"Der Mann aus dem Eis" - Für eine Handvoll Heiliges

Ein Showdown in den Ötztaler Alpen: "Der Mann aus dem Eis" erzählt die Lebensgeschichte hinter der Gletschermumie.
| Robert Braunmüller
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„Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
Port au Prince Pictures 4 „Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
„Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
Port au Prince Pictures 4 „Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
„Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
Port au Prince Pictures 4 „Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
Dreharbeiten für „Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel
Port au Prince Pictures 4 Dreharbeiten für „Der Mann aus dem Eis“ von Felix Randau mit Jürgen Vogel

Vor 5.000 Jahren dachten die Ägypter noch nicht über Pyramiden nach. Aber darüber, ob es nicht besser sei, einen Staat einzurichten. In Ur im Zweistromland entstand die erste Großstadt. Und in den Ötztaler Alpen wurde ein Mann von einem Pfeil verletzt. Er starb wenig später in 3.208 Metern Höhe. 1991 wurde seine gefrorene Mumie an der italienisch-österreichischen Grenze am Tisenjoch von Bergsteigern entdeckt. Heute ruht er im archäologischen Museum Bozen.

Über die Umstände von Ötzis Tod wird seither munter spekuliert. Ein Thriller über den "Mann aus dem Eis" lag in der Luft. Regisseur Felix Randau hat ihn nun mit Jürgen Vogel im Umfeld der Originalschauplätze gedreht. Und, damit die regionale Filmförderung üppiger sprudelt, auch noch in Kärnten und Bayern.

Binnen fünf Minuten schreitet der Zuschauer bereits das volle Spektrum der jungsteinzeitlichen Existenz zwischen Liebe, Geburt und Tod ab. Dem mit der Landschaft vertrauten Wanderer stellt sich die Handlung etwa so dar: Ur-Südtiroler aus dem heutigen Schnalstal überschreiten den Alpenhauptkamm und rotten Ötzis Familie aus, der hier Kelab heißt (Jürgen Vogel). Der kehrt von der Jagd und Fallenstellerei zurück, rettet ein überlebendes Baby und beginnt einen westernreifen Rachefeldzug, ehe es ihn selbst erwischt.

Verständigung durch nicht synchronisiertes Alt-Rätisch

Kein Zufall, dass Franco Nero in einer Nebenrolle mitspielt. Er haust mit einer exotischen, erotisch unterforderten Schönheit oberhalb der Baumgrenze, was die Glaubwürdigkeit ein wenig strapaziert. Die wortkargen Bergbewohner verständigen sich durch Pfeilschüsse, harte Schläge mit dem Kupferbeil und ein nicht synchronisiertes Alt-Rätisch. Die vielen Zauselbärte sind deshalb schwer auseinanderzuhalten. Weshalb der Film auch heißen könnte: Räuber Hotzenplotz jagt Räuber Hotzenplotz. Und Leichen pflastern seinen Weg.

Jakub Bejnarowicz hat die Unwirtlichkeit des Hochgebirges mit der Kamera eindrucksvoll eingefangen. Die lange Fahrt, die den Rächer und die Verfolgten auf einem Grat bei Graupelschauer mit dem Geierauge beobachtet, wurde von der Schnalstaler Gletscherbahn aus aufgenommen.

Was vor allem nervt, ist das Brimborium: Kelab ist nicht nur Jäger, sondern auch Schamane. Die finsterbärtigen Südtiroler sind hinter einem Kultobjekt her. Auch wenn Jürgen Vogel das Nörgeln über dieses Requisit auf die Nerven geht: Es sieht aus wie ein esoterisches Souvenir vom Wintertollwood.

Beim Verlassen des Kinos freut man sich auf die Zivilisation

Kurz vor dem finalen Pfeilschuss wirft Kelab das Heiligtum in die Landschaft. Wenn der Rest der Welt seine einsame Absage an das Numinose mitbekommen hätte, wäre der Menschheit einiges erspart geblieben.

Eines kann man dem "Mann aus dem Eis" nicht vorwerfen: dass er die Vergangenheit oder das Hochgebirge idealisieren würde. Und so freut man sich beim Verlassen des Kinos, dass die Zivilisation zwischenzeitlich Fortschritte gemacht hat. Wenn schon Steinzeit, dann lieber in Ägypten, wo man sich damals schon rasiert hat.


Kino: Gabriel, CinemaxX, Monopol
Regie: Felix Randau, (D/ I /A, 96 Min.)

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