Dämonen und Wunder: Alptraum Europa

„Dämonen und Wunder“ gewann die Goldene Palme, doch der Plot ist wenig überzeugend und erzählt die Geschichte dreier Widerstandskämpfer, die sich in einem Flüchtlingslager treffen und sich zusammen tun, obwohl sie einander nicht leiden können.
| Diemuth Schmidt
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Why Not Productions/dpa

Mit Schmerz kennt sich Jacques Audiard aus. Das bewies der französische Regisseur in Filmen wie „Der Geschmack von Rost und Knochen“. Eine Goldene Palme gab es dafür nicht, die holte er dafür beim diesjährigen Festival mit dem Integrationsdrama „Dämonen und Wunder – Dheepan“. Der Film ist künstlerisch schwächer, hat jedoch ein aktuelles Thema: das Fremdsein von Flüchtlingen. Audiard macht in den Details vieles richtig, doch der Plot reißt nicht mit.

 

Treffen im Flüchtlingslager

 

Drei Tamilen können sich aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka retten. In einem Flüchtlingslager treffen sich der ehemalige Widerstandskämpfer Dheepan (Jesuthasan Antonythasan), Yalini (Kalieaswari Srinivasan) und die Waise Illayaal (Claudine Vinasithamby). Mit falschen Papieren geben sie vor, eine Familie zu sein, um zusammen nach Europa fliehen zu können. Diese Erzählung gehört zu den Stärken des Drehbuchs: wie sich drei Fremde in der Not zusammen tun – obwohl sie einander nicht leiden können.

 

Das harte Leben in den Pariser Banlieues

 

In Paris bekommen die drei eine Wohnung in den Banlieues zugewiesen. Und das Versprechen Europa wird im Bandenkrieg der Vororte zum Alptraum. Dheepan geht mit gebeugter Haltung seiner Arbeit als Hausmeister nach, sieht sich rassistischen Kommentaren und Ausländerhass ausgesetzt. Seine angebliche Ehefrau muss sich als Pflegerin beim Onkel des Drogenbosses verdingen. Schließlich wird auch Dheepan mit den örtlichen Machenschaften im Drogenmilieu konfrontiert.

Der Film besteht aus vielen Momenten der Routine im Alltagsleben. Langsam wachsen die drei zu einer Familie zusammen, doch die Liebesgeschichte zwischen den „Eltern“ kann man für unglaubwürdig halten. Ein verstörender Hollywood-Showdown setzt dann jeder Figuren-Entwicklung sowieso ein Ende – als wünschte sich auch der Regisseur, dass endlich mal etwas passiert.

 

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