AZ-Filmkritik: Die Erfindung der Wahrheit - Jessica Chastain als Lobbyistin

"Die Erfindung der Wahrheit": Jessica Chastain brilliert als skrupellose Lobbyistin.
| Margret Köhler
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Elizabeth (Jessica Chastain) ist erfolgreich, aber einsam.
Universum Elizabeth (Jessica Chastain) ist erfolgreich, aber einsam.

Eine Quote braucht diese Frau nicht. Lobbyistin Elizabeth Sloane hat es auch so in einer renommierten Kanzlei nach oben geschafft. Weiblich ist nur ihr knallroter Lippenstift, die schulterlangen Haare und die schicken Kostümchen, ansonsten toppt diese Dame die knallharten Kollegen noch an Kälte und Skrupellosigkeit.
In Washington soll sie hinter den Kulissen ein für die Waffenlobby unbequemes Gesetz verhindern. Warum sie nach einem Streit mit ihrem Chef die Seiten wechselt und plötzlich mit Mitgliedern ihres Teams in der kleinen Firma eines Idealisten anheuert, der gegen das Gesetz kämpft, bei "Hippies in Anzügen", wie sie abwertend formuliert: Das versteht man nicht wirklich. Politische Gründe können es nicht sein, da bleibt als Erklärung nur ihre Obsession, zu gewinnen. Auch mit illegalen Methoden.
Oscar-Preisträger John Madden ("William Shakespeare in Liebe") erzählt in diesem dramatischen Politthriller mit überraschenden Wendungen, wie eine gewiefte Strippenzieherin die alten und weißen Männer der "National Rifle Association" (NRA) das Fürchten lehrt und gewissenlos auch ein Schusswaffenopfer für ihre Zwecke instrumentalisiert.

Die Strategin umweht eine Aura der Einsamkeit

Jessica Chastain trägt die dialoglastige Handlung auf ihren Schultern, ihre Worte sind wie Dolche, die den Gegner durchbohren. Trotz Unangreifbarkeit weckt die Strategin Mitleid, umweht sie eine Aura der Einsamkeit, wenn sie sich allein mit Fastfood vollstopft oder einen Callboy für den Sex kommen lässt. Was wieder dem üblichen Klischee der emotionslosen Karrierefrau entspricht.
Der Krieg um das Gesetz erinnert an ein Schachspiel, bei dem jeder Zug einem intellektuellen Kräftemessen gleicht, bis es heißt: Schach matt. Für Madden geht es um ein scheinbar unerreichbares politisches Ziel, um Taktiken in den schalldichten Konferenzräumen einer Milliarden-Dollar-Industrie, um eine moralisch fragwürdige Heldin, die einen hohen Preis zahlt.
Während einer Senatsanhörung, in der Sloane sich rechtfertigen muss, verweisen Rückblenden auf dubiose Ereignisse, die die Juristin in einem zweifelhaften Licht erscheinen lassen, aber auch auf die Manipulation von Politik und Medien, den Verlust von Demokratie. Alles ist elegant und fließend inszeniert, bis Madden am Ende mit ein paar Tricks den Bogen überspannt. Der brillanten Jessica Chastain schaut man trotzdem gerne bei diesem schmutzigen Geschäft zu.


Regie: John Madden (USA, 133 Min.)
Kinos: Atelier, CinemaxX, City, Leopold, Monopol, Museum-Lichtspiele, Neues Maxim

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