AZ-Filmkritik: Der Klang der Stimme - Eine Inspirationsquelle für alle

Ein wunderbarer Dokumentarfilm über ein intimes Organ: "Der Klang der Stimme".
| Julia Sextl
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Regula Mühlemann und Ramon Vargas.
mindjazz pictures Regula Mühlemann und Ramon Vargas.

Schreien, Singen, Reden: Die menschliche Stimme ist ja vielseitig. Was sich damit im Extremen alles machen lässt, zeigt jetzt der Schweizer Filmemacher Bernhard Weber in seinem Kinofilm "Der Klang der Stimme". Dabei begleitet er Protagonisten, die auf verschiedene Art und Weise die Grenze ihrer Stimme immer wieder neu ausloten.

Eine von ihnen: die Sopranistin Regula Mühlemann, die zu den aktuell besten Nachwuchssängerinnen zählt. So beeindruckend ihre Fähigkeit ist, schöne Töne zu produzieren: Der Film beleuchtet auch den Stress, den ihr Beruf verursacht – und wie sich das unmittelbar auf die Stimme auswirkt. Auch Star-Tenöre wie Ramón Vargas blieben davon nicht verschont, sagt Mühlemann.

Die Stimme: Mehr als nur ein Kommunikationsmittel

Ein weiterer Stimmkünstler ist Andreas Schaerer. Der Schweizer experimentiert von Kindheit an mit seiner Stimme, kann Geräusche und Töne produzieren, wie es nur wenige vermögen. Als Vokalakrobat tritt er mit Jazzformationen und Orchestern auf.

Dass die Stimme aber noch mehr ist als Mittel zur Kommunikation und zum kontrollierten Ausdruck von Emotionen, zeigt der Film anhand von Therapeutin Miriam Helle. Sie lässt ihre Klienten schreien, kreischen und stöhnen. So sollen sie sich selbst wiederfinden. Wie die Moderatorin, die sich nach der Therapiesitzung "innerlich belebt" fühlt und sagt: "Viele machen Gesprächstherapien, denn im Reden sind wir stark. Aber wir können nicht alles verbalisieren. Über den Ton ist es viel intimer."

Eine Inspiration für alle, die ihre Stimme nicht in Vielfalt nutzen

Auch einen der weltweit renommiertesten Stimmforscher begleitet der Filmemacher: den Arzt Matthias Echternach. Dieser will dem Faszinosum Stimme mit wissenschaftlichen Methoden auf die Spur kommen. Spannend der Moment, wenn Echternach Musiker im Kernspin singen und jodeln lässt – und ihre Kehlkopf-Bewegungen auf dem Bildschirm zu sehen sind. Oder jene von Georgia Brown, der Frau mit der wohl höchsten Stimme der Welt, während sie ein dreigestrichenes f aushält – den Spitzenton von Mozarts "Königin der Nacht".

Weber ist es gelungen, mit vielen Fragmenten die große Bandbreite der menschlichen Stimme aufzuzeigen – und die umfangreiche Möglichkeit, sich darüber auszudrücken. Sein Film kann Inspiration sein: für jene Zuschauer, die ihre Stimme in ihrer Vielfalt nicht mehr nutzen. Mögen sie diese Gabe wiederentdecken.


Kinos: Monopol, City, R: Bernhard Weber (CH, 82 Min.)

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