"Der Wunderweltenbaum": Ein Fantasy-Abenteuer mit Charme

Abseits von Superhelden und Fortsetzungen bringt "Der Wunderweltenbaum" frischen Wind ins Kino. Die Verfilmung einer eher unbekannten Buchreihe entfaltet nach verhaltenem Start ihren Charme und weiß mit Humor und Herz zu überzeugen.
(des/spot) |
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Ausschnitt aus dem Film "Der Wunderweltenbaum".
Ausschnitt aus dem Film "Der Wunderweltenbaum". © IMAGO/Landmark Media

Kinderbücher dienen Hollywood seit längerem schon als beliebte Vorlage für Verfilmungen - oft mit großem Erfolg. So zählt etwa die "Harry Potter"-Reihe zu den erfolgreichsten Filmserien der Kinogeschichte. Auch der charmante Bär Paddington hat in den vergangenen Jahren das Publikum begeistert. In Deutschland lockten zudem die Filme rund um "Die Schule der magischen Tiere" ein Millionenpublikum in die Kinos.

Seit Donnerstag läuft mit "Der Wunderweltenbaum" eine weitere Adaption auf der großen Leinwand. Der Film basiert auf der Kinderbuchreihe "The Faraway Tree" von Enid Blyton, die unter anderem auch für die Reihe "Fünf Freunde" bekannt ist. Zwar braucht die Geschichte etwas Zeit, um in Schwung zu kommen. Doch schließlich entfaltet sie ihren Charme und bietet unterhaltsames Kino für die ganze Familie, auch wenn der Film durchaus seine Schwächen hat.

Darum geht's in dem Film

Als die Geschwister Beth, Fran und Joe gegen ihren Willen mit ihren Eltern der Großstadt den Rücken kehren und aufs Land ziehen, beginnt für sie eine unerwartete Reise ins Unbekannte. In einem geheimnisvollen Wald in der Nähe stoßen sie auf einen magischen Baum, der bis in die Wolken ragt: den Wunderweltenbaum. In seinem Inneren leben seltsame und faszinierende Wesen.

Schon bald freunden sich die Kinder mit Figuren wie der Fee Seidenhaar, Mondgesicht und den Pfannenmann an, die sie in immer neue, fantastische Welten mitnehmen. Dort erleben sie aufregende Abenteuer, bis sie eines Tages ausgerechnet in der düsteren Welt der strengen Schuldirektorin Madame Klaps landen. Gleichzeitig gerät auch das Leben der Familie aus den Fugen, als der neu gestartete Familienbetrieb unerwartete Probleme macht.

Kinder kommen auf ihre Kosten

"Der Wunderweltenbaum" richtet sich klar an ein junges Publikum, was sich vor allem in der einfachen Erzählweise widerspiegelt. Themen wie Kindheit und familiärer Zusammenhalt werden kindgerecht aufbereitet, wirken dabei jedoch stellenweise etwas zu simpel. Auch der Humor zielt überwiegend auf jüngere Zuschauer ab und setzt vor allem auf Situationskomik.

Regisseur Ben Gregor gelingt zwar eine solide Inszenierung mit ordentlichem Erzähltempo. Doch nicht alle visuellen Effekte überzeugen. Die teils unausgereifte CGI reißt einen immer wieder aus der Geschichte heraus. Drehbuchautor Simon Farnaby hätte zudem stärker auf die fantasievollen Elemente rund um den Wunderweltenbaum setzen können. Immer dann, wenn die Handlung den Fokus auf die familiären Konflikte legt, verliert der Film etwas an Unterhaltungswert.

Ein Film mit Charme

Trotz seiner Schwächen ist "Der Wunderweltenbaum" ein durchweg charmanter Familienfilm. Vor allem die fantasievollen Figuren - darunter Mondgesicht, der Pfannenmann und die Fee Seidenhaar - sorgen mit ihrem eigenwilligen Humor für viele lustige Momente. Die Charaktere sind herrlich schräg und tragen wesentlich zum unterhaltsamen Ton des Films bei.

Auch die verschiedenen Fantasiewelten überzeugen mit kreativen Ideen. Darüber hinaus punktet der Film mit viel Herz und einem sensiblen Umgang mit wichtigen Themen. Die Umkehr klassischer Rollenbilder - mit einer berufstätigen Mutter und einem Vater, der sich um Haushalt und Kinder kümmert - verleiht der Geschichte eine unerwartet moderne Note. Das Finale dürfte dabei nicht nur ein junges Publikum emotional werden lassen.

Tolles Ensemble

Auch darstellerisch weiß der Film zu überzeugen. Andrew Garfield und Claire Foy verkörpern das Ehepaar Tim und Polly Thompson mit überzeugender Chemie - erfrischend ist dabei, sie einmal nicht in einem intensiven Drama, sondern in einem familienfreundlichen Stoff zu sehen. Rebecca Ferguson gibt die strenge Madame Klaps mit sichtbarer Spielfreude, bleibt jedoch aufgrund ihrer begrenzten Leinwandzeit etwas unterrepräsentiert.

Die fantasievollen Figuren werden von Schauspielern verkörpert, die vor allem aus dem Fernsehen bekannt sind: Nonso Anozie ("Game of Thrones") überzeugt als Mondgesicht, während Nicola Coughlan, die mit "Bridgerton" ihren Durchbruch feierte, der Fee Seidenhaar eine warme Note verleiht.

Fazit

"Der Wunderweltenbaum" hebt sich angenehm vom Überangebot an Superheldenfilmen und Fortsetzungen im Kino ab. Die heute weitgehend in Vergessenheit geratene Buchreihe wird liebevoll inszeniert und bietet kurzweilige Unterhaltung für Zuschauer jeden Alters.

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