AZ-Filmkritik zum neuen Kinofilm "Elvis und Nixon" mit Kevin Spacey

Mehr als ein guter Witz: „Elvis & Nixon“, eine gelungene Komödie über ein irres Team.
| Matthias Pfeiffer
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Michael Shannon glänzt als kaputter Elvis, Kevin Spacey spielt wieder einen US-Präsidenten.
Universum Michael Shannon glänzt als kaputter Elvis, Kevin Spacey spielt wieder einen US-Präsidenten.

Treffen sich Elvis Presley und Richard Nixon. Sagt Elvis zu Nixon: „Ich würde gerne Undercover-Agent werden“. Was könnte man jetzt für eine Pointe setzen? Im Grunde ist das egal, denn hier kommt kein Witz an die Realität heran. 1970 fand dieses bizarre Treffen wirklich statt. Liza Johnson erzählt mit „Elvis & Nixon“, wie diese Begegnung hätte sein können.

Das ist eine Herausforderung. Schließlich soll hier kein Elvis- auf einen Nixon-Imitator losgehen. Johnsons Film schafft es aber, aus der Geschichte keine Farce zu machen. Besonders Michael Shannon bringt einen herrlich glanzlosen Rock ‘n’ Roller auf die Leinwand. Der King ist komplett aus der Zeit gefallen, ein groteskes Relikt der letzten Generation. Der ehemalige Rebell ist einer Welt ausgesetzt, die er nicht mehr versteht: Hippies, Kiffer, Kommunisten – überall Feinde. Deshalb gibt es jetzt auch wichtigeres als „Jailhouse Rock“, nämlich dem Land als Agent zu dienen. Schließlich bringt er dafür genug mit: Schauspiel- und Karate-Erfahrung, Verkleidungstalent und – was jeder gute Amerikaner braucht – Schusswaffen.

Patriotische Spinnereien und ein grantiger Präsident

Dem in patriotischen Spinnereien schwelgenden Elvis steht ein stets grantiger Richard Nixon gegenüber, kongenial verkörpert von Kevin Spacey. Auch dem Präsidenten gefällt nicht, wie sich sein Reich verändert. Auf ein Treffen mit dem berühmten Hüftschwinger könnte er allerdings auch gern verzichten – aber was tut man nicht alles für das Image und die Tochter, die sehr gern ein Autogramm hätte. Und siehe da: die beiden stehen sich doch näher als geglaubt.

„Elvis & Nixon“ ist mehr als eine abstruse Komödie. An Elvis zeigt sich der Untergang eines amerikanischen Idols – parallel zum Fall der amerikanischen Werte durch den Vietnamkrieg. Der Held mit der Haartolle kommt mit gar nichts mehr zurecht, ohne seinen Freund Jerry (Alex Pettyfer), den er eigensinnig von Heim, Job und Freundin weglockt, würde er auch seinen Wahnsinnsplan nicht auf die Reihe kriegen. Daneben steht Nixon als Dinosaurier aus der Vorzeit, dessen Fall bald kommen wird.
Und was tut man, wenn der Stern am Sinken ist? Man heftet sich an Ideen und Werte von vorgestern.


Kino: Arena, Monopol

Regie: Liza Johnson (USA 2016, 87 Min.)

 

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