Daniel Brühl und Helen Mirren in "Die Frau in Gold"

Das Drama um Raubkunst und große Gefühle: „Die Frau in Gold“ mit Helen Mirren in der AZ-Kritik.
| Martin Schwickert
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Daniel Brühl als deutscher Journalist und Helen Mirren als Dame, die „Die Frau in Gold“ zurückhaben will.
SquareOne Daniel Brühl als deutscher Journalist und Helen Mirren als Dame, die „Die Frau in Gold“ zurückhaben will.

„Sie ist die Mona Lisa Österreichs“ sagt der Journalist Hubertus Czernin (Daniel Brühl) und ihm ist klar, dass sein Land das unrechtmäßig erworbene Gemälde niemals freiwillig hergeben wird.

Die Rede ist von Gustav Klimts „Die Frau in Gold“ – eines der bekanntesten und opulentesten Gemälde des Wiener Jugendstils, das bis heute tausendfach reproduziert auf Postkarten, Postern und Kühlschrankmagneten an Popularität wenig eingebüßt hat. Die mondäne, in Gold eingefasste Dame mit dem glitzernden Collier heißt Adele Bloch-Bauer. Ihr Bild hing im Wohnzimmer der jüdischen Fabrikantenfamilie, bis die Nazis es beschlagnahmten. Erst 1998 begann ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem die in den USA lebende Erbin Maria Altman ihren Anspruch auf das Bild geltend machte. Von diesem zähen Kampf nicht nur um ein wertvolles Gemälde, sondern auch um ein Stück Erinnerung erzählt Simon Curtis „Die Frau in Gold“.

Die wunderbare Helen Mirren spielt die 81-jährige Maria Altman, die 1938 vor den Nazis in die USA flüchtete und einen großen Teil ihrer Familie im Holocaust verloren hat. Ihr gegenüber steht Ryan Reynolds in der Rolle des jungen, unerfahrenen Anwalts Schoenberg und die beiden geben ein spielfreudiges und warmherzig gezeichnetes Odd-Couple ab.

Lesen Sie hier: Die Kino-Tipps im Juni

Die Exkursion nach Wien wird für Maria eine Reise in die Vergangenheit, bei der sie nicht nur äußerst kaltschnäuzigen Interessenvertetern des österreichischen Staates gegenübersteht, sondern auch mit den eigenen, verdrängten Erinnerungen konfrontiert wird.

So gut die persönliche wie politische Dynamik auf der Gegenwartsebene des Rechtsstreites funktioniert, so schablonenhaft sind die Rückblenden ins Wien der späten dreißiger Jahre. Es sind doch stets dieselben Bilder, mit denen das amerikanische Kino das Dritte Reich visualisiert, was besonders hierzulande angesichts einschlägiger, thematischer Seherfahrung besonders ins Auge fällt.

Dennoch macht dieser konventionell gestrickte Film angesichts der Raubkunst-Debatte noch einmal deutlich, dass es nicht nur um den materiellen Wert der Kunstwerke geht, sondern auch um Erinnerungsstücke, deren Restitution unabdingbarer Teil einer historischen Aufarbeitung ist.

Kino: Arri, Eldorado, Solln, Leopold

Regie: Simon Curtis (USA / GB, 109 Min)

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren