"Der Teufel trägt Prada 2" kann mehr als nur Nostalgie

Es gibt Fortsetzungen, die auf Nostalgie setzen. Und solche, die krampfhaft versuchen, in der Gegenwart anzukommen. "Der Teufel trägt Prada 2" (ab 30. April im Kino) gehört erfreulicherweise zu einer dritten Kategorie: Der Film versteht, warum sein Vorgänger funktioniert hat, greift dessen Schärfe auf und übersetzt sie klug in die Gegenwart. Dass sich das Sequel dabei einen unnötigen Rückfall in alte Erzählmuster erlaubt, macht es nicht schlechter - aber weniger konsequent, als es sein könnte.
Zurück im Modezirkus: Macht, Medien und neue Allianzen
20 Jahre nach den Ereignissen von "Der Teufel trägt Prada" bewegt sich Andy Sachs (Anne Hathaway) erneut zwischen Journalismus, Mode und Machtspielchen. Die Medienwelt hat sich radikal verändert: Print kämpft ums Überleben und selbst die Herrschaft von Miranda Priestly (Meryl Streep) über das "Runway"-Imperium beginnt zu bröckeln.
Währenddessen hat sich Emily Charlton (Emily Blunt) längst emanzipiert und agiert als einflussreiche PR-Strategin für ein großes Modehaus, wobei sie die Schwächen ihrer ehemaligen Chefin genau im Blick behält. Als ein mysteriöser Milliardär mit Silicon-Valley-Aura versucht, sich in die Branche einzukaufen, geraten die alten Hierarchien endgültig ins Wanken und es entstehen völlig neue, gefährliche Allianzen.
Scharf, schnell, überraschend aktuell
Was sofort auffällt: Der Film versteht, warum der erste Teil so gut funktioniert hat - und kopiert ihn nicht einfach, sondern spiegelt ihn. Die Dialoge sind schnell, bissig, voller ikonischer Einzeiler, die sich mühelos neben die Zitate des Originals stellen. Der Humor ist präzise, oft überraschend und trifft besonders dann ins Schwarze, wenn er die Mechanismen der heutigen Medienlandschaft seziert.
Gerade die Figur des undurchsichtigen Tech-Milliardärs - irgendwo zwischen Mark Zuckerberg und Jeff Bezos - funktioniert als Projektionsfläche für eine Branche, in der Macht längst nicht mehr nur durch Inhalte, sondern durch Plattformen definiert wird. Dass Mode hier zur Währung wird, ist eine der cleversten Beobachtungen des Films: Einfluss wird gekauft, kuratiert und inszeniert.
Ein Ensemble in Bestform
Ein wesentlicher Grund, warum das so gut funktioniert, ist das Ensemble: Anne Hathaway trägt den Film erneut mit einer Andy Sachs, die gereift ist, ohne ihren Witz zu verlieren. Sie spielt diese Balance aus Ehrgeiz, Selbstzweifel und Ironie so selbstverständlich, dass die Figur sofort wieder greifbar ist. Meryl Streep bleibt als Miranda Priestly eine Klasse für sich - jede noch so kleine Geste sitzt, jede Pause ist kalkuliert, jede Spitze trifft.
Und dann ist da Emily Blunt, die den Film in vielen Momenten fast an sich reißt: Ihr komödiantisches Timing ist messerscharf, ihre Darbietung trocken bis ins Perfekte. Viele der besten Lines gehören ihr - und sie spielt sie so beiläufig, dass sie umso härter zünden.
Ein unnötiger Rückschritt
Umso auffälliger ist ein Handlungsstrang, der wie ein Relikt wirkt: Andys Dating-Leben. Während der Film an anderer Stelle präzise und zeitgemäß erzählt, verfällt er hier in eine fast schon reflexhafte Erzählung davon, dass beruflicher Erfolg allein nicht "genug" sei.
Das wirkt nicht nur altmodisch, sondern vor allem überflüssig. Der Subplot fügt der Figur nichts hinzu. Im Gegenteil: Man wünscht sich, dass Andy einfach existieren darf - erfolgreich, kompliziert, vielleicht auch alleinstehend - ohne dass ihr Leben durch eine romantische Nebenhandlung legitimiert werden muss.
Fazit
"Der Teufel trägt Prada 2" ist eine überraschend gelungene Fortsetzung: witzig, klug beobachtet und nah am Puls der Zeit. Er liefert genau das, was man sich erhofft - ikonische Dialoge, starke Figuren und eine bissige Analyse der modernen Medienwelt.
Dass er sich ausgerechnet bei der Darstellung weiblicher Lebensentwürfe einen Rückschritt erlaubt, schmälert das Gesamtbild zwar, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie unterhaltsam und pointiert dieser Film ist. Eine Fortsetzung, die versteht, warum ihr Vorgänger Kult wurde - und ihm in vielen Momenten tatsächlich ebenbürtig ist.