Avengers Filkritik - Kinokritik zu Infinity War: Masse macht's nicht

"Avengers: Infinity War" ist ein Stückwerk und nutzt nicht die Chance, spielerisch mit den Superheldencharakteren umzugehen.
| Florian Koch
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Helden in alberner Pose (von links): Benedict Cumberbatch als Dr. Stephen Strange, Robert Downey Jr. als Iron Man, Mark Ruffalo als Bruce Banner alias Hulk und Benedict Wong als Wong.
WDS Helden in alberner Pose (von links): Benedict Cumberbatch als Dr. Stephen Strange, Robert Downey Jr. als Iron Man, Mark Ruffalo als Bruce Banner alias Hulk und Benedict Wong als Wong.

Man stelle sich eine Superband vor: Kurt Cobain, Bob Marley, Elvis Presley, John Lennon, Michael Jackson, Tupac und viele andere gemeinsam auf einer Bühne - für ein zweieinhalbstündiges Konzert, aber nur mit nur einem einzigen simplen Song im Gepäck.

Ganz ähnlich fühlt sich ein Zuschauer, und sei er auch ein Kenner des Marvel-Universums, bei "Avengers: Infinity War". Denn der 300 Millionen Dollar Blockbuster, der das bisher maue Kinogeschäft retten soll, vereint so viele Comic-Superstars wie nie zuvor. So verlockend es auch klingt, Spider-Man, Black Panther und die Guardians of the Galaxy zu vereinen, so schwierig gestaltet sich die Umsetzung. Denn ganz ähnlich wie bei der fiktiven Superband steht jede der Figuren für einen anderen Stil.

Und letztlich bleibt es dann auch bei durchaus mitreißenden Soli. So fehlt aber der rote Faden - auch wenn die Geschichte tatsächlich nicht mehr hergibt als einen Song, oder besser: einen Refrain.

Nur das Aufeinandertreffen der Superhelden macht richtig Spaß

Wir erleben mit Thanos (Josh Brolin) einen Superbösewicht, der das Universum mit Hilfe eines einzigen Gimmicks, den sechs Infinity Steinen, vernichten kann. Und so lassen die "Captain America" geschulten Marvel Regie-Profis Anthony und Joe Russo Thanos' hässliche Häscher von der Erde bis in den Weltraum nach diesen Steinen jagen - während die jeweils präsenten Marvel-Helden das verhindern wollen.

So bleibt bei all den Konfrontationen in wechselnden Konstellationen die Frage nach dem Warum: und hier fangen die Probleme des Films an. Thanos, dieses unförmige nicht gerade charismatische Steinwesen, muss psychologisiert werden und den Erklärbär geben. Die Bevölkerung retten will der Tyrann, indem er "Gnade" walten lässt und "nur" die Hälfte aller Lebewesen auslöscht: So hätten die Überlebenden mehr Lebensraum, mehr Ressourcen, könnten sich besser entfalten - unter seiner Obhut versteht sich.

Aber unsere Superhelden-Superband kann, auch wenn sie sich gar nicht untereinander versteht oder kennt, beim Handwerk Legen nur gemeinsam Erfolge erzielen. Und genau diese Kennenlern-Szenen sind es auch, die den wenigen Reiz des aufgeblähten Actiongetöses ausmachen.

"Avengers: Infinity War" ist lediglich virtuoses Stückwerk

So, wenn der extrovertierte Super-Techniker Iron Man (Robert Downey Jr.) mit dem introvertierten, erdverbundenen Zauberer Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) zusammenrasselt. Oder wenn die gutmütigen Machos Star-Lord (Chris Pratt) und Thor (Chris Hemsworth) sich ständig übertrumpfen wollen - und sich dabei vor der gesamten Crew blamieren. Hübsch sind auch die vergeblichen Versuche von Bruce Banner (Mark Ruffalo) sich in Hulk zu verwandeln, damit er beim Hauen und Stechen endlich mit dabei sein darf.

Schmerzlich ist aber, dass so spannende Helden wie Black Panther (Chadwick Boseman) hier nur zum Stichwortgeber taugen und generell das Spielerische immer wieder dem großen Drama weichen muss. So bleibt es nur bei virtuosem Stückwerk samt Schockerschluss. Eine Zugabe gibt's erst 2019, beim nächsten Avengers-Happening.


Kinos: Cincinnati und Cinemaxx (auch 3D), Cadillac (auch OV), Cinema (OV, auch 3D), Gloria und Mathäser (3D, auch OV)
R: Anthony und Joe Russo
(USA, 149 Min.)

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