauptpreis der Sektion, in Sarajevo folgte die Auszeichnung Heart of Sarajevo for Best Narrative Feature Film. Die Nordamerika-Premiere steht im September in Toronto an, danach ist ein Auftritt beim New York Film Festival gesetzt.

Die deutsch-österreichische Koproduktion entstand bei The Barricades und dem ZDF gemeinsam mit der österreichischen Panama Film. In den deutschen Kinos läuft der Film seit dem 6. August, verkauft wurde er binnen kurzer Zeit in mehr als 30 Märkte. Der Start in Nordamerika ist für Anfang 2027 geplant.

Zwei weitere deutsche Filme dürfen eingereicht werden

Neben Wollners Drama sind zwei weitere deutsche Produktionen startberechtigt. Möglich macht das eine Regeländerung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences aus diesem Frühjahr: Filme können sich nun auch über den Gewinn eines festgelegten Qualifikationspreises bei ausgewählten internationalen Filmfestivals für die Kategorie "Bester internationaler Film" qualifizieren.

Das trifft auf İlker Çataks "Gelbe Briefe" zu, Gewinner des Goldenen Bären bei der diesjährigen Berlinale. Qualifiziert ist außerdem Visar Morinas "Von Scham und Geld" über eine Familie im Kosovo, die nach dem Verlust ihrer Lebensgrundlage in der Hauptstadt neu anfängt. Der Film gewann den Großen Preis der Jury in Sundance und startet am 24. September in den deutschen Kinos.

Die Termine bis zur Gala

Anfang November veröffentlicht die Academy eine Liste aller eingereichten Filme, im vergangenen Jahr hatten 86 Länder einen Beitrag geschickt. Die Shortlist mit 15 Titeln folgt am 15. Dezember 2026, die fünf Nominierungen werden am 21. Januar 2027 bekanntgegeben. Die Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 statt.

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