AZ-Kinokritik zu "Sleepless": Einsamer Cop

Baran bo Odars US-Debüt "Sleepless" fehlt es an Sprengstoff.
| Florian Koch
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Michelle Monaghan und Jamie Foxx als übellaunige Ermittler.
Tobis Michelle Monaghan und Jamie Foxx als übellaunige Ermittler.

Betrug, Erpressung, Raub. Einer Gang in Baltimore wird gerade der Prozess gemacht. Der Clou: Bei den wenig glorreichen Sieben handelt es sich um Polizisten einer Spezialeinheit. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die den US-amerikanischen Gesetzeshütern nicht erst seit den Vorfällen in Ferguson, als der unbewaffnete Afroamerikaner Michael Brown brutal erschossen wurde, skeptisch gegenüberstehen. Mitten in diese aufgeheizte Stimmung kommt mit "Sleepless" nun ein Film, der dem US-Polizeiapparat den Spiegel vorhalten könnte.

Leider bleibt es bei einem uninspirierten Actionthriller ohne gesellschaftlichen Sprengstoff. Regisseur Baran bo Odar, Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, hat sich für sein US-Debüt den französisch-belgischen Film "Sleepless Night" zum Vorbild genommen. Alle Vorzüge dieses Reißers, eine fiebrige Atmosphäre, ständiger Zeitdruck, eine gefährliche Gangster-Gemengelage aus Korsen, Kapverden und Franzosen sind nun einer konventionelleren, dem amerikanischen Markt angepassten Inszenierung gewichen.

Oscarpreisträger Jamie Foxx gefällt sich sichtlich in der Rolle des einsamen, in die Ecke gedrängten Cops, der alles versucht, um seinen Teenie-Sohn (Octavius J. Johnson) aus den Fängen eines schmierigen Casino-Chefs (Dermot Mulroney) zu befreien. Nebenbei muss er sich noch mit seiner besorgten Ex-Frau (Gabrielle Union), einem korrupten Partner (Rapper T.I.) und einer biestigen internen Ermittlerin (Michelle Monaghan) auseinandersetzen. Viel Stoff für einen Film, in dem ein schief gelaufener Überfall auf einen Drogentransport der Auslöser ist für fatale Fehlentscheidungen.

An Baran bo Odar, der mit dem Cyber-Thriller "Who am I" das Interesse Hollywoods weckte, liegt es nicht, dass sich der Wunsch nach einer nachvollziehbaren Auflösung in Grenzen hält. Dafür ist der stereotype Plot zu dünn, wirkt es zu unglaubwürdig wie die schwer verletzte Hauptfigur sich immer wieder aufrafft, um bei Schlägereien die Oberhand zu behalten. Immerhin dürfte Odar sich nach dem Flop bald rehabilitieren: Seine mit Spannung erwartete Netflix-Serie "Dark" soll Ende des Jahres zu sehen sein.   


Kino: Mathäser, R: Baran bo Odar (USA, 95 Min)

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