Kritik

"Der Super Mario Galaxy Film" ist nicht zu reparieren

Laut, bunt, seelenlos: "Der Super MarioGalaxy Film" kann der erfolgreichen Videospiel-Serie nichts Originelles hinzufügen.
Florian Koch |
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Auf zu neuen Abenteuern: Luigi, Mario und Yoshi unterstützen Prinzessin Peach.
Auf zu neuen Abenteuern: Luigi, Mario und Yoshi unterstützen Prinzessin Peach. © Nintendo and Illumination’s/Universal

Was gibt es Schöneres als eine liebevoll vorgetragene und charmant ausgedachte Gute-Nacht-Geschichte? Bowser ist so ein Vater, der sich ins Zeug legt, um seinen Sohn Bowser Jr. kurz vor dem Gute-Nacht-Kuss in eine fremde Welt zu entführen. Ein Kasperletheater der besonderen Art führt diese dämonische Schildkröte auf – wenn sie denn mal zu Hause ist. Völlig ungefiltert gibt der Bösewicht hier seine Allmachtsfantasien an seinen Sohn weiter, faselt von Weltherrschaft, Super-Kanonen und einer entführten Prinzessin. Wer hätte gedacht, dass diese Pädagogik der Marke Super-GAU einmal unheimliche Früchte tragen wird?

Wie eine schlecht programmierte KI

Es sind diese bedrohlichen wie gewitzten Szenen zwischen Vater und Sohn, Ober- und Babybösewicht, die hängen bleiben in einem Film, der ansonsten so wirkt, als wäre eine schlecht programmierte KI und keine Menschen dafür verantwortlich. "Der Super Mario Galaxy Film" ist eine Fortsetzung, die es nur geben musste, weil der erste Teil, "Der Super Mario Bros. Film", mit einem Einspielergebnis von 1,3 Milliarden Dollar unverschämt erfolgreich war. Drei Jahre hatten sich die Macher Zeit gelassen für eine Fortsetzung. Eine stimmige Geschichte gibt die Vorlage, die auch nach 40 Jahren äußerst populäre, aber inhaltlich schlichte Videospiel-Reihe, einfach nicht her.

Mario und Luigi und die dämonische Schildkröte Bowser.
Mario und Luigi und die dämonische Schildkröte Bowser. © Nintendo and Illumination’s/Universal

Die Lösung für das Plot-Problem findet sich im Titel. "Der Super Mario Galaxy Film" beruht auf dem bahnbrechenden 3D-Jump’n’-Run aus dem Jahr 2007. Erstmals hatten die Spielewelten keine flachen Oberflächen mehr, waren Himmelskörper zu sehen, in denen die Schwerkraft ausgesetzt war. Ein reizvolles Setting, aber noch keine Story. Da man bereits im besseren ersten Teil die Vorgeschichte von Luigi und Mario erzählt hatte, wird die Verortung der Figuren nun vollends aufgegeben.

Nur Typen, keine Charaktere

Die nur an der Farbe der Latzhosen und Mützen unterscheidbaren Brüder sind bloße Typen, keine Charaktere. Und als solche erledigen sie ihre Klempnerarbeiten nun im Pilz-Königreich von Prinzessin Peach (blond, blauäugig, brav). In diese kampferprobte Adlige ist Mario heimlich verliebt. Für eine Vertiefung der nicht standesgemäßen Beziehung fehlt aber die Zeit. Rosalina (blond, blauäugig, brav), intergalaktische Beschützerin der sternförmigen Lunas, wird von Bowser Jr. entführt. Kurzentschlossen bietet Peach den Lunas ihre Hilfe an, um dem rotznäsigen Prinzessinnen-Räuber das Handwerk zu legen. Mario und Luigi sollen an der Seite des niedlichen Sauriers Yoshi unterdessen auf ihr Königreich aufpassen.

Dreister Ideenklau bei anderen Blockbustern 

Es dauert aber nicht lang, bis die Klempner ebenfalls von Planet zu Planet hupfen, um der Prinzessin beizustehen. Der dünne Plot aus der Märchen-Mottenkiste ist dabei nur Vorwand, um ins Gaming-Detail zu gehen und die knallbunten Spielewelten mit den entsprechenden Soundeffekten vorzuführen. Das Anhäufen von Verweisen und Figuren führt aber nicht zu einer Dramaturgie, sondern nur zu drögen Level-auf-Level-Steigerungen.

Erschreckend ist auch, wie dreist und einfallslos sich der Film bei anderen Mainstream-Blockbustern bedient. Gerade "Star Wars" muss mehrmals herhalten, die Figur des Piloten-Hasardeurs Fox McCloud ist eine glatte Han-Solo-Kopie. Auch ein T-Rex aus "Jurassic Park" darf nicht fehlen. Und wenn es doch mal ruhiger wird, übernimmt ein Roboter die vergnügliche Langsamkeit der Faultiere in "Zootopia".

Dennoch heißt es am Ende wohl: Weitere Fortsetzung folgt! Das suggerieren jedenfalls die im Abspann versteckten Szenen – auch wenn nicht sicher ist, ob die reizüberfluteten Kinder da noch auf ihren Plätzen sitzen.

Kinos: Cincinnati, CinemaxX,
Gloria, Kino Solln, Leopold,
Mathäser, Royal sowie
Cinema und Museum Lichtspiele (OV)
R: Aaron Horvath, Michael Jelenic (USA, 98 Min.)

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