AZ-Kinokritik zu "Kong: Skull Island": 30-Meter-Monster sucht Tiefgang

"Kong: Skull Island" bleibt bei hohem Schauwert ein sinnfreier Blockbuster.
| Margret Köhler
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Irgendwo im Dschungel versteckt sich ein Monster.
Warner Brothers Irgendwo im Dschungel versteckt sich ein Monster.

Eine vergessene Insel im Südpazifik, beherrscht vom mythischen Kong. Dahin verschlägt es ein buntes Trüppchen aus Vietnamsoldaten, Abenteurern und Wissenschaftlern, angeführt vom Spezialkräfte-Ass James Conrad (Tom Hiddleston) und dem in Vietnam gestählten Lieutenant Colonel Packard. Dazu noch Brie Larson als Kriegsfotografin Mason und John Goodman als passioniertem Monsterjäger und Initiator der Mission.

Als Reaktion auf die Bösewichte, die sein Paradies erst einmal mit Napalm bepflastern, haut der wütende Kong, der letzte seiner Art, Mensch und Maschine in Stücke. Der versprengte Rest schlägt sich durch den Dschungel, immer bedroht von unheimlichen Wesen. Während Packard seinem Widersacher gerne in die Augen blickt und in einem mit Benzin gefüllten See abfackeln will, streichelt ihm die mutige Mason mal zärtlich den Pelz.

Wie bei seinen filmischen Vorgängern wird Kongs Herz beim Anblick des zarten Weibes weich, das er vorm Ertrinken rettet und in seiner Pranke ruhen lässt. Für 190 Mio Dollar liefern die Macher der Special-Effects-Schmiede ILM (Industrial Light & Magic) einen überwältigenden Schauwert unter der Leitung des zweifachen Oscar-Preisträgers Stephen Rosenbaum ("Avatar", "Forrest Gump"). Die visuellen Effekte faszinieren, nicht nur beim 30 Meter großen Monster. Wenn die Hubschrauber wie Käfer im Todesballett synchron am Himmel fliegen, bis sie vom selbigen heruntergeholt werden, ist das optisch kaum zu toppen.

Eine Stimmung wie im Vietnam-Krieg

Beim Kampf Mensch gegen Natur, Homo Sapiens gegen Kong, kriechen Riesen-Echsen, krude Kraken oder sonstiges überdimensionales Viehzeug aus den Löchern, packen sich die neuen Appetit-Happen und dezimieren brutal die Zahl der Eindringlinge. Im Gegensatz zu symphonischen Klängen bei kitschigen Sonnenuntergängen bringen Hits aus der Vietnam-Ära wie Creedence Clearwater Revival, die schon am Anfang in "Bad Moon Rising" warnen, "I know the end is coming soon", das Gefühl der 1970er Jahre rüber.

Das Ende in diesem Mix aus dem Klassiker King Kong, "The Lost World" und "Apocalypse Now" lässt etwas länger auf sich warten. Beim Treffen mit bemalten Einheimischen taucht noch John C. Reilly auf, ein auf der Insel im Jahre 1943 gestrandeter Kampfpilot, der sich über Neuigkeiten wie die Mondlandung wundert und den Kalten Krieg mit kaltem Sommer verwechselt.
Der manchmal böse aufblitzende Humor verpufft aber schnell. Tiefgang Fehlanzeige bei diesem bombastischen, aber sinnfreien Blockbuster.     


Kinos: Cincinnati (3D), Cinema, Mathäser, Museum Lichtspiele (OV), Münchner Freiheit (3D), Royal-Filmpalast

R: Jordan Vogt-Roberts
(USA, 118 Min)

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